Europa muss bis 2030 entscheiden: Schneller Wasserstoff-Hochlauf oder teure Importabhängigkeit

Durch | November 28, 2025

Europa steht vor einem entscheidenden Zeitfenster: Nur wenn bis Ende dieses Jahrzehnts konsequent Tempo gemacht wird, bleibt eine kosteneffiziente und strategisch sinnvolle Wasserstoffversorgung bis 2050 möglich. Dies ist das zentrale Ergebnis der neuen TransHyDE-Systemanalyse, die am 28. November 2025 veröffentlicht wurde und von Fraunhofer IEG koordiniert wurde.

Symbolbild Credits Unsplash

Die 85-seitige Studie kombiniert Energiesystemmodellierung, industrielle Transformationspfade, globale Importanalysen und detaillierte Infrastrukturplanung. Sie zeigt, dass vier Faktoren über Erfolg oder Scheitern entscheiden:

  • Tempo beim Ausbau von Wind- und Solarenergie
  • Höhe und Verlässlichkeit des CO?-Preises (mindestens 200 €/t nötig)
  • Frühe Infrastrukturentscheidungen (Pipeline-Routen, Umrüstung bestehender Gasleitungen, CO?-Netze)
  • Gezielte Förderinstrumente (Klimaschutzverträge mit Wasserstoff-Segment, RFNBO-Quote im Verkehr, Differenzverträge)

Der größte Bedarf entsteht langfristig in Stahl- und Chemieindustrie. Ohne schnellen Ausbau erneuerbarer Energien steigen die Wasserstoffkosten stark und Europa wird deutlich abhängiger von Importen. Pipeline-Importe aus Nordafrika und Südosteuropa bleiben die wirtschaftlichste Lösung; Derivate wie Ammoniak oder Methanol spielen nur in Nischen eine Rolle.

Besonders kritisch: Die Umrüstung bestehender Erdgasleitungen auf Wasserstoff kann Milliarden sparen und Jahre beschleunigen – setzt aber sofortige Koordination voraus. Fehlentscheidungen in den nächsten fünf Jahren drohen mit teuren Fehlinvestitionen (stranded assets).

Die Studie warnt vor starken regionalen Unterschieden: Industriestandorte mit wenig eigenem Wind- und Solarpotenzial bleiben importabhängig, windreiche Regionen können zu Exporteuren werden. Wasserstoffpolitik muss daher eng mit regionaler Raumplanung verzahnt werden.

Die Autoren fordern schnellere und verbindlichere politische Weichenstellungen sowie eine stärkere Vernetzung der Wirtschaftsakteure in konkreten Umsetzungsprojekten, um nationale Wertschöpfung zu sichern.

Verifizierte Quellen

  • https://www.wasserstoff-leitprojekte.de/lw_resource/datapool/systemfiles/element… (Vollständige Studie „European Hydrogen Infrastructure Planning: Latest Insights from TransHyDE System Analysis“, 28.11.2025)
  • https://www.wasserstoff-leitprojekte.de/leitprojekte/transhyde (TransHyDE-Projektseite mit Studie)
  • https://idw-online.de/de/news840120 (Pressemitteilung Fraunhofer IEG, 28.11.2025)
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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