Giftiger Rauch über Bukarest – Illegale Abfallverbrennung vergiftet die Hauptstadt

Durch | September 1, 2025

Bukarest, 1. September 2025 – Die rumänische Hauptstadt Bukarest erstickt unter einer Wolke giftigen Rauchs, der von illegalen Abfallverbrennungen in den umliegenden Gemeinden, insbesondere in Sinte?ti, ausgeht. Bewohner klagen über einen beißenden Geruch nach verbranntem Plastik, der nachts die Stadt durchzieht und morgens in einem „süßlich-bitteren“ oder „chemischen“ Gestank zurückbleibt, den sie als „Geruch nach Krebs“ beschreiben. Trotz zahlreicher Beschwerden der Bürger bleiben die Behörden weitgehend untätig, was Frustration und Resignation unter der Bevölkerung auslöst.

Ein Alltag im giftigen Nebel

Die Luftqualität in Bukarest hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert, insbesondere nachts, wenn illegale Verbrennungen von Abfällen wie Kabeln, Reifen und Plastik die Luft mit giftigen Partikeln und Dioxinen belasten. Ein Reddit-Nutzer beschreibt, wie er inzwischen vor dem Lüften die Luftqualitätssensoren überprüft: „Ich öffne kein Fenster mehr, ohne vorher die Sensoren zu checken.“ Ein anderer berichtet von nächtlichen Autofahrten entlang der Dâmbovi?a in Richtung Pallady, wo der Gestank von brennenden Abfällen so stark ist, dass er selbst mit geschlossenen Fenstern und eingeschalteter Umluft spürbar bleibt. „Die Jungs da draußen brennen alles nieder“, klagt der Nutzer.

Bukarest Credits Unsplash Saru Robert

Die Verbrennungen finden häufig in Sinte?ti statt, einer Gemeinde im Kreis Ilfov, die als Zentrum der illegalen Abfallverwertung gilt. Dort werden Kabel verbrannt, um Kupfer und Aluminium zu gewinnen, was dichte, giftige Rauchwolken erzeugt, die bis ins Stadtzentrum ziehen. Laut Experten, die von G4Media zitiert werden, bleibt der Rauch von verbranntem Plastik aufgrund seiner geringen Streuung nahe am Boden und ist dadurch besonders gesundheitsschädlich.

Behörden in der Kritik: Untätigkeit und Korruptionsvorwürfe

Die Bürger werfen der Umweltbehörde (Garda de Mediu), der Polizei und anderen Institutionen vor, die Augen vor dem Problem zu verschließen. Hunderte Beschwerden, teilweise mit genauen Ortsangaben und Beweisen, wurden eingereicht, doch die Antworten der Behörden bleiben aus oder sind ausweichend. „Sie tun so, als würde es regnen“, klagt ein Nutzer auf Reddit. Ein anderer berichtet von 20 eingereichten Beschwerden ohne jegliche Konsequenz: „Die Garda de Mediu, die Polizei, die Feuerwehr – alle sind nutzlos. Haben die keine Kinder? Atmen die nicht dieselbe Luft?“

Der ehemalige Leiter der Umweltbehörde, Octavian Berceanu, wird von vielen als positive Ausnahme genannt. Während seiner Amtszeit führte er regelmäßige Kontrollen durch und stellte klar, dass entschlossenes Handeln möglich ist. „Berceanu hat gezeigt, dass es geht, wenn man will. Aber jetzt will niemand“, kommentiert ein Nutzer. Berceanu selbst warnte kürzlich auf Social Media, dass die giftigen Rauchschwaden, die von illegalen Verbrennungen ausgehen, bis zu 4000-mal toxischer sind als der Rauch von Holzöfen und besonders Kinder gefährden, indem sie Kopfschmerzen, Reizbarkeit und langfristig Krebs oder chronische Krankheiten verursachen können.

Ein vielschichtiges Problem

Ein aktueller Bericht der Funda?ia Comunitar? Bucure?ti bestätigt die dramatische Verschlechterung der Umweltlage in der Hauptstadt. Neben den illegalen Abfallverbrennungen tragen der Verkehr und industrielle Emissionen erheblich zur Luftverschmutzung bei. Über 60 % der Luftverschmutzung stammen aus dem Verkehr, da mehr als die Hälfte der Fahrzeuge in Bukarest älter als zehn Jahre ist und ein Drittel davon mit Diesel fährt. Zudem belasten Wärmekraftwerke die Luft mit Schwefeldioxid, Stickoxiden und Kohlendioxid. Der Bericht hebt hervor, dass die Stadt nur 0,88 Bäume pro Einwohner hat – weit unter den von der EU empfohlenen drei Bäumen – und dass seit 1990 über 500 Hektar Grünflächen verloren gingen.

Die illegalen Verbrennungen sind jedoch besonders tückisch, da sie feine Partikel (PM2,5) freisetzen, die tief in die Lunge eindringen und langfristig schwere Gesundheitsschäden verursachen. Besonders in heißen Sommern fördert Ozon am Boden die Bildung von photochemischem Smog, der für Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke besonders gefährlich ist.

Gesellschaftliche Resignation und Forderungen nach Veränderung

Die Frustration der Bürger richtet sich nicht nur gegen die Behörden, sondern auch gegen eine tief verwurzelte gesellschaftliche Haltung. Ein Reddit-Nutzer schreibt: „Das System wird von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, stillschweigend oder aktiv. Wer glaubt, dass Beschwerden oder Wahlen etwas ändern, ist naiv.“ Ein anderer schlägt vor, die Bürger müssten „auf die Straße gehen“, um Druck auf die Behörden auszuüben. Doch viele fühlen sich machtlos: „Entweder du fliehst vor dem System oder du passt dich an. Widerstand ist ein verlorener Kampf.“

Forderung nach Lösungen

Der Bericht der Funda?ia Comunitar? Bucure?ti fordert dringende Maßnahmen: mehr Grünflächen, nachhaltige Verkehrslösungen wie bessere Fahrradwege und Elektromobilität sowie eine effektivere Abfallwirtschaft. Nur 42 % der jährlich produzierten 564.000 Tonnen Abfall werden behandelt, der Rest landet auf Deponien oder wird illegal verbrannt. Eine flächendeckende Einführung der Mülltrennung und die Förderung urbaner Landwirtschaft könnten helfen, die Abhängigkeit von externen Lebensmittellieferungen zu reduzieren.

Die Bürger fordern zudem härtere Strafen für illegale Abfallverbrennungen und eine Reform der Umweltbehörden. Vorschläge wie der Einsatz von Drohnen zur Überwachung von Verbrennungsstellen oder eine europaweite Beschwerde bei der EU-Umweltagentur wurden in Online-Foren diskutiert. Greenpeace Rumänien empfiehlt, Brände sofort über die Notrufnummer 112 zu melden und Fotos als Beweise zu sichern, um die Behörden unter Druck zu setzen.

Ein Stadt in der Krise

Bukarest steht vor einer Umweltkrise, die nicht nur die Gesundheit der Bewohner bedroht, sondern auch die Lebensqualität in der Hauptstadt massiv beeinträchtigt. Während die Bürger verzweifelt nach Lösungen suchen, bleibt die Reaktion der Behörden unzureichend. Ohne entschlossenes Handeln droht Bukarest, weiterhin in giftigem Rauch zu ersticken – ein Zustand, den die Bewohner als „gefangen in einer Stadt, die ihre eigenen Bürger vergiftet“ beschreiben.

Quellen:

  • Funda?ia Comunitar? Bucure?ti: „Starea Mediului în Bucure?ti“
  • Reddit-Diskussionen über Luftverschmutzung in Bukarest
  • G4Media-Bericht über Abfallverbrennung in Sinte?ti
  • Greenpeace Rumänien: Leitfaden für Beschwerden über illegale Verbrennungen
  • Europa Liber?: Bericht über Sinte?ti und illegale Abfallverbrennung
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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