Die anhaltende Trockenheit im Jahr 2025 zeichnet sich in dramatischen Zügen in der Region Ostwestfalen-Lippe ab: Der Edersee, Nordhessens größter Stausee, ist auf ein beispielloses Tief von unter 13 Prozent Füllstand abgesackt, was die Weser im Kreis Höxter massiv belastet. Trotz sporadischer Regenschauer in den vergangenen Tagen fällt der Flusspegel weiter, was Schifffahrt, Landwirtschaft und Tourismus in die Bredouille bringt. Experten warnen vor langfristigen Folgen für die Wasserversorgung und die Schifffahrtsroute.
Der Edersee, der mit einem Fassungsvermögen von rund 200 Millionen Kubikmetern als drittgrößter Stausee Deutschlands gilt, notiert derzeit bei einem Pegel von etwa 219,5 Metern über Normalnull – nur noch 25,5 Millionen Kubikmeter Wasser sind vorhanden. Das entspricht knapp 13 Prozent der Kapazität, wie Messungen des Wasser- und Schifffahrtsamts Weser (WSA Weser) am 15. September belegen. Bis Ende September könnte der See sogar den niedrigsten Stand seit 22 Jahren erreichen, da die Abgaben an die Weser auf ein Minimum von vier Kubikmetern pro Sekunde gedrosselt wurden. „Die Bewirtschaftungsregeln der Talsperre werden an ihre Grenzen gebracht“, erklärt ein WSA-Sprecher. Gebietsweise Niederschläge sind für die kommenden Tage prognostiziert, doch Experten rechnen nicht mit einer raschen Erholung: Das Einzugsgebiet der Weser leidet unter kumulativen Defiziten seit dem Frühjahr.
Direkt betroffen ist die Oberweser im Kreis Höxter. Am Freitag, den 19. September, sank der Pegel bei der Brücke in Corvey auf nur 72 Zentimeter – ein Wert, der Ufersteine und Sandbänke freilegt und die Fahrrinne für Schiffe unpassierbar macht. Ähnlich niedrig war der Stand zuletzt im August bei 68 Zentimetern, wie Pegeldaten von WetterOnline und lokalen Messstationen zeigen. Die Folge: Die Passagierschifffahrt, darunter die beliebte „Flotte Weser“ zwischen Höxter und Beverungen, ist seit Mitte August eingestellt. „Selbst kleinere Yachten können nicht mehr durch“, berichtet der Yacht-Club Celle, dessen Mitglieder aufgrund von Pegeln unter 30 Zentimetern in Rethem festliegen. Die Fähre in Polle muss voraussichtlich bis Ende der Woche gesperrt werden, was Pendler und Touristen trifft.
Die Trockenheit 2025 ist keine lokale Anomalie: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet einen der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn, mit Bodenfeuchte-Werten bis zu 20 Prozent unter dem langjährigen Minimum. Im Kreis Höxter, wo dunkle Flecken auf der Dürrekarte dominieren, leiden vor allem die Landwirtschaft und die Natur: Maisernteausfälle von bis zu 30 Prozent auf leichten Böden, verdorrte Wiesen und gestresste Wälder sind die Regel. „Während der Wald resilient ist, holt die Trockenheit die Ackerflächen ein“, warnt Landwirtschaftsexperte Ralf T. Mischer vom NW. Die Weser, die primär vom Edersee gespeist wird, dient nicht nur der Schifffahrt, sondern auch der Trinkwasserversorgung und dem Hochwasserschutz – beides nun gefährdet.
Konflikte um die Talsperrenbewirtschaftung lodern auf: Der Tourismusverband Edersee fordert mehr Wasser für den See, um 350 Betriebe und 3.500 Jobs zu schützen – ein Umsatz von 50 Millionen Euro steht auf dem Spiel. „Ohne ausreichend Pegel ist der Edersee kein Ferienparadies mehr“, argumentiert Verbandssprecher Hennig. Dagegen priorisiert das WSA die Schifffahrt auf der Weser, die von Hameln bis Kassel reicht. Wissenschaftler der Uni Kassel entwickeln nun Modelle für eine präzisere Regelung, um beide Interessen auszugleichen. Der Kreistag Höxter unterstützt ein neues Konzept, das den Pegel ganzjährig stabilisieren soll.
Prognosen des DWD deuten auf anhaltend trockenes Wetter hin: In den nächsten 14 Tagen in Höxter sind nur 4,7 Sonnenstunden pro Tag und Temperaturen zwischen 4 und 18 Grad erwartet, bei null Prozent Niederschlagsrisiko. „Ein feuchter Herbst wäre essenziell, um die Böden aufzuladen“, betont DWD-Experte Andreas Brömser. Ohne das drohen nicht nur ökologische Schäden, sondern auch wirtschaftliche Einbußen: Die Binnenschifffahrt auf der Weser verzeichnet Verzögerungen, und der Energieverbrauch könnte durch geringere Kühlwasser-Mengen steigen.
Die Region reagiert: Der Kreis Höxter plant Informationsveranstaltungen zur Klimawandel-Anpassung, inklusive Schutzmaßnahmen vor Extremwetter. Bürgerinitiative fordern strengere Wassersparaufrufe. „2025 zeigt: Die Trockenheit ist das neue Normal“, fasst Harald Iding, Lokalreporter, zusammen. Experten appellieren an Politik und Wirtschaft, langfristig in nachhaltige Wassermanagement zu investieren – bevor der nächste Sommer erneut zuschlägt.

