
Das Alaska-Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin am 15. August 2025 hat international weitreichende Schockwellen ausgelöst – insbesondere für die fragile Architektur globaler Umweltabkommen. Während die diplomatischen Inszenierungen in den eiskalten Weiten Alaskas an ein geopolitisches Schaulaufen erinnerten, sind die ökologischen Kollateraleffekte bereits jetzt absehbar und lassen zahlreiche Umweltwissenschaftler, Klimaaktivisten und europäische Diplomaten alarmiert zurück. Die Welt droht, nach Jahren mühsamer, multilateraler Verständigungsprozesse bei Klimaschutz und Biodiversitätsschutz in eine neue Phase von Nationalismus, Ressourcenimperialismus und Blockadehaltung zurückzufallen.

Die Sichtweise Washingtons und Moskaus wurde im Vorfeld des Gipfels überdeutlich: Beide Präsidenten rücken wirtschaftliche Eigeninteressen in den Fokus und machen kein Geheimnis daraus, dass nachhaltige Entwicklung und internationalen Klimaverpflichtungen für sie bestenfalls nachrangig sind. Besonders augenfällig ist das beim Thema fossile Rohstoffe und Rohstofferschließung: Trump signalisierte Putin in mehreren Gesprächsrunden die Bereitschaft, sowohl Zugang zu US-Ressourcen in Alaska (Seltene Erden, Gas, Öl) als auch eine Lockerung von Sanktionen als Verhandlungsmasse für geopolitische Zugeständnisse Russlands einzusetzen. Russland wiederum sieht in der Annäherung an die USA die Chance, Sanktionen zu umgehen und neue Absatzmärkte und Investitionen für seine eigenen Rohstoffe zu erschließen[1][2]. Die unmittelbare Folge: Ein Schulterschluss der beiden grössten Territorialmächte der Nordhalbkugel, dessen politisches Kapital auf dem Rücken der internationalen Umweltagenda ausgespielt wird.
Ein zentrales Spielfeld dieser Entwicklung sind die laufenden Verhandlungen zu internationalen Umweltabkommen. Ein prominentes Beispiel ist die UN-Initiative gegen Plastikmüll: Schon im Frühjahr 2025 hatten die USA und Russland – gemeinsam mit anderen rohstoffexportierenden Staaten – ihren Widerstand gegen rechtsverbindliche Reduktionsziele und Plastikabgaben bekundet. Als direkte Folge kommt das gesamte Vorhaben nur schleppend voran; im neusten Entwurf finden sich vor allem schwache, freiwillige Maßnahmen, während verbindliche Verpflichtungen praktisch herausverhandelt wurden. Die Industrielobby, die seit Langem engen Zugang zu Entscheidungsträgern in Moskau und Washington pflegt, hat durchgesetzt, dass pauschale Regelungen etwa zu Plastikreduktion oder Recyclingquoten blockiert oder auf nationale Ermessensspielräume verschoben werden. Die EU musste hinnehmen, dass ihr selbstgesteckter Anspruch auf eine globale Plastikabgabe und strikte Kontrollen keine Mehrheit findet – und spricht in ungewöhnlicher Deutlichkeit von einem „Rückschritt für Mensch und Umwelt“[3][4].
Auch beim zentralen Thema Klimaschutz ist der atmosphärische Frost nicht zu übersehen: Die USA, vormals treibende Kraft der internationalen Klimaallianz unter Präsident Biden, unterstützen nun gezielt eine „Rückkehr zur Souveränität“ im Energiesektor und haben bereits mehrere Umweltschutzauflagen der vergangenen Jahre rückgängig gemacht. In Alaska ist dies konkret spürbar: Genehmigungsverfahren für neues Fracking und Tiefseebergbau wurden massiv beschleunigt, die Förderung von seltenen Erden und fossilen Rohstoffen wird als sicherheitspolitische Notwendigkeit verkauft. Gemeinsam mit Russland zeichnen die USA ein Bild von „Wirtschaftswachstum gegen Dekarbonisierung“, das nicht nur ambitionierte UN-Klimaziele wie das 1,5-Grad-Ziel oder das Ziel einer globalen CO2-Neutralität torpediert, sondern auch signifikante Auswirkungen auf andere Staaten und die globale Wettbewerbsdynamik hat.
Die Erosion gemeinsamer Standards und Verbindlichkeiten zieht sich auch in andere Themenfelder: Die Biden-Administration hatte, unterstützt von wie Kanada, Japan und der EU, in UN-Gremien zuletzt für mehr Meeresschutz, den Schutz von Biodiversitäts-Hotspots sowie scharfe Emissionslimits für Schifffahrt und Luftfahrt geworben. Doch nach dem Alaska-Gipfel ist klar, dass die USA (im Schulterschluss mit Russland) künftig auf nationale, bilaterale Deals setzen und multilateralen Initiativen faktisch die Unterstützung entziehen. Diese Entwicklung schwächt die internationale Verhandlungsposition von umweltambitionierten Akteuren wie der EU erheblich. Der Verhandlungsprozess wird fragmentiert, die globale Umweltpolitik verliert an Bindungskraft und Kohärenz – schlechte Nachrichten nicht nur für Wissenschaft und NGOs, sondern letztlich auch für Entwicklungs- und Schwellenländer, die besonders auf globale Rahmensetzungen angewiesen sind.
Fazit: Das Alaska-Gipfeltreffen markiert historisch ein Signal der Blockade und des Rückschritts für internationale Umweltabkommen. Während die globale Zivilgesellschaft weiter auf verbindliche Lösungen und gemeinsamen Fortschritt drängt, setzen zwei geopolitische Großmächte ein entgegengesetztes, wohltönend inszeniertes Zeichen für eine neue Ära von Ressourcennationalismus, fossiler Renationalisierung und Egoismus. Der Wettbewerb um Rohstoffe, kurzfristige Wirtschaftsinteressen und neue geopolitische Allianzen drohen, die letzten Reste des Multilateralismus im Umweltsektor zu verdrängen. Das Fenster für echte, durchgreifende Antworten auf Klima- und Umweltkrisen schließt sich – unter dem Eindruck von Alaska – spürbar schneller.
Quellen:
[1] Gipfeltreffen in Alaska: USA erwägen Gas-Deal mit Russland https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_100869254/gipfeltreffen-in-alaska-usa-erwaegen-gas-deal-mit-russland.html
[2] Trump will bei Putin-Treffen in Alaska hiesige … https://www.focus.de/politik/ausland/trump-will-bei-putin-treffen-in-alaska-hiesige-bodenschaetze-fuer-frieden-anbieten_ba428b2d-8108-445c-ad34-1348c42c89e9.html
[3] Internationale Verhandlungen zur Bekämpfung von Plastikmüll … https://www.investmentweek.com/internationale-verhandlungen-zur-bekampfung-von-plastikmull-vorlaufig-ohne-ergebnis-beendet/
[4] Globales Kunststoffabkommen: Gespräche sind ins Stocken geraten https://de.euronews.com/green/2025/08/14/kunststoffabkommen-klima-verhandlungen

