Überfischung verändert Erbgut des Ostseedorsches

Durch | Juni 26, 2025
Die Autorin der Studie, Dr. Kwi Young Han mit einem ausgewachsenen Dorsch während der aktuellen Fischerei-Ausfahrt auf dem Forschungsschiff ALKOR | Quelle: Thorsten Reusch | Copyright: GEOMAR

Kiel, 26. Juni 2025 – Intensive Überfischung hat nicht nur die Bestände des Ostseedorsches drastisch reduziert, sondern auch sein Erbgut nachhaltig verändert. Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben erstmals nachgewiesen, dass Dorsche in der zentralen Ostsee langsamer wachsen und kleiner bleiben. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science Advances, zeigen, wie Fischereidruck die genetische Zusammensetzung der Fische beeinflusst.

Die Autorin der Studie, Dr. Kwi Young Han mit einem ausgewachsenen Dorsch während der aktuellen Fischerei-Ausfahrt auf dem Forschungsschiff ALKOR | Quelle: Thorsten Reusch | Copyright: GEOMAR
Die Autorin der Studie Dr Kwi Young Han mit einem ausgewachsenen Dorsch während der aktuellen Fischerei Ausfahrt auf dem Forschungsschiff ALKOR | Quelle Thorsten Reusch | Copyright GEOMAR

Der Dorsch, einst ein „Brotfisch“ der Ostsee mit über einem Meter Länge und bis zu 40 Kilogramm Gewicht, ist heute deutlich geschrumpft. Seit 2019 gilt ein Fangverbot, doch die Bestände erholen sich nicht. Die Studie belegt, dass jahrzehntelange intensive Fischerei, kombiniert mit Umweltveränderungen, das Genom der Dorsche verändert hat. Genvarianten, die mit Wachstum und Fortpflanzung zusammenhängen, zeigen Anzeichen gerichteter Selektion: Langsam wachsende, früh reifende Individuen hatten unter hohem Fangdruck einen Überlebensvorteil.

Für die Untersuchung nutzten die Forschenden Gehörsteinchen (Otolithen) von 152 Dorschen, gesammelt zwischen 1996 und 2019 im Bornholm-Becken. Diese erlaubten eine Analyse der Wachstumsraten und, durch DNA-Sequenzierung, der genetischen Veränderungen über 25 Jahre. Die Ergebnisse zeigen systematische Unterschiede im Genom: Schnell wachsende Dorsche sind fast ausgestorben, während kleinere, früh reifende Tiere dominieren.

Diese fischereiinduzierte Evolution hat gravierende Folgen: Kleinere Dorsche produzieren weniger Nachwuchs, und der Verlust von Genvarianten für schnelles Wachstum mindert das Anpassungspotenzial an Umweltveränderungen. Eine Erholung der Bestände ist trotz Fangverbot nicht in Sicht, wie aktuelle Daten von 2025 bestätigen. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Schutzmaßnahmen, um die biologische Vielfalt und genetische Ressourcen zu erhalten. Nachhaltige Fischerei müsse über Generationen hinweg gedacht werden, betonen die Forschenden.


Originalpublikation:
Han, K.Y., Brennan, R.S., Monk. C.T., Jentoft, S., Helmerson, C., Dierking, J., Hüssy, K., Endo Kokubun, E., Fuss, J., Krause-Kyora, B., Thomsen, T.B., Heredia, B.D., Reusch, Th. B.H. (2025): Genomic Evidence of Fisheries Induced Evolution in Eastern Baltic cod. Science Advances
DOI: 10.1126/sciadv.adr9889


Weitere Infos:

Fischereiforschung

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände