
Die Kombination von Offshore-Windkraftanlagen mit Wellen-, Gezeiten- oder Solartechnologien auf gemeinsamen Plattformen kann die Stromerzeugung um bis zu 70 Prozent steigern, Baukosten senken und die Versorgungssicherheit erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Übersichtsarbeit von Forschern der University of Surrey, veröffentlicht am 18. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Energy Conversion and Management.
Die Autoren analysierten Demonstrationsprojekte wie das norwegische W2Power-System (Wind-Welle) und die NoviOcean-Plattform (Wind-Welle-Solar). Hybrid-Systeme nutzen die Tatsache, dass Offshore-Windparks Tausende Quadratkilometer Seegebiet belegen, während die Turbinen selbst nur weniger als ein Prozent der Fläche beanspruchen. Durch Ergänzung mit Wellenenergiewandlern, Gezeiten-Turbinen oder Photovoltaikmodulen lässt sich die gleiche Fläche deutlich effizienter nutzen.
Die Studie zeigt: Die Stromproduktion steigt bei Hinzunahme von Gezeitenanlagen um bis zu 70 Prozent; die Stromgestehungskosten sinken um 10 bis 15 Prozent im Vergleich zu reinen Windparks. Zudem verbessert die Integration von Wellenenergiekonvertern die Stabilität schwimmender Windanlagen: Unerwünschte Plattformbewegungen nehmen um 15 Prozent ab, die Belastung der Turm-Fundamente sinkt. Die NoviOcean-Plattform erreicht einen Kapazitätsfaktor von etwa 40 Prozent – ein Wert, der auf eine rund um die Uhr stabilere Einspeisung hindeutet.
Die Wind-Welle-Kombination gilt als reifste Technologie und hat bereits Demonstrationsstufe erreicht. Wind-Solar- und Wind-Gezeiten-Systeme zeigen hohes Potenzial, befinden sich jedoch in früheren Entwicklungsstadien. Mehrfachhybride (drei oder mehr Quellen) sind im Aufkommen.
Trotz der Vorteile identifizieren die Forscher erhebliche Hürden für eine großtechnische Umsetzung: Die meisten Untersuchungen basieren auf Idealbedingungen; das Verhalten unter Extremereignissen wie Hurrikans, Erdbeben oder Tsunamis ist unzureichend erforscht. Langzeitdaten zur Fundamentbelastung über 20–30 Jahre fehlen weitgehend. Auch Umweltauswirkungen auf marine Ökosysteme – etwa durch reduzierte Flächeninanspruchnahme – sind noch nicht systematisch bewertet.
„Hybride Systeme könnten entscheidend sein, um die EU-Ziele von mindestens 42,5 Prozent erneuerbarem Anteil am Endenergieverbrauch bis 2030 zu erreichen“, betont Erstautor Liang Cui. Co-Autor Suby Bhattacharya ergänzt: „Wir brauchen Demonstrationsprojekte mit Langzeit-Monitoring, um Zuverlässigkeit und Robustheit unter realen Bedingungen zu beweisen.“
Objektiv betrachtet bieten hybride Offshore-Konzepte ein hohes technisches und wirtschaftliches Potenzial, insbesondere in Regionen mit komplementären Ressourcen wie Nordsee oder Atlantik. Die prognostizierten Kostensenkungen und Ertragssteigerungen sind vielversprechend, beruhen jedoch größtenteils auf Simulationsdaten und kleinen Demonstratoren. Kritische Punkte bleiben die Skalierbarkeit, die Widerstandsfähigkeit gegen extreme Wetterereignisse und die tatsächliche Umweltbilanz. Ohne umfangreiche Pilotprojekte und regulatorische Unterstützung – etwa durch Förderung, Netzanschlussregelungen und qualifizierte Installationsinfrastruktur – bleibt eine breite Markteinführung in den nächsten Jahren unwahrscheinlich. Die Arbeit unterstreicht den Bedarf an interdisziplinärer Forschung, die Technik, Ökonomie, Umwelt und Politik gleichermaßen berücksichtigt.


