Globaler Plastikvertrag: Ein Lichtblick gegen Plastikmüll

Durch | August 5, 2025
Globaler Plastikvertrag: Ein Lichtblick gegen Plastikmüll. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC

Ein neuer Bericht in der Zeitschrift The Lancet warnt eindringlich vor den schwerwiegenden und wachsenden Gefahren der Plastikverschmutzung für die menschliche und planetare Gesundheit. Veröffentlicht am Vorabend der finalen Verhandlungsrunde für einen globalen Plastikvertrag in Genf (5.–14. August 2025), bietet der Bericht die aktuellste Analyse der Gesundheitsrisiken durch Plastik über dessen gesamten Lebenszyklus – von der Produktion bis zur Entsorgung. Er begleitet die Verhandlungen, die auf ein rechtsverbindliches internationales Abkommen abzielen, das 2022 auf der UNEA5.2 einstimmig beschlossen wurde, um die Plastikverschmutzung, insbesondere in der Meeresumwelt, zu bekämpfen.

Der Bericht schätzt, dass etwa 8 Milliarden Tonnen Plastikabfall die Erde verschmutzen, mit Mikro- und Nanoplastikpartikeln sowie zahlreichen Chemikalien, die selbst in den entlegensten Regionen und in Organismen, einschließlich Menschen, nachweisbar sind. Plastik schadet in jeder Phase seines Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis zur Entsorgung – und verursacht Krankheiten und Todesfälle vom Säuglingsalter bis ins hohe Alter. Besonders betroffen sind vulnerable Gruppen wie Kinder und einkommensschwache Bevölkerungen, die unverhältnismäßig stark belastet werden. Die gesundheitsbezogenen Kosten werden auf über 1,5 Billionen US-Dollar jährlich geschätzt.

Die Hauptursache der Krise ist die rasante Zunahme der Plastikproduktion, die von 2 Megatonnen im Jahr 1950 auf 475 Megatonnen im Jahr 2022 gestiegen ist und bis 2060 voraussichtlich 1200 Megatonnen erreichen wird. Weniger als 10 Prozent des Plastiks werden recycelt, während etwa 60 Prozent der unbewirtschafteten Abfälle in einkommensschwachen Ländern verbrannt werden, was die Luftverschmutzung verschärft. Plastikabfälle fördern zudem die Verbreitung von Krankheiten, da sie Brutstätten für Moskitos und Mikroorganismen bieten, die Vektorkrankheiten und Antibiotikaresistenzen verbreiten.

Globaler Plastikvertrag: Ein Lichtblick gegen Plastikmüll. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC
Globaler Plastikvertrag Ein Lichtblick gegen Plastikmüll Credits Pugnalom by LabNews Media LLC

Trotz der wachsenden Schäden betont der Bericht, dass eine Verschlimmerung vermeidbar ist. Ähnlich wie bei der Bekämpfung von Luftverschmutzung oder Blei können evidenzbasierte, transparente und gut finanzierte Maßnahmen die Auswirkungen von Plastik eindämmen. Der Bericht fordert, dass der globale Plastikvertrag Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit und Umwelt umfasst, insbesondere durch die Reduzierung der Produktion und die Eliminierung schädlicher Chemikalien. Prof. Philip Landrigan, Hauptautor und Direktor des Global Observatory on Planetary Health am Boston College, appelliert an die Verhandler in Genf, eine gemeinsame Basis für effektive internationale Zusammenarbeit zu finden.

Parallel zum Vertrag kündigt der Bericht die Einführung des Lancet Countdown on Health and Plastics an, einem unabhängigen Überwachungssystem, inspiriert vom Lancet Countdown on Health and Climate Change. Dieses System wird Indikatoren in vier Bereichen – Produktion und Emissionen, Exposition, Gesundheitsauswirkungen sowie Interventionen und Engagement – entwickeln und verfolgen, um die Auswirkungen von Plastik auf die Gesundheit zu quantifizieren und Fortschritte bei der Reduzierung der Exposition zu messen. Der erste Bericht wird für Mitte 2026 erwartet. Prof. Joacim Rocklöv von der Universität Heidelberg betont, dass der Countdown die Gesundheit ins Zentrum der Plastikdebatte rücken wird, ähnlich wie es bei Klimaverhandlungen gelungen ist.

Margaret Spring, Co-Autorin des Berichts, unterstreicht die Notwendigkeit wissenschaftlicher Daten, um wirksame politische Maßnahmen zu entwickeln. Prof. Sarah Dunlop von der Minderoo Foundation hebt hervor, dass neue Erkenntnisse die gesundheitsschädlichen Effekte von Plastikchemikalien bestätigen, die in alltäglichen Produkten vorkommen. Dr. Herve Raps vom Centre Scientifique de Monaco betont, dass der Schutz von Gesundheit und Umwelt nur durch einen ganzheitlichen Ansatz über den gesamten Plastiklebenszyklus erreicht werden kann.

Die Verhandlungen in Genf stehen vor Herausforderungen, da öl- und gasproduzierende Länder wie Saudi-Arabien eine Begrenzung der Plastikproduktion ablehnen und auf Recycling setzen, obwohl dies laut Bericht keine nachhaltige Lösung ist. Die Lancet Countdown-Initiative soll Entscheidungsträgern unabhängige Daten liefern, um die Umsetzung des Vertrags zu unterstützen und die globale Plastikkrise effektiv zu bekämpfen.

Original paper:

The Lancet Countdown on health and plastics – The Lancet

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