
ROTTERDAM/FREIBURG – Der Hafen von Rotterdam und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE haben gemeinsam mit australischen Partnern die Möglichkeiten Westaustraliens untersucht, ein global führender Produzent und Exporteur von erneuerbarem Wasserstoff zu werden. Die „TrHyHub“-Studie, eine Kooperation zwischen Akteuren aus Australien, Deutschland und den Niederlanden, zeigt, dass der Bundesstaat einen erheblichen Teil des europäischen Wasserstoffbedarfs bis 2050 decken könnte. Der Mid West Hydrogen Hub um das geplante Industriegebiet Oakajee steht im Fokus, mit Ammoniak als kurzfristig machbarem Wasserstoffträger.
Die Studie analysierte die Lieferkette von Oakajee über den Hafen Rotterdam nach Deutschland. Eine geografische Standortanalyse des Fraunhofer ISE ergab, dass die Region im Umkreis von 350 Kilometern um Oakajee ein enormes Potenzial für erneuerbare Energien bietet: Theoretisch sind 10.000 Terawattstunden (TWh) aus Photovoltaik und 5.700 TWh aus Onshore-Windenergie möglich. Dies könnte eine Wasserstoffproduktion von 185 Millionen Tonnen pro Jahr (Mtpa) aus Solar- und 105 Mtpa aus Windenergie ermöglichen – genug, um einen Großteil des europäischen Bedarfs 2050 zu decken. Für Ammoniak wird eine Produktionskapazität von über 15 Mtpa angestrebt, vergleichbar mit der aktuellen europäischen Produktion.

Ammoniak gilt kurzfristig als ideale Transportform für Wasserstoff, da es einfacher zu handhaben ist als flüssiger Wasserstoff oder Methanol, die auf technische und wirtschaftliche Hürden stoßen. So fehlen für flüssigen Wasserstoff kommerzielle Transportbehälter, und Methanolproduktion erfordert kostengünstige CO2-Gewinnung aus der Luft. Die technoökonomische Analyse des Fraunhofer ISE zeigt, dass Transportkosten nur neun Prozent der Gesamtkosten ausmachen, da die hervorragenden Bedingungen für Solar- und Windenergie in Oakajee die höheren Transportkosten ausgleichen. Langfristige Kostensenkungen erfordern jedoch technologische Fortschritte und globale Skalierung, etwa durch neue Ammoniaksyntheseverfahren, an denen das Fraunhofer ISE forscht.
Der Hafen von Rotterdam spielt eine zentrale Rolle als Drehkreuz, dank seiner logistischen Verbindungen zu deutschen Industriecentren wie Nordrhein-Westfalen und Ludwigshafen. Die EU plant im Rahmen von REPowerEU, bis 2030 zehn Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff zu importieren, um fossile Brennstoffe zu ersetzen. Deutschland, mit einem jährlichen Wasserstoffbedarf von 1,6 Millionen Tonnen, will Industrien wie Stahlproduktion und Verkehr auf grünen Wasserstoff umstellen. Da die heimische Produktion begrenzt ist, sind Importe essenziell. Ein im September 2024 unterzeichnetes deutsch-australisches Abkommen über 400 Millionen Euro, finanziert durch den H2 Global-Mechanismus, sichert australischen Produzenten europäische Abnehmer.
Die Studie identifizierte auch Herausforderungen, etwa Lücken in Zertifizierungssystemen für Power-to-X-Produkte wie Ammoniak. Handlungsempfehlungen an die Politik zielen darauf ab, diese zu schließen. Zudem wird ein Offshore-Export-Terminal in Oakajee geprüft, um den Export zu beschleunigen. Rund 20 Unternehmen aus den drei Ländern beteiligen sich bereits am Projekt. Ein Workshop am 19. Mai 2025 im Hafen von Rotterdam wird innovative Technologien und Strategien für kosteneffiziente Wasserstoffproduktion diskutieren, um den Markt für erneuerbare Kraftstoffe voranzutreiben.
Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial Westaustraliens, die Energiewende in Europa zu unterstützen. Der Mid West Hydrogen Hub könnte nicht nur die Klimaziele der EU voranbringen, sondern auch Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Australien schaffen. Entscheidend ist, jetzt in Technologie und Infrastruktur zu investieren, um die Lieferkette bis 2030 funktionsfähig zu machen.

