Die deutsche Solarindustrie, einst ein globaler Vorreiter in der Energiewende, steht vor dem Abgrund. Unter der Führung von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, die bereits 2012 als Staatssekretärin maßgeblich an der Zerstörung der Branche beteiligt war, droht nun eine zweite Welle der Vernichtung. Ihre aktuellen Pläne zur Streichung der Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen und zur Belastung der Erneuerbaren mit Netzausbaukosten wiederholen die fatalen Fehler der Vergangenheit. Diese Politik nicht nur die wirtschaftlichen Grundlagen der Branche entzieht, sondern auch den langjährigen Innovationsvorsprung Deutschlands zerstört und Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet. Fakten und Statistiken zeichnen ein Bild systematischer Sabotage, die Deutschland von der Weltspitze in der Solartechnologie verbannt und die Abhängigkeit von Importen aus China zementiert.
Um die Dimensionen zu verstehen, muss man in die jüngste Geschichte blicken. Bis 2011 war Deutschland unangefochtener Marktführer in der Photovoltaik. Die Branche umfasste rund 350 Produzenten und Zulieferer, die zusammen etwa 120.000 Menschen beschäftigten. Der Umsatz der Solarwirtschaft belief sich 2011 auf über 10 Milliarden Euro, mit einem Exportanteil von mehr als 50 Prozent. Deutsche Firmen wie Q-Cells, SolarWorld und Conergy dominierten den Weltmarkt, gestützt auf patentrechtlich geschützte Technologien wie hoch effiziente kristalline Siliziumzellen mit Wirkungsgraden von bis zu 20 Prozent. Diese Innovationen, entwickelt in Forschungsstätten wie dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, machten Deutschland zum Synonym für Qualität und Zuverlässigkeit in der Solarenergie.
Doch 2012 änderte sich alles durch die EEG-Novelle, an der Katharina Reiche als parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium federführend mitwirkte. Die Novelle führte eine rasanten Rückgang der Einspeisevergütungen ein: Für Dachanlagen bis 10 Kilowattpeak sank der Tarif von 28 Cent pro Kilowattstunde auf unter 20 Cent, bei Freiflächenanlagen sogar auf 13 Cent. Gleichzeitig wurde eine Obergrenze von 52 Gigawatt für förderfähige Solarleistung festgelegt, was den Ausbau abrupt bremste. Die Degression der Fördersätze – jährlich 9 Prozent für Solar – verschärfte den Druck. Die EEG-Umlage, die die Differenz zwischen Vergütung und Marktpreis abdeckte, stieg 2012 auf 3,59 Cent pro Kilowattstunde, belud Verbraucher und Unternehmen zusätzlich. Diese Maßnahmen lösten eine Kette von Insolvenzen aus: Sovello stellte im August 2012 die Produktion ein und kündigte 1.000 Jobs; Q-Cells, einst Weltmarktführer, meldete Insolvenz an; Conergy folgte kurz darauf. Bis Ende 2013 halbierten sich die Arbeitsplätze in der Branche von 100.300 auf 56.000, wie das Bundeswirtschaftsministerium selbst berichtete.
Die Folgen reichten tiefer als bloßer Jobverlust. Der Innovationsvorsprung, der auf Jahrzehnten deutscher Forschung basierte, wurde systematisch untergraben. Bis 2011 investierten deutsche Unternehmen jährlich über 500 Millionen Euro in F&E für effizientere Zellen und Module, was zu Patentrekorden führte: Deutschland hielt 2010 rund 40 Prozent der globalen Solarpatente. Die EEG-Novelle signalisierte jedoch Unsicherheit für Investoren. Risikokapital floh, da die Planbarkeit der Vergütungen schwand. Chinesische Hersteller, subventioniert durch Pekings Staatsprogramme mit Krediten zu 2 Prozent Zins und Energiepreisen unter 4 Cent pro Kilowattstunde, nutzten den Vorteil. Sie fluteten den Markt mit Modulen zu Dumpingpreisen – 2012 fielen die Modulpreise um 80 Prozent auf unter 50 Cent pro Wattpeak. Deutsche Firmen, die auf höhere Qualität setzten, konnten nicht mithalten. Bis 2013 wanderte 80 Prozent der globalen Solarproduktion nach China ab, wo der Marktanteil von 10 Prozent auf 70 Prozent kletterte.
Dieser Verlust des Innovationsvorsprungs manifestierte sich in messbaren Zahlen. Die deutsche Modulproduktion sank von 11,6 Gigawatt 2011 auf 2,1 Gigawatt 2012 – ein Rückgang um 82 Prozent. Die Zellenfertigung folgte mit einem Minus von 67 Prozent. Firmen wie Bosch Solar stiegen 2013 aus, nachdem sie Milliarden in Technologie investiert hatten. Der technologische Vorsprung schmolz dahin: Während deutsche Zellen 2012 noch 18 Prozent Wirkungsgrad erreichten, massenproduzierten chinesische Konkurrenz günstigere Varianten mit 15 Prozent, die durch Skaleneffekte wettbewerbsfähig wurden. Die EU-Antidumpingzölle von 2013 (bis zu 47 Prozent auf chinesische Module) kamen zu spät und verschärften den Schaden: Sie trieben Preise hoch, reduzierten den Ausbau und kosteten weitere 30.000 Jobs bis 2014. Bis 2015 waren nur noch 31.600 Beschäftigte in der Branche übrig, ein Verlust von über 88.000 Stellen seit dem Peak.
Heute, 13 Jahre später, wiederholt sich das Drama unter Reiches Regentschaft als Wirtschaftsministerin. Ihre 10-Punkte-Plan, präsentiert im September 2025, schlägt vor, die fixe Einspeisevergütung für neue private PV-Anlagen zu streichen und Betreiber an Netzkosten zu beteiligen. Dies erinnert fatal an die 2012er-Novelle: Der Monitoringbericht des Ministeriums, erstellt von EWI und BET, prognostiziert einen Bedarf von 20 Gigawatt neuen Gaskraftwerken, während Reiche den Solarzubau drosselt. Die Folge: Verunsicherung in der Branche, rückläufige Investitionen und ein Ausbau-Rückgang. 2024 wurden 107,5 Gigawatt PV-Leistung installiert, doch 2025 droht ein Einbruch um 20 Prozent durch Reiches Signale. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor 150.000 gefährdeten Jobs – darunter 45.700 direkte in der Produktion und Tausende indirekte in Installation und Wartung.
Der Innovationsvorsprung leidet erneut. Deutschland, das 2010 40 Prozent der Solarpatente hielt, ist auf 5 Prozent gesunken. Chinesische Firmen wie JinkoSolar und Trina dominieren mit Modulen unter 20 Cent pro Wattpeak, während deutsche Produkte doppelt so teuer sind. Reiches Fokus auf „systemverantwortliche“ Anlagen – also steuerbare Speicher und Direktvermarktung – ignoriert, dass 80 Prozent der PV-Installationen dezentral sind und Innovationen wie PVT-Module (Strom und Wärme) brauchen. Statt Förderung für Nischen wie hocheffiziente Dünnschichtzellen plant sie Kürzungen, die F&E-Budgets um 30 Prozent kürzen könnten. Eine Studie der Stiftung KlimaWirtschaft berechnet: Reiches Kurswechsel blockiert 65 Milliarden Euro Investitionen bis 2030, was den EE-Anteil am Strommix von 60 Prozent auf unter 50 Prozent drückt.
Arbeitsplätze sind die Kollateralschäden. Die Branche, die 2011 125.000 Jobs in Produktion, Installation und Betrieb bot, hat seitdem 80.000 verloren – hauptsächlich durch politische Bremsen. Heute bedrohen Reiches Pläne weitere 150.000: Der Verband schätzt, dass der Ausbau-Rückgang 2025/26 allein 20.000 Installationsjobs kostet. In Regionen wie Sachsen und Thüringen, dem „Solar Valley“, wo 2012 10.000 Jobs fielen, droht nun der zweite Kollaps. Firmen wie Meyer Burger warnen vor Fabrikschließungen, da Importe 95 Prozent des Marktes erobern. Die EEG-Umlage, 2022 auf 3,72 Cent gesenkt, soll nun durch Netzbelastungen ersetzt werden, was Haushalte um 100 Euro jährlich mehr kostet und den privaten Ausbau lähmt.
Diese Politik vernichtet nicht nur Jobs, sondern den gesamten Wertschöpfungskreislauf. 2012 floss jeder zweite Euro aus dem Export; heute importiert Deutschland 80 Prozent der Module, was 5 Milliarden Euro jährlich nach China pumpt. Der Innovationsverlust zeigt sich in der Abhängigkeit: Chinas Subventionen (über 100 Milliarden Dollar seit 2010) haben den Preis pro Watt um 90 Prozent gesenkt, doch Deutschland fehlt der eigene Produktionsanteil. Reiches Vorstoß für Gaskraftwerke (20 Gigawatt) statt Solarförderung verstärkt die Fossilabhängigkeit, die 2022 die Energiekrise verschärfte. Experten wie Hans-Josef Fell, Mitautor des EEG 2000, sehen darin eine Wiederholung: Die Branche, die 2011 15 Prozent des Stroms deckte, könnte bis 2030 auf 10 Prozent schrumpfen.
Langfristig gefährdet dies die Klimaziele. Der Ausbau muss auf 80 Prozent EE bis 2030 laufen, doch Reiches „Realitätscheck“ reduziert Kapazitäten. Die Altmaier-Delle 2012/13 – benannt nach ihrem Vorgänger – kostete 40.000 Jobs und bremste den Zubau von 7,6 Gigawatt 2012 auf 1,5 Gigawatt 2016. Heute droht die „Reiche-Reserve“: Weniger EE bedeutet höhere Importe fossiler Brennstoffe, steigende Preise und verpasste Exportchancen in einem 130-Milliarden-Dollar-Markt. Die Branche könnte mit gezielter Förderung 50.000 neue Jobs schaffen, doch Reiches Kurs blockiert das.
Zusammenfassend hat Katharina Reiche als Architektin der 2012er-Novelle den Grundstein für den Untergang gelegt und setzt ihn nun fort. Der Verlust von 80.000 Jobs, der Zerfall des Innovationsvorsprungs und die Bedrohung weiterer 150.000 Stellen sind keine Zufälle, sondern politische Entscheidungen. Deutschland, einst Solarpionier, riskiert nun die totale Abhängigkeit. Nur ein Kurswechsel könnte die Branche retten – doch Reiches Pläne deuten auf das Gegenteil.
Verifizierte Linkliste
- https://www.pv-magazine.de/2025/07/09/wirtschaftsministerin-reiche-will-wie-bereits-2012-die-wirtschaft-der-erneuerbaren-energien-erneut-unwirtschaftlich-machen/
- https://energiewende-tipps.de/katherina-reiche-photovoltaikbranche/
- https://www.fr.de/politik/die-stiftung-klimawirtschaft-kritisiert-bundesministerin-fuer-wirtschaft-katherina-reiche-die-aehnlich-ins-amt-startet-wie-einst-peter-altmaier-93773849.html
- https://www.n-tv.de/politik/Hans-Josef-Fell-Katherina-Reiche-weiss-seit-20-Jahren-dass-es-auch-ohne-Gaskraftwerke-geht-article25974523.html
- https://de.wikipedia.org/wiki/Solarindustrie
- https://www.zeit.de/wirtschaft/2012-11/solarverband-arbeitsplaetze-verlust
- https://www.pv-magazine.de/2023/09/18/totales-desaster-wie-solar-zoelle-zehntausende-arbeitsplaetze-und-existenzen-in-deutschland-vernichteten/
- https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stellenabbau-jeder-dritte-job-in-solarindustrie-wurde-gestrichen-1.1873598
- https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-solarbranche-verliert-binnen-zwei-jahren-haelfte-aller-jobs-a-945883.html
- https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/ISE_Kurzstudie_EEG_Umlage_2014_07_14.pdf
- https://www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/umwelt-und-energie/solarindustrie-auferstehen-aus-ruinen
- https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/solar-aufstieg-fall-100.html
- https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solarenergie/sonnenaufgang-20-deutschlands-solarindustrie-muss-den-neustart-wagen

