
Tropische Insekten stoßen bei steigenden Temperaturen rasch an ihre physiologischen Grenzen. Viele Arten, insbesondere in Tieflandregionen, verfügen über nur sehr begrenzte Möglichkeiten, ihre Hitzetoleranz anzupassen. Das geht aus einer großangelegten internationalen Studie hervor, die am 4. März 2026 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde.
Das Forschungsteam um Dr. Kim Lea Holzmann von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Dr. Marcell Peters von der Universität Bremen untersuchte die Temperaturtoleranz von mehr als 2.000 Insektenarten. Die Daten stammen aus Felduntersuchungen in Ostafrika und Südamerika in den Jahren 2022 und 2023, ergänzt durch genetische Analysen zur Stabilität von Proteinen.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Arten in höheren Lagen können ihre Hitzetoleranz zumindest kurzfristig steigern, während viele Tieflandarten diese Fähigkeit weitgehend vermissen. Die Forscher führen dies auf evolutionär konservierte Eigenschaften der Proteine zurück, die nur in begrenztem Maße verändert werden können.
Besonders alarmierend ist die Prognose für die Amazonasregion. Bei ungebrochenem Temperaturanstieg droht bis zu die Hälfte der dortigen Insektenspezies kritische Hitzestressbelastung. Da Insekten zentrale Funktionen als Bestäuber, Zersetzer und Räuber erfüllen, könnten massive Populationsrückgänge weitreichende Folgen für gesamte Ökosysteme haben.
Die Studie unterstreicht, dass Insekten rund 70 Prozent aller bekannten Tierarten ausmachen und die Mehrheit davon in den Tropen lebt. Dennoch fehlten bislang umfassende experimentelle Daten zur Temperaturtoleranz tropischer Arten. Die Untersuchung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Die Autoren fordern dringend weitere Forschung, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität der Tropen besser abschätzen zu können.
(Quelle: Holzmann KL et al., „Limited thermal tolerance in tropical insects and its genomic signature“, Nature, veröffentlicht am 4. März 2026, DOI: 10.1038/s41586-026-10155-w; Pressemitteilung der Universität Würzburg und der Universität Bremen)

Credits
Kim Lea Holzmann

