
Kleine Städte und Gemeinden in Deutschland stehen vor der Herausforderung, bis spätestens 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Viele sehen in lokalen Wärmenetzen eine klimafreundliche Lösung, scheuen aber den Aufwand – vor allem, wenn kein eigenes Stadtwerk vorhanden ist. Das Forschungsprojekt „Suburbane Wärmewende 2“ zeigt nun anhand der niedersächsischen Gemeinde Weyhe (32.000 Einwohner), wie Nahwärme auch in kleineren Kommunen wirtschaftlich und bürgernah gelingen kann.
Erfolgsfaktoren sind laut den beteiligten Instituten (IÖW, TU Berlin und Umweltzentrum Stuhr-Weyhe):
- Starkes bürgerschaftliches Engagement als Ausgangspunkt
- Frühe und intensive Beteiligung der Anwohner durch Umfragen, Informationsveranstaltungen und Beratung
- Ausreichende Anschlussquote (mindestens 50–60 Prozent) für Wirtschaftlichkeit
- Passendes Betreibermodell: Statt reiner Privatisierung empfehlen die Forscher Kooperationen, etwa in Form einer Wärmenetzgesellschaft, in der die Kommune Stimmrechte behält und mit Bürgergenossenschaften, benachbarten Stadtwerken oder privaten Partnern zusammenarbeitet
Im Weyher Ortsteil Leeste wird derzeit ein Netz geplant, das lokale Quellen wie Abwasserwärme, Grünschnitt-Biomasse und Erdwärme nutzt. Mehr als die Hälfte der Haushalte zeigte Interesse – besonders ältere Gebäude mit hohem Wärmebedarf profitieren wirtschaftlich vom Anschluss. Das Netz soll schrittweise von einem dichten Kerngebiet aus erweitert werden.

Copyright Projekt Suburbane Wärmewende IÖW 2025
Die Projektergebnisse fließen direkt in die kommunale Wärmeplanung ein und liefern anderen kleinen Kommunen konkrete Handreichungen: von der Suche nach dem richtigen Betreiber über technische Konzepte bis hin zu Partizipationsformaten. Damit wird Nahwärme auch abseits großer Stadtwerke zu einer realistischen Option für die Wärmewende vor Ort.

