PFAS: Weit verbreitete Belastung in deutschem Trinkwasser

Durch | November 13, 2025

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in einer bundesweiten Stichprobenuntersuchung alarmierende PFAS-Belastungen in Trinkwasser nachgewiesen. In nahezu allen getesteten Proben der sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) – gefunden wurden, liegen die Konzentrationen teilweise bereits über den ab 2026 geltenden Grenzwerten der Trinkwasserverordnung. Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit einer umfassenden Regulierung dieser langlebigen Schadstoffe.

Von Juni bis Oktober 2025 entnahmen BUND-Aktive in Kooperation mit Politikerinnen und Politikern aus SPD, CDU, Grünen und Linken 46 Trinkwasserproben sowie 13 Grund- und drei Oberflächenwasserproben. Die Analysen auf 58 PFAS-Einzelsubstanzen erfolgten in einem akkreditierten Labor. In 42 Trinkwasserproben – also über 91 Prozent – wurden PFAS nachgewiesen, ebenso in zwölf der weiteren Wasserproben.

Häufigste Belastungen zeigten sich durch unregulierte Stoffe wie Trifluoracetat (TFA), Perfluorbutansäure (PFBA) und Perfluorpropansäure (PFPrA), die als „Ersatz“ für verbotene PFAS dienen. TFA, das Abbauprodukt von Pestiziden und Kältemitteln, wurde in 46 Proben entdeckt. In drei Trinkwasserproben aus Zeuthen (Brandenburg), Ludwigslust und Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) überschritten die Werte die Summengrenzwerte PFAS-20 (100 ng/L ab 2026) bzw. PFAS-4 (20 ng/L ab 2028). Hier deuten erhöhte PFOA-Konzentrationen auf Altlasten durch PFAS-haltige Feuerlöschschäume hin.

Weitere Überschreitungen der strengeren Umweltqualitätsnorm (UQN) für Grundwasser (PFAS-4 = 4,4 ng/L ab 2027) ergaben sich in Proben aus Weimar, Berlin-Regierungsviertel, Goslar, Frankfurt am Main, Hamm und Leer. Die Berliner Probe enthielt mit 12 ng/L PFAS-4 genug, um nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bei Kindern unter zehn Jahren ein geschwächtes Immunsystem zu riskieren. Nur in vier Trinkwasserproben (u. a. Neuötting, wo der Verursacher die Reinigungskosten trägt) fehlten PFAS.

Trinkwasser kann mit PFAS belastet sein Credits Unsplash

Hintergrund: PFAS, über 10.000 synthetische Chemikalien, reichern sich persistent in Umwelt und Körper an. Sie stammen aus Imprägnierungen (Textilien, Pfannen), Pestiziden, Kältemitteln und Produktion bei Firmen wie Covestro, Bayer oder Solvay. Das BfR warnt vor täglicher Aufnahmemengen über dem kritischen Wert, mit Risiken für Cholesterin, Herz-Kreislauf, Leber und Immunsystem; 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen weisen hohe Blutwerte auf. Hauptquellen sind Lebensmittel und Produkte. Deutschlands Wasserressourcen sind bereits gestresst: In jedem zweiten Landkreis herrscht Grundwasserübernutzung, ein Drittel des Grundwassers und alle Oberflächengewässer sind chemisch belastet.

Die Reinigung ist teuer und energieintensiv – Aktivkohlefilter wirken bei TFA nur begrenzt. Der BUND fordert eine EU-weite Beschränkung aller PFAS (zeitlich befristete Ausnahmen nur für Essentielles), strikte Anwendung des Verursacherprinzips und eine vorsorgeorientierte Chemikalienpolitik. Verbraucherinnen sollen PFAS-freie Produkte wählen (z. B. via ToxFox-App), tierische Produkte reduzieren und Leitungswasser nutzen.

Die Studie positioniert PFAS als hartnäckigen Faktor im Wasserkreislauf. Experten erwarten, dass die Ergebnisse die EU-Diskussion zu einer Gruppenbeschränkung beschleunigen.


Quellen:

  • https://www.bund-berlin.de/service/presse/detail/news/trinkwassertests-von-bund-aktiven-in-42-von-46-stichproben-wurden-pfas-nachgewiesen/
  • https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/12/trinkwasser-pfas-berlin-brandenburg-belastet-bund.html
  • https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/bund-pfas-wassertest-pfas-im-wasserkreislauf-angekommen/
  • https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/PFAS-im-Trinkwasser-BUND-findet-Ewigkeitschemikalien-in-vielen-Proben-_15874_1.html
  • https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/pfas-trinkwasser-bund-nachweis-104.html
  • https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/pfas-trinkwasser-umweltverband-bund-nachweis-alarm-100.html
  • https://www.bund-bawue.de/service/pressemitteilungen/detail/news/bund-trinkwassertest-pfas-in-proben-aus-baden-wuerttemberg-nachgewiesen/
  • https://www.zeit.de/news/2025-11/04/bund-findet-ewigkeitschemikalien-in-trinkwasserproben
  • https://www.bild.de/leben-wissen/verbrauchertipps/trinkwassertests-in-42-von-46-proben-wurden-ewigkeits-chemikalien-nachgewiesen-69099c32154e6f61444c4a85
  • https://utopia.de/news/ewigkeitschemikalien-in-trinkwasser-neue-tests-zeigen-massive-belastung-mit-pfas_871678/
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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