
Der globale Kaffeemarkt steht vor einer Krise: Steigende Nachfrage trifft auf sinkende Erträge, bedingt durch Klimawandel, Wetterextreme und ausgelaugte Böden. Monokulturen verschärfen die Probleme, indem sie die Biodiversität und Widerstandsfähigkeit der Kaffeepflanzen verringern. Die Stiftung Menschen für Menschen (MFM), die in Äthiopien nachhaltige Entwicklung fördert, sieht in regenerativen Anbaumethoden die Lösung, um die Versorgung mit Kaffee langfristig zu sichern und die Lebensgrundlagen der Kaffeebäuerinnen und -bauern zu stärken.
Die Auswirkungen des Klimawandels – Dürren, unvorhersehbare Wetterereignisse und Bodenerschöpfung – bedrohen den Kaffeeanbau weltweit. In Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, wo kleinstrukturierte Landwirtschaft dominiert, ist die Situation besonders prekär. Die Stiftung Menschen für Menschen setzt auf Agroforstwirtschaft als Gegenmaßnahme: Kaffee wird nicht in Monokulturen, sondern zusammen mit Schattenbäumen, Obst, Gemüse und Gewürzen angebaut. Diese Mischkulturen fördern die Bodenqualität, erhöhen die Biodiversität und machen die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Klimaschwankungen. Gleichzeitig sichern sie den Bäuerinnen und Bauern durch diversifizierte Erträge ein stabiles Einkommen, selbst wenn eine Kultur ausfällt.
Die Stiftung unterstützt rund 25.000 Kaffeebäuerinnen und -bauern in 13 Projektregionen Äthiopiens bei der Umstellung auf regenerative Anbaumethoden. Durch Schulungen, die Bereitstellung klimaresistenter Setzlinge aus eigenen Baumschulen und verbesserte Lager- und Pflegepraktiken konnten die Erträge vielerorts verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. In Äthiopien, wo etwa zwei Drittel des Kaffees für den Eigenbedarf produziert werden, trägt dies nicht nur zur Ernährungssicherheit bei, sondern ermöglicht vielen Familien den Übergang von der Selbstversorgung zu einem regelmäßigen Einkommen.

Die Bedeutung des regenerativen Kaffeeanbaus erstreckt sich weit über Äthiopien hinaus. Kaffee ist eine klimaempfindliche Pflanze, die spezifische Bedingungen wie bestimmte Höhenlagen, Böden und ausreichend Wasser erfordert. Der Klimawandel gefährdet diese Voraussetzungen, was nicht nur die Produzenten im globalen Süden, sondern auch Verbraucher weltweit betrifft. Regenerative Methoden könnten helfen, die Versorgung mit bezahlbarem Kaffee zu sichern, indem sie die Anbaubedingungen stabilisieren und die Abhängigkeit von Monokulturen verringern.
Die Stiftung Menschen für Menschen, die seit über 40 Jahren in Äthiopien tätig ist, betont die Dringlichkeit eines Wandels im Kaffeeanbau. Mit rund 530 festangestellten äthiopischen Mitarbeitenden setzt die Organisation ganzheitliche Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen um. Seit 1993 trägt sie das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), was ihre Transparenz und Effizienz unterstreicht. Die Ergebnisse des regenerativen Anbaus zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht nur die Umwelt schützt, sondern auch soziale und wirtschaftliche Entwicklung fördert – ein Modell, das global Schule machen könnte.

