
Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des norwegischen Forschungszentrums NORCE und der Northumbria University warnt: Der westantarktische Eisschild könnte bereits bei einer geringen Erwärmung der Ozeane kollabieren, was über Jahrhunderte einen globalen Meeresspiegelanstieg von vier Metern auslösen würde. Die in Communications Earth & Environment veröffentlichte Untersuchung zeigt jedoch, dass sofortige Emissionssenkungen diesen katastrophalen Ausgang noch verhindern können.
Mithilfe von Modellsimulationen, die 800.000 Jahre Klimaschwankungen abdecken, analysierten die Forscher, wie der Eisschild auf vergangene Wechsel zwischen kalten und wärmeren Phasen reagierte. Dabei zeigte sich, dass der Eisschild zwei stabile Zustände hat: den aktuellen mit einem intakten westantarktischen Eisschild und einen Zustand nach seinem Kollaps. Der Hauptfaktor für einen Wechsel ist die Erwärmung der Ozeane, da die Wärme, die das Eis schmilzt, primär aus dem Meer stammt. Ein Überschreiten des Kipppunkts würde einen selbstverstärkenden Eisverlust auslösen, der kaum aufzuhalten wäre und über Jahrhunderte zu einem erheblichen Meeresspiegelanstieg führen könnte.

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Die Rückkehr zu einem stabilen Eisschild wäre erst nach Tausenden Jahren möglich, wenn die Temperaturen auf vorindustrielles Niveau sinken. Die Studie betont, dass der Eisverlust durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in Jahrzehnten ausgelöst werden kann, während der Aufbau eines Eisschilds Zehntausende Jahre dauert. Die kommenden Jahre sind entscheidend, um durch drastische Emissionsreduktionen den Kollaps zu verhindern und die globale Küstengefährdung zu minimieren.
Originalartikel: Chandler, D. M., Langebroek, P. M., Reese, R., Albrecht, T., Garbe, J., Winkelmann, R., (2025): Antarctic Ice Sheet tipping in the last 800 kyr warns of future ice loss. – Communications Earth & Environment. [DOI: 10.1038/s43247-025-02366-2]
Weblink zum Artikel: https://www.nature.com/articles/s43247-025-02366-2

