Erstes reales Multi-Energie-System wird in Ebendorf, Sachsen-Anhalt, getestet

Durch | August 8, 2025
Credits: Rose Gallaway Green, unsplash

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wird in einem Forschungsprojekt erstmals unter Realbedingungen die Kopplung der Energienetzsektoren Strom, Gas und Wärme getestet. In der Ortschaft Ebendorf in Sachsen-Anhalt entsteht ein Reallabor, in dem bis Ende des Jahres ein intelligentes Multi-Energie-System erprobt wird. Das mit 2,5 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt geförderte Projekt SmartMES plus zielt darauf ab, überschüssigen Wind- und Solarstrom nicht mehr abzuschalten, sondern lokal in Wärme oder Gas umzuwandeln und in die entsprechenden Netze einzuspeisen. Dadurch sollen Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen, Netzengpässe vermieden und Energieverluste reduziert werden.

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In Zusammenarbeit mit der Ebendorfer ARGE Energie, den Stadtwerken Burg GmbH und den Stadtwerken Burg Energienetze GmbH wird zunächst der Strom- und Wärmebedarf der Ortschaft analysiert, um Betriebs- und Ausbaukonzepte für die gekoppelte Infrastruktur zu entwickeln. Eine zentrale Rolle spielt die Netzleitwarte der Universität, die das System steuert. Das Projekt baut auf Simulationen aus einem Vorgängerprojekt auf, die die Machbarkeit der Sektorenkopplung belegten. In Ebendorf, wo hoher Wärmebedarf, erneuerbare Energien und engagierte Bürger*innen zusammentreffen, werden nun reale Tests durchgeführt.

Herkömmliche Maßnahmen wie das Abschalten von Solar- und Windkraftanlagen oder die Reduzierung von Wärmepumpen und Ladesäulen führen zu Energieverlusten, die durch konventionelle Kraftwerke, meist mit Erdgas, ausgeglichen werden. Im Jahr 2024 verursachte das Netzengpassmanagement Kosten von etwa drei Milliarden Euro, die VerbraucherInnen tragen mussten. Die Sektorenkopplung in Ebendorf soll nicht nur technische und ökologische Vorteile bringen, sondern auch die Betriebskosten senken und die Versorgungssicherheit erhöhen. Zudem wird die zeitliche Steuerung und wirtschaftliche Bewertung des Systems untersucht, um die Grundlage für eine europaweite Umsetzung zu schaffen. Ein flexibler Investitionsansatz, der verschiedene Handlungsoptionen berücksichtigt, soll Risiken minimieren und Potenziale nutzen.

Das Projekt, gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, läuft bis Ende 2027. Neben den Lehrstühlen für Elektrische Netze und Erneuerbare Energie, Technische Thermodynamik sowie Innovations- und Finanzmanagement der Universität sind lokale Partner wie die ARGE Energie und die Stadtwerke Burg beteiligt.

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