
Berlin (Labnews Media LLC) – Radioaktiver Fallout aus den Atomwaffentests der 1950er- und 1960er-Jahre sowie aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 kontaminiert in manchen Regionen Deutschlands weiterhin messbar Wildtiere – besonders Wildschweine. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung.
In bayerischen Wildschweinen, die zwischen 2019 und 2021 beprobt wurden, lag der Gehalt an Caesium-137 (¹³?Cs) teilweise bei 370 bis 15.000 Becquerel pro Kilogramm Fleisch. Manche Proben überschritten den zulässigen Grenzwert für Lebensmittel um bis zum 25-Fachen. Nach Angaben der Studie stammten in über dem Grenzwert liegenden Proben 10 bis 68 Prozent der Kontamination aus dem alten Atomwaffen-Fallout und nicht allein aus Tschernobyl.
Wissenschaftler sprechen vom „Wildschwein-Paradox“: Im Gegensatz zu anderen Wildarten sinkt die Belastung bei Wildschweinen nur sehr langsam. Die Tiere nehmen das langlebige Radionuklid vor allem über die Bodenstreu und bestimmte Pilze auf, die in Waldgebieten besonders stark kontaminiert sind.
Die Kontamination betrifft vor allem Waldregionen in Bayern und entlang der deutsch-tschechischen Grenze. Ähnliche Befunde wurden auch aus anderen europäischen Ländern gemeldet. Experten betonen, dass die Belastung zwar geografisch begrenzt, aber in bestimmten Gebieten persistent ist.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die radioaktiven Hinterlassenschaften des Kalten Krieges und des Tschernobyl-Unfalls in Teilen der Nahrungskette noch Jahrzehnte später nachweisbar sind. Für Verbraucher bedeutet dies, dass Wildschweinfleisch aus stark belasteten Regionen weiterhin auf radioaktive Stoffe geprüft werden muss.


