
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam haben zwei Verfahren zum Patent angemeldet, mit denen künstlicher Torf innerhalb von nur 30 Minuten hergestellt werden kann – aus nahezu jeder organischen Biomasse wie Holz, Gräsern, Blättern oder Paludikulturpflanzen. Die neue Technologie könnte den Abbau natürlicher Moore weitgehend ersetzen und damit einen der größten Klimakiller im Gartenbau und in der Landwirtschaft stoppen.

Quelle Marzban
Copyright ATB
Natürlicher Torf entsteht über Jahrtausende in Mooren durch unvollständigen Abbau organischen Materials unter Sauerstoffmangel. Beim Abbau werden jedoch riesige Mengen an CO? freigesetzt – Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Der künstliche Torf des ATB weist ähnliche oder sogar bessere Eigenschaften auf wie natürlicher Torf: Er ist humusreich, pathogenfrei, klimapositiv (bindet Kohlenstoff) und kann nach Gebrauch recycelt und erneut zu neuem Torfersatz verarbeitet werden.
Die Idee entstand aus einem Alltagsunfall: Dr. Nader Marzban verbrannte beim Kochen Gemüse in einem Schnellkochtopf und erkannte in den verkohlten Rückständen humusähnliche Strukturen. Im Labor konnte er diesen Effekt mit landwirtschaftlichen Reststoffen reproduzieren und weiterentwickeln.
Zwei skalierbare Verfahren stehen bereit:
- Ein kontinuierliches Doppelschneckenextrusions-Verfahren (alkali-unterstützt), das bei ca. 70 °C arbeitet und besonders für faserreiche Biomassen geeignet ist.
- Ein Batch-Verfahren bei ca. 120 °C für weniger faserige Materialien.
Beide Techniken benötigen nur Wasser, Druck und milde Temperaturen – keine aufwendige Vorbehandlung. Der produzierte Torfersatz ist stabil, pathogenfrei und lässt sich in bestehenden Produktionsanlagen einsetzen. Mobile Anlagen sind denkbar, die direkt vor Ort Biomasse zu Torfersatz verarbeiten.
Das ATB sieht in der Erfindung einen Meilenstein für die Bioökonomie: Moore werden geschützt, landwirtschaftliche Reststoffe verwertet und ein milliardenschwerer Markt für torffreie Substrate geschaffen. Ein wissenschaftlicher Artikel zur detaillierten Charakterisierung des künstlichen Torfs befindet sich derzeit im Review.

