
Menschliche Eingriffe wie Abholzung und Landwirtschaft in Panama gefährden nicht nur die Biodiversität, sondern erhöhen auch das Risiko für die tropische Chagas-Krankheit, die Tiere und Menschen befällt. Eine Studie von Wildtierökologen der Universität Ulm, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „One Health“, zeigt, wie Landnutzung und Artenverlust die Ausbreitung des Erregers Trypanosoma cruzi begünstigen. Die Forschenden untersuchten Kleinsäuger in verschiedenen Lebensräumen, von unberührten Regenwäldern bis zu kommerziellen Teakholzplantagen, rund um den Panamakanal.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass in gestörten Habitaten anpassungsfähige Opossums dominieren, die als Hauptwirte des Chagas-Erregers gelten. Diese Beuteltiere, die nachts auf Nahrungssuche gehen, tragen den Parasiten häufig in sich, was in veränderten Lebensräumen die Verbreitung der Krankheit fördert. Gleichzeitig sinkt die genetische Vielfalt anderer Wirtsarten wie der Stachelratte, was die Ausbreitung des Erregers zusätzlich begünstigt. In intakten Regenwäldern hingegen bleibt die Artenvielfalt stabiler, was das Infektionsrisiko reduziert.
Die Studie betont die Bedeutung des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt verknüpft. Weltweit sind Millionen Menschen von der Chagas-Krankheit betroffen, insbesondere in Lateinamerika, doch die Tropenkrankheit erhält wenig Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass der Erhalt intakter Ökosysteme mit hoher Artenvielfalt der beste Schutz gegen die Ausbreitung solcher Krankheiten ist. Gefördert wurde die Forschung durch das DFG-Schwerpunktprogramm „Ökologie und Speziesbarrieren bei neuartigen Viruserkrankungen“.
Originalpublikation
Magdalena Meyer, Georg Eibner, Alexander Christoph Heni, Kerstin Wilhelm, Simone Sommer: Changes in biodiversity drive trypanosome infections of wildlife in Panama.
One Health, Volume 21, 2025, 101113, ISSN 2352-7714. https://doi.org/10.1016/j.onehlt.2025.101113
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