
Deutschland – Während viele heimische Brutvögel den Winter im Süden verbringen, ziehen umgekehrt Arten aus arktischen und skandinavischen Regionen in unsere Breiten. Für sie ist der deutsche Winter vergleichsweise mild und nahrungsreich. Die Heinz Sielmann Stiftung präsentiert fünf besondere Wintergäste, die hierzulande fast ausschließlich in der kalten Jahreszeit auftauchen und den meisten Menschen unbekannt sind. Mindestens einer davon ist akustisch jedem vertraut.
Der Raufußbussard (Buteo lagopus) ähnelt stark dem ganzjährig heimischen Mäusebussard, unterscheidet sich jedoch durch seinen hellen Kopf, den dunklen Bauch und vor allem die vollständig befiederten Füße, die ihm Schutz vor Kälte bieten. Der Name „lagopus“ bedeutet „Hasenfuß“. Aus Skandinavien kommend, jagt er im Winter kleine Säugetiere auf offenen, schneebedeckten Flächen, wo er leichter Beute findet als in seinen Brutgebieten.

Der Eistaucher (Gavia immer) zählt zu den seltensten Winterbeobachtungen. Er hält sich nur sporadisch in Mitteleuropa auf und ist schwer zu entdecken, da er viel taucht und bei widrigen Wetterbedingungen an Gewässern gesucht werden muss. Bekannt ist er jedoch durch seinen markanten, mystischen Ruf, der in zahlreichen Pop-Songs und Filmen verwendet wird – etwa in Michael Jacksons „Thriller“, Doja Cats „Attention“ oder dem Hit „Sueño Latino“.
Der Zwergschwan (Cygnus columbianus) ist deutlich kleiner als der vertraute Höckerschwan und etwa 20 Zentimeter kürzer als der Singschwan. Mit weißem Gefieder und gelb-schwarzem Schnabel zieht er ausschließlich im Winter aus Sibirien heran. Häufiger in Norddeutschland anzutreffen, kann er mit Glück auch weiter südlich, etwa am Bodensee, in Schwanengruppen auf Feldern auftauchen.
Die Schneeammer (Plectrophenax nivalis) ist spatzengroß und stammt aus arktischen Regionen. Im Winter erscheint sie vor allem an Nord- und Ostseeküsten in kleinen Gruppen. Dort huscht sie unruhig über Salzwiesen und Promenaden, wobei ihr helles Gefieder beim Auffliegen auffällt. Im Winter trägt sie ein sandfarbenes Kleid; erst zur Balzzeit im Frühjahr wird das Männchen fast schneeweiß. Im Frühling kehrt sie in den Norden zurück, wo die schmelzende Schneedecke neue Nahrung freigibt.
Die Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus) ist ein echter Expertenfall. Aus Skandinavien kommend, mischt sie sich in Norddeutschland in Gruppen mit Graugänsen, Blässgänsen oder Saatgänsen. Erkennbar ist sie am runden, dunkleren Kopf, den rosafarbenen Beinen und dem kürzeren Schnabel. In Wintertrupps profitieren Gänse verschiedener Arten von der Gemeinschaft, da keine Konkurrenz um Brutplätze besteht.
Die Heinz Sielmann Stiftung betont, dass diese Arten optimal an Kälte angepasst sind und in unseren Winterlandschaften bessere Nahrungsbedingungen vorfinden als in ihren arktischen Brutgebieten. Wer genau hinschaut – etwa mit Fernglas auf Gänse- oder Schwanengruppen auf Äckern oder an Küsten – hat gute Chancen, einen dieser seltenen Wintergäste zu entdecken.

