
Ein Forschungsteam von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven und der Universität Mersin in der Türkei hat in der Deutschen Bucht fünf neue Arten von Ruderfußkrebsen der Gattung Leptastacus entdeckt. Die weniger als einen Millimeter großen Tiere aus der Ordnung Harpacticoida gehören zur Meiofauna des Meeresbodens. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Marine Biodiversity veröffentlicht.
Die Deutschen Bucht gilt als eines der bestuntersuchten Meeresgebiete der Welt. Dennoch blieben die kryptischen Arten lange unentdeckt, da sie äußerlich kaum zu unterscheiden sind. Erst der Einsatz moderner Mikroskopie und genetischer Analysen offenbarte deutliche Unterschiede im Erbgut.

Die neuen Arten heißen Leptastacus linae, Leptastacus germanica, Leptastacus klaasi, Leptastacus marleenae und Leptastacus konradi. Sie wurden mit einem integrativen Ansatz aus morphologischen Vergleichen, Rasterelektronenmikroskopie, konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie und DNA-Analysen beschrieben.
Diese Krebstiere sind häufige Bewohner der Nordsee und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, etwa beim Abbau organischen Materials. Sie besetzen unterschiedliche ökologische Nischen und dienen als Indikatoren für Umweltveränderungen durch menschliche Einflüsse und Klimawandel.
Die Entdeckung erfolgte im Rahmen der Initiative Unbekanntes Deutschland, an der acht Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Sie unterstreicht, dass selbst in gut erforschten Gebieten wie der Nordsee noch unbekannte Biodiversität existiert. Eine genaue Artenkenntnis ist Voraussetzung für zuverlässige Umweltbewertungen und Schutzmaßnahmen.
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