Artenvielfalt von Haien und Rochen nimmt ab

Durch | November 20, 2025

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Wien untersuchte die Entwicklung der Hai- und Rochenvielfalt in den letzten 100 Millionen Jahren. Die überraschenden Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Rückgang der Artenvielfalt seit dem Eozän vor 45 Millionen Jahren. Dies widerspricht der bisherigen Annahme, dass die Artenvielfalt entweder stabil war oder zunahm. Die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „ Scientific Reports“ veröffentlichte Studie liefert wichtige Erkenntnisse für den modernen Meeresschutz.

Was können uns fossile Haie und Rochen über die heutige Biodiversitätskrise verraten? Diese Frage stellten sich Manuel A. Staggl und sein Team am Institut für Paläontologie der Universität Wien. „Knorpelfische, zu denen auch die heutigen Haie und Rochen gehören, existieren seit über 400 Millionen Jahren auf unserem Planeten. Sie haben in dieser Zeit mehrere Massenaussterben überlebt, dennoch ist heute über ein Drittel der Neoselachier (also der modernen Haie und Rochen) vom Aussterben bedroht“, erklärt Manuel Staggl. „Um wirksame Schutzmaßnahmen zu entwickeln, müssen wir verstehen, welche Umweltfaktoren ihre Artenvielfalt in der Vergangenheit beeinflusst haben.“

Vergangene Erkenntnisse enthüllen aktuelle Bedrohungen.

Die Forscher analysierten umfangreiche Fossilienfunde und verglichen sie mit historischen Umweltbedingungen wie Temperatur, Kohlendioxidkonzentration (CO?) und Lebensraumverfügbarkeit. Die überraschenden Ergebnisse werfen ein völlig neues Licht auf die Evolutionsgeschichte dieser erfolgreichen Meeresräuber.

Die aktuelle Biodiversitätskrise, verursacht durch eine Kombination aus Überfischung, Lebensraumzerstörung und rasantem Klimawandel, unterscheidet sich grundlegend von allen bisherigen Bedrohungen. „Früher hatten Haie und Rochen Zeit, sich an Veränderungen anzupassen oder in andere Gebiete abzuwandern. Die aktuellen Veränderungen vollziehen sich jedoch viel zu schnell. Insofern ist die heutige Situation beispiellos“, sagt Staggl. Hochspezialisierte Arten wie Tiefseehaie, die an stabile kalte Umgebungen angepasst sind, können mit den rasanten Veränderungen nicht Schritt halten und sind daher laut den Erkenntnissen von Staggl und seinem Team besonders anfällig für die Erwärmung.


Abb 1 Ein junger Weißspitzen Riffhai Triaenodon obesus ruht unter einer Tischkoralle vor der Küste Indonesiens C Manuel A Stagg

Insgesamt liefern die Ergebnisse wichtige Erkenntnisse für wirksame Naturschutzstrategien: Die Erhaltung und Wiederherstellung vielfältiger Küstenlebensräume muss oberste Priorität haben. Gleichzeitig ist es unerlässlich, die CO?-Emissionen drastisch zu reduzieren, um die Ozeanversauerung einzudämmen. „Unsere Studie zeigt, dass es beim Meeresschutz nicht nur um Fangquoten geht – wir brauchen eine umfassendere Perspektive, die ganze Lebensräume und das Klimasystem berücksichtigt“, schlussfolgert Paläobiologe Staggl.

Zusammenfassung:

  • Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien hat die Entwicklung der Hai- und Rochenvielfalt in den letzten 100 Millionen Jahren untersucht.
  • Die überraschenden Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Rückgang der Artenvielfalt seit dem Eozän vor 45 Millionen Jahren – entgegen der bisherigen Annahme einer stabilen oder sogar zunehmenden Artenvielfalt.
  • Eine der erstaunlichsten Erkenntnisse: Das berühmte Massensterben nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren, bei dem die großen Dinosaurier und viele andere Arten ausgelöscht wurden, hatte nur geringe Auswirkungen auf Haie und Rochen.
  • Die Verfügbarkeit von Lebensräumen erwies sich in den letzten 66 Millionen Jahren als entscheidender Faktor für die Entstehung neuer Hai- und Rochenarten. Flache, artenreiche Küstenlebensräume sind in dieser Hinsicht besonders wichtig – doch genau diese Lebensräume sind heute bedroht.
  • Insgesamt liefern die Ergebnisse wichtige Anhaltspunkte für wirksame Naturschutzstrategien: die Erhaltung und Wiederherstellung vielfältiger Küstenlebensräume und die drastische Reduzierung der CO?-Emissionen.

DOI: 10.1038/s41598-025-25653-6

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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