
Peneda-Gerês, 03. Juni 2025 – In den malerischen Bergdörfern des Peneda-Gerês-Nationalparks, Portugals einzigem Nationalpark, finden jahrhundertealte steinerne Wasserbecken und Bewässerungskanäle eine überraschende neue Bestimmung: Einst Herzstück des traditionellen Dorflebens, dienen sie heute als wichtige Lebensräume und Brutstätten für Amphibien. Dies zeigt eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Ecosphere veröffentlicht wurde und von Forschenden des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) geleitet wurde.

Jose Valdez
Im Peneda-Gerês-Nationalpark, dem ersten Schutzgebiet Portugals, verschmelzen unberührte Ökosysteme mit traditionellen Dörfern, die zunehmend von Landflucht betroffen sind. Während viele Dörfer verlassen wurden, sind die gemeinschaftlichen Wasserbecken, Steinbrunnen und Bewässerungskanäle erhalten geblieben. Angesichts des Drucks auf natürliche Feuchtgebiete durch Klima- und Landnutzungsänderungen untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Jose Valdez und Prof. Dr. Henrique Pereira 162 Gewässer im Park, darunter natürliche Teiche und Bäche sowie künstliche Strukturen. Ziel war es, deren ökologischen Wert für Amphibien und deren Brutaktivität zu bewerten.
Überraschende Artenvielfalt in künstlichen Strukturen
Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Während natürliche Bäche und Teiche mehr Arten beherbergen, spielen künstliche Gewässer eine unerwartet wichtige Rolle. Besonders historische Steinbecken erweisen sich als wertvolle Lebensräume: In zwei Dritteln dieser Becken leben Amphibien, ein Viertel dient als Brutstätte. Überraschenderweise wiesen die Wasserbecken eine größere Artenvielfalt auf als natürliche Gewässer. Endemische Arten wie der Marmormolch (Triturus marmoratus) und der Bosca-Molch (Lissotriton boscai) legten in den historischen Strukturen häufiger Eier als in natürlichen Teichen oder Bächen. „Im Gegensatz zu natürlichen Feuchtgebieten, die vom Klimawandel stark betroffen sind, bieten die künstlichen Becken eine stabile, sichere Umgebung für Eier und Larven“, erklärt Dr. Jose Valdez, Hauptautor der Studie.
Kein Ersatz, aber eine wertvolle Ergänzung
Trotz ihrer Bedeutung betont das Team, dass künstliche Strukturen natürliche Lebensräume nicht ersetzen können. Arten wie der Iberische Frosch (Rana iberica) und der Feuersalamander (Salamandra salamandra) wurden fast ausschließlich in natürlichen Gewässern gefunden. Dennoch könnten künstliche Strukturen in von Trockenheit und Lebensraumverlust betroffenen Gebieten als Puffer dienen.
„In Peneda-Gerês prägen Natur und Dorftraditionen die Landschaft auf einzigartige Weise“, sagt Prof. Dr. Henrique Pereira, Seniorautor und ehemaliger Parkdirektor. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie das kulturelle Erbe die lokalen Amphibienpopulationen unterstützt. Durch den Schutz dieser von Menschenhand geschaffenen Strukturen und natürlicher Lebensräume bewahren wir nicht nur das Erbe, sondern sichern auch die Artenvielfalt.“
Die Studie unterstreicht die unerwartete Rolle historischer Wasserstrukturen und ruft zum Erhalt dieses einzigartigen Zusammenspiels von Natur und Kultur im Peneda-Gerês-Nationalpark auf.
Originalpublikation:
Jose W. Valdez, Jeremy Dertien, Haruna Fimmel, Tim Eric Kaufmann, Carolin Kremer, Leonie Schilling, Lena Hartmann, Isabell Hummel, Horst Paul Uellendahl, Asha Majeed, Henrique M. Pereira (2025). Traditional water structures in villages support amphibian populations within a protected landscape. Ecosphere, doi: http://dx.doi.org/10.1002/ecs2.70294

