Nikotin belastet Berliner Gewässer: Zigarettenkippen sind die Hauptursache

Durch | August 7, 2025
Credits: Viktor Mogilat, pexels

ForscherInnen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben Nikotin in allen untersuchten Berliner Gewässern nachgewiesen. Im Rahmen eines siebenwöchigen Monitoringprogramms im Sommer 2019 wurden 56 Wasserproben aus 14 Seen, neun Teichen, neun Flüssen, acht Kanälen und zwei kanalisierten Bächen analysiert. Die Nikotinkonzentrationen lagen zwischen sieben und 1.500 Nanogramm pro Liter, mit einem Mittelwert von 73 Nanogramm pro Liter. Besonders hohe Werte traten in Kanälen auf, gefolgt von Teichen, Flüssen, Seen und kanalisierten Bächen. Die Hauptquelle für Nikotin in den Gewässern sind Zigarettenkippen, die unsachgemäß entsorgt werden. In Deutschland gelten sie seit dem Verbot von Nikotin als Insektizid in den 1980er Jahren als primäre Umweltquelle. Studien zufolge werden 76 bis 90 Prozent der Zigarettenstummel in der Umwelt entsorgt, was sie zum Hauptmüll in Städten macht.

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Eine Kippe enthält etwa zwei Milligramm Nikotin, das durch Regenwasser leicht ausgewaschen wird. Bereits nach etwa 30 Minuten löst sich die Hälfte des Nikotins. Besonders nach Starkregen steigen die Konzentrationen in Kanälen deutlich an, teilweise um das 16-Fache, da sich Kippen bei Trockenheit ansammeln und bei Regen gleichzeitig ausgewaschen werden.

Die Nikotinkonzentrationen hängen stark von der Kanalisation ab. In Gewässern mit Regenwassereinleitungen aus der Trennkanalisation oder Mischwasserüberläufen waren die Werte etwa doppelt so hoch wie in Gewässern ohne solche Zuläufe. Bei Starkregen überschreiten Kläranlagen oft ihre Kapazität, wodurch überschüssiges Abwasser direkt in Gewässer wie Spree, Havel oder Teltowkanal gelangt. In der Innenstadt korrelieren die Konzentrationen mit der Bevölkerungsdichte, während in Gewässern ohne Kanalisationsanschluss Faktoren wie Haltestellen oder Naherholungsgebiete eine Rolle spielen. Ein Sonderfall ist die Krumme Lanke in Zehlendorf, die als Naherholungsgebiet im Sommer stark belastet ist.

Die gemessenen Nikotinkonzentrationen liegen meist unter den Grenzwerten, die für Süßwasserfische als tödlich gelten, können aber für Kleinstorganismen wie Wasserflöhe problematisch sein. Darüber hinaus weiß man über kumulative Effekte mit anderen umwelt- oder gesundheitstoxischen Substanzen aus Zigarettenkippen und sonstigem Müll kaum etwas. Angesichts sinkender Wasserstände und zunehmender Starkregenereignisse warnen die Forscher vor einer möglichen Zunahme der Nikotinbelastung in Berlin. Die Studie sei nur eine Momentaufnahme, und für eine abschließende Bewertung der Toxizität seien weitere Analysen nötig.

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