
Die großen Ölmultis ExxonMobil, Chevron, Shell und BP haben in den letzten Jahren ihre Jahresberichte und Werbekampagnen mit Begriffen wie „Klimaschutz“, „niedrig-kohlenstoff“ und „Energieübergang“ überschwemmt. Eine umfassende Analyse von Unternehmensdaten aus den Jahren 2009 bis 2020 zeigt jedoch, dass diese Rhetorik weitgehend leer ist: Die vier Konzerne, die zusammen für über 10 Prozent der globalen CO?-Emissionen seit 1965 verantwortlich sind, haben ihre fossilen Produktionsmengen gesteigert, während Investitionen in erneuerbare Energien bei unter 2,3 Prozent ihres Jahresbudgets lagen. Im Jahr 2023 beliefen sich die globalen Investitionen in unabated fossile Brennstoffe auf rund 950 Milliarden US-Dollar, während saubere Energien mit 1,7 Billionen US-Dollar zwar führend waren, aber bei den Ölkonzernen selbst nur einen Bruchteil ausmachten. Diese Diskrepanz zwischen Worten und Taten unterstreicht systematische Greenwashing-Strategien, die den Übergang zu nachhaltiger Energie verzögern und Verbraucher täuschen.
ExxonMobil: Jahrzehntelange Täuschung über Plastik und Klimaschutz
ExxonMobil, der weltgrößte Produzent von Einwegplastik-Polymeren, hat seit den 1970er Jahren eine Kampagne geführt, die Recycling als Lösung für den Plastikmüll darstellt, obwohl interne Dokumente zeigten, dass das Unternehmen die technischen und wirtschaftlichen Grenzen kannte. Eine Klage des kalifornischen Justizministeriums aus dem Jahr 2024 wirft ExxonMobil vor, durch irreführende Werbung und Marketing die Plastikkrise verschärft zu haben. Die Produktion von Einwegplastik stieg in den USA von 1970 bis 2023 um über 500 Prozent, während der Recyclinganteil bei unter 9 Prozent stagnierte. ExxonMobils „Advanced Recycling“-Technologie, die als Kreislaufwirtschaft beworben wird, enthält in Wirklichkeit nur einen minimalen Anteil recycelten Materials – oft weniger als 5 Prozent –, was die Produkte effektiv zu neuem Plastik macht, das zu höheren Preisen verkauft wird.
In der Klimawerbung präsentiert sich ExxonMobil als Vorreiter bei Algen-Biokraftstoffen, mit Investitionen von rund 70 Millionen US-Dollar zwischen 2010 und 2020. Doch diese Ausgaben machten nur 0,23 Prozent des Gesamtkapitals aus, während das Unternehmen seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen (aus Betrieb und Energieverbrauch) bis 2023 um 17 Prozent steigerte – das entspricht zusätzlichen 21 Millionen Tonnen CO? pro Jahr, mehr als die jährlichen Emissionen Kenias. Leaked Dokumente aus 2021 offenbaren, dass ExxonMobil keine Pläne hat, die fossile Produktion zu reduzieren, sondern diese durch Lobbyarbeit gegen Klimapolitik zu schützen. Insgesamt investierte das Unternehmen von 2010 bis 2018 nur 0,2 Prozent seines Kapitals in grüne Technologien, während es Milliarden in neue Ölfelder pumpte. Klagen in New York und Massachusetts werfen dem Konzern vor, Social-Media-Posts zu nutzen, um Verbraucher über seine Rolle in der Klimakrise zu täuschen, was zu Bußgeldern und Schadensersatzforderungen in Höhe von Hunderten Millionen führen könnte.
Chevron: Kohlenstofffang als Ablenkung von Massenemissionen
Chevron betont in Werbekampagnen seine Investitionen in Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), die angeblich jährlich fast 5 Millionen Tonnen CO? einsparen. Im Kontext der eigenen Emissionen von 697 Millionen Tonnen CO?-Äquivalenten im Jahr 2019 ergibt das jedoch nur eine Reduktion von 0,7 Prozent – ein Tropfen auf den heißen Stein. Die meisten CCS-Projekte in den USA, darunter Chevrons, dienen der „Enhanced Oil Recovery“, bei der CO? in Ölfelder gepumpt wird, um mehr fossiles Öl zu fördern, was die Emissionen netto sogar erhöht. Von 2010 bis 2018 flossen nur 0,2 Prozent des Kapitals in erneuerbare Energien, während die fossile Produktion um 20 Prozent zunahm.

Eine Studie aus 2022 analysierte Chevrons Jahresberichte und fand einen Anstieg von Erwähnungen zu „low-carbon“ von 50 auf über 400 zwischen 2009 und 2020, ohne dass konkrete Maßnahmen folgten. Stattdessen lobbyierte Chevron gegen CO?-Steuern und verbrachte 2023 rund 12 Milliarden US-Dollar für fossile Expansion. Im Vergleich: Die globalen Investitionen in CCS beliefen sich 2023 auf unter 5 Milliarden US-Dollar, während Chevron allein 50 Milliarden in Upstream-Öl und Gas steckte. Diese Diskrepanz führte zu Klagen, die Chevron vorwerfen, Verbraucher durch Begriffe wie „menschliche Energie“ zu täuschen, während Scope-3-Emissionen (aus Produktnutzung) unangetastet bleiben und 90 Prozent der Gesamtemissionen ausmachen.
Shell: Weniger als 1 Prozent für Erneuerbare, trotz Netto-Null-Versprechen
Shell wirbt mit Kampagnen wie „#makethefuture“, die Windparks und Elektromobilität zeigen, und behauptet, der „sauberste“ fossile Brennstoff zu sein. Tatsächlich produzierte Shell 2022 nur 0,02 Prozent seiner Energie aus Erneuerbaren, während 91 Prozent der Investitionen in fossile Brennstoffe flossen. Von 2010 bis 2018 machten grüne Investitionen nur 1,2 Prozent des Kapitals aus, und das Unternehmen plant bis 2030 keine Reduktion der Ölandgas-Produktion. Interne E-Mails aus einer US-Untersuchung von 2022 enthüllen, dass Shell keine CO?-Reduktionen plant, die „geschäftlich nicht sinnvoll“ sind, und stattdessen Verantwortung auf Verbraucher abwälzt.
Die britisch-niederländische Werbeaufsicht verbot 2021 und 2022 Shell-Anzeigen als irreführend, darunter Claims zu „carbon neutral driving“. Shells Scope-3-Emissionen stiegen 2023 um 5 Prozent, während CCS-Projekte wie Quest nur 1 Million Tonnen CO? speichern – im Vergleich zu 1,2 Milliarden Tonnen aus Produktverwendung. Insgesamt investierte Shell 2024 siebenmal mehr in Öl und Gas als in Erneuerbare, mit 25 Milliarden US-Dollar für fossile Projekte gegenüber 3,5 Milliarden für grüne. Eine Analyse von 12 europäischen Ölkonzernen, einschließlich Shell, zeigt, dass nur 0,3 Prozent der Energie 2022 aus Erneuerbaren stammten, trotz Netto-Null-Pledges bis 2050.
BP: Rückschritt bei Erneuerbaren nach Deepwater-Desaster
BP, nach dem Deepwater-Horizon-Unfall 2010 unter Druck, positionierte sich als „integrierter Energiekonzern“ und reduzierte 2020 seine fossile Produktion um 40 Prozent. Doch 2023 kehrte das Unternehmen um: 97 Prozent der Investitionen gingen in fossile Brennstoffe, und der Anteil Erneuerbarer lag bei 0,17 Prozent der Energieproduktion. Von 2010 bis 2018 flossen nur 2,3 Prozent des Kapitals in saubere Energien, die höchste Quote unter den Majors, aber immer noch marginal. BP wirbt mit „Keep advancing“, ignoriert aber, dass seine Emissionen seit 2019 um 10 Prozent stiegen.
Interne Dokumente aus 2022 zeigen, dass BP Divestments nutzt, um CO?-Haftung abzuwälzen, ohne Emissionen zu senken. Die globale fossile Investition von 570 Milliarden US-Dollar in Öl und Gas 2024 übertrifft BPs grüne Ausgaben bei weitem; das Unternehmen verteilte 2023 12,5 Milliarden an Aktionäre, während nur 1,6 Milliarden in „low-carbon“ flossen. Eine Studie von 2022 fand, dass BPs Rhetorik zu „Transition“ von 50 auf 418 Erwähnungen stieg, ohne dass Produktionsreduktionen folgten – stattdessen Expansion um 15 Prozent.
Globale Dimension: Wenig Fortschritt trotz Rekordgewinne
Die Ölkonzerne erzielten 2023 Rekordgewinne von über 200 Milliarden US-Dollar, investierten aber nur 4 Prozent ihres Kapitals in saubere Energien. Die IEA schätzt, dass fossile Investitionen 2024 auf 1 Billion US-Dollar steigen, während Erneuerbare global 2 Billionen erreichen – bei den Majors jedoch nur 30 Milliarden. Zwölf europäische Konzerne, darunter Shell und BP, produzierten 2022 nur 0,3 Prozent Erneuerbare, trotz 7,3 Prozent grüner Investitionen (6,57 Milliarden Euro). Diese Praktiken verzögern den Übergang: Die Welt braucht bis 2030 eine Verdreifachung der Erneuerbaren, um 1,5-Grad-Ziel zu halten, doch fossile Expansion droht 40 Gigatonnen CO? jährlich.
Regulierungen wie die EU-Green-Claims-Directive und US-Klagen zwingen zu mehr Transparenz, doch ohne strenge Strafen bleibt Greenwashing wirksam. Die Konzerne müssen ihre Kernmodelle umstellen, um echte Veränderung zu zeigen – ansonsten riskieren sie weitere Milliardenbußen und Verlust des gesellschaftlichen Vertrauens.

