Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) warnt davor, die Wirtschaftlichkeit von Agri-Photovoltaik (Agri-PV) einseitig an den Stromgestehungskosten im Vergleich zu klassischen Freiflächenanlagen zu messen. In einer am 6. März 2026 veröffentlichten Stellungnahme betonen die Autoren um Prof. Dr. Sonoko Bellingrath-Kimura und Prof. Dr. Frank Ewert, dass Agri-PV ein multifunktionales System darstellt, das landwirtschaftliche Produktion und Energieerzeugung integriert. Eine isolierte Betrachtung der Stromkosten greife daher zu kurz.
Die Forschenden verweisen auf wissenschaftlich nachgewiesene Vorteile: Beschattung durch PV-Module reduziert Verdunstung und mindert Dürrestress – besonders relevant bei zunehmender Frühjahrstrockenheit durch Klimawandel. Mehrjährige Feldversuche mit Winterweizen in Südwestdeutschland (Projekte APV-RESOLA und SynAgri-PV) zeigen signifikante Ertragsstabilisierung in trockenen Jahren. Zudem brechen Agri-PV-Anlagen Wind und mindern Winderosionsrisiken. Auf besonders wasserarmen, aber bodenguten Standorten wie der Magdeburger Börde könne Agri-PV sogar Voraussetzung für rentable Landwirtschaft sein.
Wirtschaftlich attraktiver wird Agri-PV durch alternative Geschäftsmodelle: partieller Eigenverbrauch, Speicherung oder Power-Purchase-Agreements statt reiner EEG-Einspeisung. Neue Produktionsmöglichkeiten (z. B. Arzneipflanzen) unter den Modulen könnten zusätzliche Erlöse generieren.
Gesellschaftlich erzielt Agri-PV höhere Akzeptanz: Eine repräsentative Umfrage ergab, dass 44 Prozent der Befragten bereit sind, für Strom aus Agri-PV mehr zu zahlen (Freiflächen-PV: 29 Prozent). Qualitative Expertenbefragungen im Projekt SynAgri-PV bestätigen: Multifunktionale Systeme, die landwirtschaftliche Nutzung erhalten, werden deutlich positiver bewertet als rein monofunktionale Anlagen. Akzeptanz hängt von lokaler Wertschöpfung, Transparenz und Beteiligung ab.
Die Autoren fordern, bei Wirtschaftlichkeitsanalysen Innovationspfade (Tracker-Technologien, flexible Vermarktung) und Klimawandelauswirkungen auf die Landwirtschaft einzubeziehen. Solange Erkenntnisse zu Synergien, Akzeptanz und langfristigen Effekten begrenzt seien, sei ein vorschnelles negatives Urteil riskant. Diversifizierung von Nutzungssystemen sichere Nachhaltigkeit und reduziere Risiken.
Die vollständige Stellungnahme ist als PDF auf der ZALF-Website verfügbar.

