
Zürich, 26. Juni 2025 – Menschen weltweit nutzen „Babysprache“, um mit ihren Kindern zu kommunizieren – ein Verhalten, das bei nicht-menschlichen Menschenaffen kaum vorkommt. Dies zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Zürich und Neuenburg, veröffentlicht in Science Advances.
Die Untersuchung, durchgeführt im Rahmen des NFS Evolving Language, verglich die vokale Kommunikation bei fünf Menschenaffenarten: Menschen, Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans. Dabei analysierten die Forschenden Vokalisationen, denen Säuglinge in freier Wildbahn ausgesetzt sind. Ergebnis: Während Menschen häufig kindgerechte Sprache verwenden, ist diese bei anderen Menschenaffen extrem selten. Dies überrascht, da Babysprache beim Menschen den Spracherwerb fördert und mit besseren Lernergebnissen wie größerem Wortschatz oder Lesefähigkeiten verbunden ist.

Die Studie legt nahe, dass nicht-menschliche Menschenaffen ihr Kommunikationssystem anders erlernen, etwa durch das Belauschen der Umgebungskommunikation von Erwachsenen und anderen Jungen. Alle untersuchten Arten außer Orang-Utans waren einem ähnlichen Niveau an Umgebungskommunikation ausgesetzt. Zudem deuten Beobachtungen an, dass Menschenaffen Gesten nutzen, die teilweise Merkmale menschlicher Babysprache aufweisen.
Da Sprache nicht versteinert, bieten nicht-menschliche Menschenaffen Einblicke in die Evolution der Kommunikation. Die Ergebnisse zeigen, dass die Neigung, Säuglinge direkt vokal anzusprechen, in der menschlichen Entwicklung stark zugenommen hat. Andere Tierarten wie Affen oder Delfine zeigen ähnliches Verhalten, jedoch in geringerem Maße. Die Forschenden schlagen vor, künftige Studien könnten die Unterschiede in Funktion und Merkmalen dieser Kommunikation zwischen Arten vergleichen, um die Evolution der kindgerechten Sprache weiter zu entschlüsseln.
Original Paper:
The evolution of infant-directed communication: Comparing vocal input across all great apes | Science Advances

