
Grönland rückt immer stärker in den Mittelpunkt der internationalen Rohstoffwirtschaft – und das aus gutem Grund. Die größte Insel der Erde verfügt laut US Geological Survey über mehr als 1,5 Millionen Tonnen Seltene-Erden-Oxide. Damit zählt Grönland zu den Ländern mit den größten Reserven dieser strategisch wichtigen Metalle, die für moderne Technologien wie Windkraftanlagen, Elektroautos und Smartphones unverzichtbar sind. Im Vergleich dazu liegen die USA mit rund 1,8 Millionen Tonnen nur geringfügig vorne, obwohl sie eine deutlich größere Landesfläche besitzen. Weltweit dominiert jedoch China sowohl bei den Reserven als auch bei der Förderung: Das Land verfügt über rund 44 Millionen Tonnen und ist für etwa 61 Prozent der globalen Minenproduktion verantwortlich. Die USA kommen lediglich auf rund 15,5 Prozent.
Das Potenzial Grönlands könnte sogar noch größer sein, als bislang angenommen. Das Unternehmen Tanbreez Mining schätzt die Vorkommen in seinem südgrönländischen Projekt auf insgesamt 19 Millionen Tonnen Seltene-Erden-Oxide, davon ein hoher Anteil an besonders begehrten schweren Seltenen Erden. Der Abbau in dieser Mine soll bereits ab 2024 starten, doch bislang fehlte eine geeignete Aufbereitungsanlage außerhalb Chinas und Russlands. Eine solche Fabrik ist nun in den USA geplant, was die Abhängigkeit Europas und Nordamerikas von China verringern könnte.
Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hebt das große Potenzial Grönlands hervor und verweist auf das Kvanefjeld-Vorkommen, eine der größten Lagerstätten der Welt. Die gesamten grönländischen Reserven könnten den globalen Bedarf an Seltenen Erden für viele Jahre decken. Allerdings erschweren die abgelegene Lage, fehlende Infrastruktur, hohe Kosten und strenge Umweltauflagen die Erschließung bislang erheblich. Zudem sind der Abbau von Uran sowie die Förderung von Öl und Gas aus Umweltschutzgründen auf Grönland verboten. Dennoch könnte die Insel mit dem wachsenden Rohstoffbedarf und dem fortschreitenden Klimawandel in Zukunft eine immer wichtigere Rolle für die europäische und globale Industrie spielen.


