Studie beleuchtet gesellschaftliche Folgen mariner Krankheitsausbrüche

Durch | Juni 12, 2025
Studie beleuchtet gesellschaftliche Folgen mariner Krankheitsausbrüche. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC

Krankheitsausbrüche im Meer, verursacht durch Viren, Bakterien oder Parasiten, haben weitreichende Auswirkungen auf marine Ökosysteme. Während bisher vor allem die ökologischen Folgen im Fokus der Forschung standen, hat ein Team der Universität Kiel gemeinsam mit internationalen Partnern nun erstmals auch die sozial-ökonomischen Auswirkungen systematisch analysiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Ocean and Coastal Management veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Austernzucht, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und ökologisch von großer Bedeutung ist. Austern gelten als sogenannte Ökosystemingenieure: Sie filtern Wasser, fördern den Nährstoffkreislauf und tragen zum Schutz vor Küstenerosion bei. Krankheitsausbrüche, die zu einem Massensterben führen, wirken sich daher nicht nur auf die Aquakultur und die Profite der Zuchtbetriebe aus, sondern beeinträchtigen auch die Wasserqualität, die Fischerei, den Tourismus und das kulturelle Erbe von Küstengemeinden.

Die Forschenden nutzten für ihre Analyse den internationalen Bewertungsrahmen des United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR) und passten diesen an die Besonderheiten mariner Krankheiten an. Neu ist dabei die Einbeziehung einer zweiten Analyseebene, die sogenannte Spill-Over-Effekte auf Gesellschaft und Wirtschaft berücksichtigt. Das Risiko wird dabei als Produkt aus Gefahr, Exposition und Verwundbarkeit definiert, in Anlehnung an das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

Studie beleuchtet gesellschaftliche Folgen mariner Krankheitsausbrüche. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC
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Zur Risikominimierung schlagen die Autorinnen und Autoren Maßnahmen auf zwei Ebenen vor: Zum einen können Austernzüchterinnen und -züchter durch gezielte Standortwahl, künstliche Wasserfilterung oder die Auswahl weniger anfälliger Arten das Krankheitsrisiko für die Austernpopulationen senken. Zum anderen lassen sich gesellschaftliche Risiken durch Versicherungen, Diversifizierung der Einkommensquellen oder eine Erweiterung des Produktangebots mindern.

Die Studie entstand im Rahmen des internationalen Projekts “Beyond One Ocean Health (B1OH)” unter Leitung der Universität Kiel und trägt zur Umsetzung der Ziele der UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung bei. Sie liefert konkrete Instrumente, um Risiken für Meeresgesundheit, Ernährungssicherheit und gesellschaftliche Resilienz frühzeitig zu erkennen und zu verringern. Die Ergebnisse sind auch Thema der dritten Ozean-Konferenz der Vereinten Nationen, die derzeit in Nizza stattfindet.

Originalpublikation:
Kluger, L.C., Karstens, S., Lopes, A.F., Kuhn, A., Arzul, I., & Riekhof, M.C. (2025). Marine diseases as a threat to society: Adopting and advancing the UNDRR risk framework. Ocean and Coastal Management, 266, 107640.
https://doi.org/10.1016/j.ocecoaman.2025.107640


Weitere Informationen:
https://oceandecade.org/actions/beyond-one-ocean-health/ (über das Projekt BeyondOneOceanHealth)

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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