
Gefährdete Regionen und historische Warnsignale
Die HCU-Simulation basiert auf einem Szenario des Weltklimarats (IPCC) mit einer Erderwärmung von etwa 3,7 Grad Celsius bis 2100. Besonders verwundbar sind flache Küstenabschnitte, die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Diese könnten bei Sturmfluten zu Schwachstellen werden. Die Insel Hiddensee, nordwestlich von Rügen, verdeutlicht das Risiko: Ihre Dünen bieten nur begrenzten Schutz, und ein Durchbruch könnte die Boddenlandschaft und Teile West-Rügens fluten. Die Ostseesturmflut im Oktober 2023, die Schäden in Millionenhöhe verursachte, etwa in Sassnitz, zeigt die Dringlichkeit. Ein historischer Vergleich mit Usedom, wo 1872 eine Sturmflut die Insel teilte, unterstreicht die Verletzlichkeit solcher Landschaften.

Langfristige Herausforderungen und Notwendigkeit frühzeitiger Planung
Der Meeresspiegelanstieg wird durch das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden sowie die thermische Ausdehnung des Meerwassers angetrieben. Laut dem IPCC könnte der globale Meeresspiegel bis 2100 um 0,3 bis über 1 Meter steigen, abhängig von den Treibhausgasemissionen. Für die Ostseeküste, wo regionale Faktoren wie die Landanhebung durch die Eisentlastung eine Rolle spielen, sind die Prognosen mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch ist klar, dass die Vorbereitung auf den Anstieg jetzt beginnen muss. Neben technischen Maßnahmen wie Deichverstärkungen könnten natürliche Lösungen wie die Renaturierung von Salzwiesen eine ergänzende Rolle spielen, auch wenn ihr Beitrag begrenzt ist. Die Integration von Risikokarten in die Bauleitplanung wird ebenfalls entscheidend sein, um gefährdete Gebiete wie Mönchgut oder die Schaabe langfristig zu schützen.
Die Bedrohung durch den Meeresspiegelanstieg ist kein Szenario der fernen Zukunft, sondern erfordert bereits heute entschlossenes Handeln, um Rügens Küsten und Lebensräume zu bewahren.

