
Der Ausbau der Windenergie in Vorpommern-Greifswald gefährdet seltene Vogelarten wie den Schreiadler, Seeadler und Rotmilan, wie eine neue Studie der Deutschen Wildtier Stiftung zeigt. Die Untersuchung beleuchtet Konflikte zwischen Windkraftanlagen und Vogelschutzgebieten und fordert dringende Maßnahmen, darunter den Rückbau von Anlagen in sensiblen Regionen, um die Biodiversität zu schützen. Besonders im Landkreis Vorpommern-Greifswald, einem Hotspot für Naturschutz, stehen gesetzliche Schutzziele und der Ausbau erneuerbarer Energien im Widerspruch.
Vogelschutzgebiete unter Druck: Schreiadler im Fokus
In Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere im Landkreis Vorpommern-Greifswald, stehen zahlreiche Windkraftanlagen in oder nahe bei Natura-2000-Gebieten, die für den Erhalt bedrohter Vogelarten zentral sind. Die Studie zeigt, dass 18 Windräder im unmittelbaren Nahbereich und 14 im zentralen Prüfbereich von Vogelschutzgebieten liegen – ein deutschlandweiter Spitzenwert. Besonders betroffen ist der Schreiadler, dessen Lebensraum in über 90 Prozent der Vogelschutzgebiete des Landkreises durch Windkraftanlagen beeinträchtigt wird. Auch Seeadler und Rotmilan leiden unter erhöhtem Kollisionsrisiko und eingeschränkter Raumnutzung, vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen sowie Küsten- und Feuchtgebieten wie dem Peenetal, Greifswalder Bodden und Stettiner Haff.
Konflikte mit gesetzlichen Vorgaben: Unzureichende Abstände
Die Analyse deckt auf, dass die derzeitigen gesetzlichen Mindestabstände von 1.500 bis 5.000 Metern nicht ausreichen, um kollisionsgefährdete Arten wie den Schreiadler zu schützen, für den ein Abstand von 6.000 Metern empfohlen wird. Im Peenetal, bekannt für seine hohe Biodiversität, gefährden Windkraftanlagen im erweiterten Prüfbereich von bis zu fünf Kilometern Arten wie den Kranich. Ähnliche Probleme bestehen im Greifswalder Bodden und Stettiner Haff, die für Brut- und Zugvögel von überregionaler Bedeutung sind. Die Studie kritisiert, dass die Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes die strengeren Anforderungen der EU-Vogelschutzrichtlinie oft nicht erfüllen, was den Artenschutz in der Region zusätzlich erschwert.
Lösungsansätze: Rückbau und Abschaltzeiten gefordert
Um die Gefährdung seltener Vogelarten zu reduzieren, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung den Rückbau von Windkraftanlagen in sensiblen Vogelschutzgebieten und deren Nahbereichen. Kurzfristig könnten gezielte Abschaltzeiten während der Brut- und Zugphasen das Kollisionsrisiko senken. Die Studie betont die Notwendigkeit, den Ausbau der Windenergie stärker mit Naturschutzzielen in Einklang zu bringen, insbesondere in Regionen mit hoher ökologischer Sensibilität wie Vorpommern-Greifswald. Ohne Anpassungen droht ein Verlust der Biodiversität, der die regionalen und nationalen Naturschutzziele untergräbt.
Ausblick: Balance zwischen Klimaschutz und Naturschutz
Der Konflikt zwischen Windenergie und Vogelschutz stellt Entscheidungsträger vor Herausforderungen. Vorpommern-Greifswald, mit seiner einzigartigen Vogelvielfalt, steht exemplarisch für die Notwendigkeit, erneuerbare Energien nachhaltig zu gestalten. Die Deutsche Wildtier Stiftung sieht in der Studie einen Aufruf, strengere Abstandsregelungen und verbindliche Schutzmaßnahmen einzuführen. Die vollständige Analyse mit detaillierten Daten ist auf der Website der Stiftung verfügbar und soll die Debatte über eine naturschutzfreundliche Energiewende vorantreiben.


