
Eine neue Studie, veröffentlicht in Global Change Biology, zeigt, dass Nährstoffanreicherung, die oft als Bedrohung für Seegraswiesen gilt, paradoxerweise deren Potenzial zur Kohlenstoffspeicherung – sogenannter „Blauer Kohlenstoff“ – steigern kann. Die Forschungsarbeit mit dem Titel Nutrient Enrichment Increases Blue Carbon Potential of Subtropical Seagrass Beds von Bridget F. Shayka, Sean Richards, Mona A. Andskog und Jacob E. Allgeier basiert auf einem neunjährigen Experiment und liefert überraschende Erkenntnisse für den Naturschutz und die Klimawandelbekämpfung.

Seegraswiesen sind für ihre Fähigkeit bekannt, große Mengen Kohlenstoff zu binden, was sie zu wertvollen naturbasierten Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel macht. Ihre hohe Primärproduktion führt dazu, dass Kohlenstoff im Sediment eingelagert wird, wodurch er langfristig der Atmosphäre entzogen wird. Allerdings sind Seegraswiesen weltweit durch Nährstoffverschmutzung bedroht, die durch landwirtschaftliche Abwässer, Abwasser und andere menschliche Aktivitäten verursacht wird. Die neue Studie untersucht, wie diese Nährstoffbelastung die Mechanismen der Kohlenstoffspeicherung beeinflusst.
Ergebnisse des Experiments
Das Forschungsteam führte ein neunjähriges Experiment in subtropischen Seegraswiesen durch, um die Auswirkungen von Nährstoffanreicherung zu untersuchen. Dabei wurden verschiedene Nährstoffquellen, Zufuhr raten und Verhältnisse getestet. Entgegen den Erwartungen, dass Nährstoffe die Seegraswiesen schädigen, zeigte die Studie, dass moderate Nährstoffanreicherung die Kohlenstoffproduktion und -umsetzung steigert, insbesondere in der unterirdischen Biomasse (Wurzeln und Rhizome). Dies deutet darauf hin, dass die Kohlenstoffspeicherung in den Sedimenten unter diesen Bedingungen zunimmt.
Die Studie ergab, dass Nährstoffanreicherung die oberirdische Biomasse (Blätter) erhöht, während die unterirdische Biomasse abnimmt. Dennoch führt die erhöhte Produktivität und der schnellere Umsatz der unterirdischen Biomasse zu einer verbesserten Kohlenstoffeinlagerung. Die Forscher stellten fest, dass einfache Messgrößen wie die Höhe der Seegrasblätter und die Dichte der Sprossen zuverlässige Indikatoren für die unterirdische Kohlenstoffumsetzung sind. Diese Erkenntnisse könnten Naturschutzmaßnahmen erleichtern, da sie es ermöglichen, das Potenzial von Seegraswiesen zur Kohlenstoffspeicherung einfacher zu bewerten.
Bedeutung für den Naturschutz
Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für den Schutz und die Wiederherstellung von Seegraswiesen. Während Nährstoffverschmutzung oft als Bedrohung angesehen wird, legt die Studie nahe, dass Seegraswiesen auch unter moderater Nährstoffbelastung priorisiert werden sollten, da sie weiterhin erhebliche Mengen an Kohlenstoff speichern können. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst Seegrasökosysteme, die einer moderaten Nährstoffanreicherung ausgesetzt sind, für ihr Kohlenstoffspeicherpotenzial geschützt werden sollten“, betont das Forschungsteam.
Die Studie bietet eine Grundlage für gezielte Naturschutzstrategien, indem sie Mechanismen identifiziert, die die Kohlenstoffspeicherung fördern. Insbesondere die Möglichkeit, mit einfachen Messungen wie Blattlänge und Sprossdichte das Potenzial für Kohlenstoffeinlagerung abzuschätzen, könnte die Überwachung und Bewertung von Seegraswiesen weltweit vereinfachen.
Ausblick
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Seegraswiesen als naturbasierte Lösungen im Kontext des Klimawandels. Angesichts der globalen Bedrohung durch Nährstoffverschmutzung liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse, wie diese Ökosysteme trotz anthropogener Belastungen weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Kohlenstoffspeicherung spielen können. Zukünftige Forschungen könnten untersuchen, ob die Ergebnisse auf andere Seegrasregionen übertragbar sind und wie starke Nährstoffbelastungen die langfristige Stabilität dieser Ökosysteme beeinflussen.
Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um das Potenzial von Seegraswiesen als Blaue-Kohlenstoff-Speicher besser zu verstehen und gezielte Schutzmaßnahmen zu fördern. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, Naturschutz und Klimaschutz zu verbinden, um die Resilienz dieser wertvollen Ökosysteme zu sichern.

