Biodiversität braucht mehr als nur Blühstreifen

Durch | September 18, 2025

Blühstreifen zwischen Feldern sind die beliebteste Umweltmaßnahme in der Landwirtschaft. Sie ziehen Bestäuber wie Schmetterlinge und Wildbienen an, sehen schön aus und sind schnell umsetzbar. Das Ziel, eine strukturell vielfältige und damit besonders artenreiche Landschaft zu schaffen und zu erhalten, wird jedoch nicht erreicht, wenn Blühstreifen die einzige Maßnahme bleiben. Forscher der Universität Göttingen haben beschrieben, wie Agrarlandschaften gestaltet werden müssen, um viele Arten zu beherbergen und weitere soziale und ökologische Funktionen wie die Bereitstellung von Natur für die menschliche Erholung und den Klimaschutz zu gewährleisten. Der Perspektivartikel ist in der Fachzeitschrift  Biological Conservation erschienen .

Die Ausbreitung der Landwirtschaft in ländlichen Gebieten ist die Hauptursache für den weltweiten Artenschwund. Um die Artenvielfalt in solchen Landschaften zu erhöhen, müssen Lebensräume, die zusätzliche Ressourcen bieten, von Anbauflächen getrennt werden. In der Europäischen Union sind blühende Streifen, die nur eine Vegetationsperiode lang bestehen, weit verbreitet. Sie beherbergen jedoch nur eine begrenzte Anzahl von Pflanzen- und Tierarten.

Der Erhalt der Biodiversität erfordert laut dieser Studie vielfältige Maßnahmen auf Landschaftsebene. Erforderlich sind verschiedene Lebensraumtypen, wie beispielsweise Ackerland mit verschiedenen Kulturpflanzen sowie natürliche Flächen für ein- und mehrjährige Pflanzen an Land sowie in fließenden und stehenden Gewässern. Durch die Verkleinerung der Ackerflächen werden zudem mehr Strukturen an den Rändern geschaffen, die Tieren Nahrung, Nistplätze und Unterschlupf bieten. Lebensräume mit unterschiedlichen Strukturen können sich hinsichtlich der ganzjährigen Ressourcenverfügbarkeit ergänzen, sodass Arten zwischen ihnen wandern können. Dadurch entstehen vielfältige Lebensraumtypen und -gemeinschaften, die weniger vom Aussterben bedroht sind und wichtige Leistungen für das Ökosystem erbringen, wie beispielsweise die Bestäubung von Nutzpflanzen und die biologische Schädlingsbekämpfung.

Darüber hinaus sollten Agrar- und Umweltprogramme stärker auf die Zusammenarbeit innerhalb der Landwirtschaft und mit anderen Interessengruppen setzen. „Wir brauchen eine stärkere Zusammenarbeit aller interessierten Gruppen, um biodiversitätsfreundliche Agrarlandschaften mit vielfältigen Lebensräumen zu schaffen, damit der Artenreichtum unserer Kulturlandschaften wiederhergestellt und erhalten werden kann“, betont Erstautor Prof. Dr. Teja Tscharntke von der Arbeitsgruppe „Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie“ der Universität Göttingen.

Originalveröffentlichung : Teja Tscharntke et al.  Mehr als Blühstreifen – Wiederherstellung der Biodiversität erfordert mehr Landschaftsheterogenität. Biologische Erhaltung (2025). DOI:  10.1016/j.biocon.2025.111474

Kleinräumig strukturierte Kulturlandschaft mit Baumreihen Grasstreifen und Brachstreifen entlang der Zaunpfähle

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Arne Wenzel
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LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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