
Der Madeira-Weißling (Pieris wollastoni), ein endemischer Schmetterling der portugiesischen Insel Madeira, ist als erste europäische Schmetterlingsart offiziell weltweit ausgestorben. Entomologen von Butterfly Conservation Europe durchsuchten zwei Jahre lang die gesamte Insel – von Berggipfeln über tiefe Täler bis hin zu den höchsten Klippen Europas – ohne ein einziges Exemplar zu finden. Die letzte bestätigte Sichtung stammt aus dem Mai 1977. Die aktualisierte Rote Liste der IUCN stuft die Art nun als „extinct“ ein.
Der Weißling lebte ausschließlich im Lorbeerwald (Laurissilva) im Norden Madeiras in Höhenlagen über 650 Metern. Seine Raupen ernährten sich von Kohlgewächsen. Die Bestätigung des Aussterbens gilt als trauriger Meilenstein für Portugals Biodiversität. Umweltorganisationen wie Rewilding Portugal warnen, dass ohne massive Gegenmaßnahmen weitere Arten folgen werden.
In Portugal stehen derzeit 17 Schmetterlingsarten auf nationaler oder europäischer Roten Liste, darunter der gefährdete Madeira-Kleopatra-Falter und der Alcon-Bläuling. Europaweit gelten 65 Schmetterlingsarten als bedroht – ein Anstieg um 73 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Bei endemischen Arten ist fast jede zweite gefährdet oder potenziell gefährdet.

Als Hauptursachen nennen Experten die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, Überweidung und Trockenlegung von Feuchtgebieten sowie – zunehmend – den Klimawandel, der bereits über die Hälfte aller gefährdeten Arten bedroht. Schmetterlinge gelten als wichtige Bioindikatoren: Ihr Verschwinden signalisiert den Zusammenbruch ganzer Ökosysteme.
Naturschützer fordern dringend die Wiederherstellung von Flüssen, Feuchtgebieten, heimischen Wäldern und feuerresistenten Landschaften sowie eine stärkere Einbindung lokaler Gemeinschaften. Ohne sofortiges Handeln droht Europa ein massiver Verlust weiterer Schmetterlingsarten – und damit ein Stück intakter Natur.

