PFAS-Verschmutzung durch Rechenzentren im KI-Boom nimmt zu

Durch | Oktober 4, 2025

Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) treibt nicht nur den Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren in die Höhe, sondern birgt auch ein neues Umwelt- und Gesundheitsrisiko: Die Freisetzung von PFAS-„Forever Chemicals“ in Form von F-Gasen. Laut einem Bericht der Guardian-Journalisten Tom Perkins vom 4. Oktober 2025 warnen öffentliche Gesundheitsaktivisten davor, dass Tech-Riesen wie Google, Microsoft und Amazon durch den Einsatz dieser Chemikalien in ihren Einrichtungen die Klimaschäden ihrer Rechenzentren unterschätzen. Die Branche argumentiert, die Emissionen seien minimal, doch Experten fordern dringend mehr Forschung und strengere Regulierungen, da PFAS persistent in der Umwelt verbleiben und mit Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen sowie Immunschwächen in Verbindung stehen.

Details des Problems: PFAS in der Kühlung und Ausrüstung

Rechenzentren, die Server und Netzwerkausrüstung für den globalen Datenverkehr speichern, verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser – oft genug, um den Übergang der USA zu erneuerbaren Energien zu verzögern und fossile Kraftwerke am Netz zu halten. Der KI-Boom verstärkt dies: Die Nachfrage nach leistungsstärkeren Anlagen explodiert, was zu einer Flut neuer Zentren führt. Besonders problematisch sind fluorierte Gase (F-Gase), eine PFAS-Untergruppe, die in der Kühlung und Isolierung von Elektrogeräten eingesetzt werden. Diese Gase sind potente Treibhausgase und zerfallen teilweise zu Trifluoressigsäure (TFA), einem global ansteigenden Stoff mit unbekannten Langzeitrisiken.

Die Industrie gibt zu, PFAS zu nutzen, betont jedoch, dass Freisetzungen gering seien. Doch Aktivisten wie Jonathan Kalmuss-Katz von der Umweltorganisation Earthjustice widersprechen: „Wir wissen, dass PFAS in diesen Zentren vorkommen, und all das muss irgendwo hingehen. Dieses Thema ist gefährlich unterforscht, während wir Rechenzentren massiv ausbauen – und es fehlt an Infos zu den Langzeitfolgen.“ Mike Belliveau, Gründer der Non-Profit-Organisation Bend the Curve, hebt hervor, dass Rechenzentren als „riesige Generatoren von Elektroschrott“ gelten: Häufige Upgrades erzeugen Abfälle, deren Verbrennung PFAS nicht vollständig zerstört, sondern in kleinere, potenziell schädliche Fragmente zerlegt.

Chemiehersteller wie Chemours nutzen den KI-Boom sogar als Rechtfertigung für Produktionserweiterungen in Anlagen in West Virginia und North Carolina, was die Verschmutzungsrisiken weiter steigert. Bisher gibt es keine Tests für PFAS in Luft oder Wasser um Rechenzentren, und Unternehmen müssen weder Mengen noch Entladungen berichten.

Hintergrund: Bekannte Risiken und der KI-Treiber

PFAS, eine Gruppe von über 15.000 Verbindungen, machen Produkte wasser-, fleck- und fettabweisend, landen aber in 99 Prozent des US-amerikanischen Blutes und kontaminieren Arktis-Tiere. Frühere Berichte zeigten, dass Halbleiterfabriken – eng mit Rechenzentren verbunden – PFAS-Abwässer mit bis zu 78.000 Parts pro Trillion (ppt) produzieren, weit über dem EPA-Limit von 4 ppt. Der Chips and Science Act von 2022 hat mit 825 Milliarden Dollar Investitionen einen Boom ausgelöst, doch Branchengruppen wie der PFAS-Konsortium blocken Regulierungen ab, indem sie industrie-freundliche Studien finanzieren.

Neue Forschung unterstreicht die Synergieeffekte: PFAS-Mischungen sind toxischer als Einzelstoffe, und in Kombination mit Mikroplastics steigt die Gefährdung um 40 Prozent – ein Szenario, das in der Realität alltäglich ist, da Regulierer Stoffe isoliert betrachten. 11 In der Landwirtschaft kontaminieren PFAS-haltige Klärschlämme Felder, was zu Schließungen von 84 Farmen in Maine führte; ähnliche Risiken drohen nun bei Rechenzentren.

Der Trump-Administration wird vorgeworfen, PFAS-Forschung zu kürzen – darunter 15 Millionen Dollar für Farm-Studien – und Abwasserschutzregeln zurückzunehmen, was die EPA unter Druck setzt, PFAS-Zulassungen für Halbleiter zu beschleunigen.

Reaktionen: Von Alarm bis Skepsis in den Sozialen Medien

Der Guardian-Artikel hat eine Welle der Besorgnis ausgelöst. Auf X (ehemals Twitter) teilen Nutzer wie Prof. Eliot Jacobson (@EliotJacobson) den Bericht als „Moment of Doom“ und warnen vor unterstellten Klimaschäden. Dr. Paul Dorfman (@dorfman_p) betont die potenziell schlimmeren Klimafolgen durch F-Gase. In Finnland kritisiert Virpi Lau (@Smirgeline) den Aufbau von Zentren ohne Berücksichtigung von PFAS-Emissionen in Kühlung und Geräten.

Earthjustice und ACLU drängen auf Kongressaufsicht; Staaten wie Kalifornien planen Berichtspflichten. Tech-Firmen haben nicht reagiert, doch vergangene Klagen gegen EPA-Praxis deuten auf Widerstände hin.

Ausblick: Dringender Handlungsbedarf

Bis 2027 könnten KI-Rechenzentren weltweit 1,7 Billionen Gallonen Wasser verbrauchen – und PFAS-Belastungen steigen. Ohne Regulierungen droht eine „dystopische Eskalation“ der Verschmutzung, warnen Aktivisten. Die EPA muss PFAS als Priorität setzen, Alternativen fördern und Tests vorschreiben. Der KI-Fortschritt darf nicht auf Kosten von Gesundheit und Klima gehen – eine Balance, die Tech-Konzerne und Politiker nun prüfen müssen.

Dieser Bericht basiert auf Analysen von The Guardian, EHN, E&E News und Beiträgen auf X. Weitere Entwicklungen werden beobachtet.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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