Prof. Carsten Mann: Biosphärenreservate als Reallabore für nachhaltige Entwicklung

Durch | Februar 24, 2026
Prof. Carsten Mann. Credits: HNE Eberswalde/Ulrich Wessollek

Biosphärenreservate gelten in der Nachhaltigkeitsforschung als besonders geeignete Räume, weil sie zwei oft konfligierende Ziele vereinen: den Schutz der Biodiversität und die Förderung regionaler Wertschöpfung. Dieser Spannungsbereich zwischen Schutz und Nutzung macht sie zu idealen Orten für anwendungsorientierte Transformationsforschung, die zugleich das dritte UNESCO-Ziel erfüllt: Forschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Prof. Dr. Carsten Mann, Professor für Nachhaltige Waldressourcenökonomie an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und Generaldirektor des Biosphere Reserves Institute (BRI), beschreibt Biosphärenreservate als Reallabore. In diesen geschützten Räumen können neue Governance-Modelle, Kooperationsformen sowie Anreiz- und Honorierungssysteme erprobt werden, um Biodiversitätsschutz wirksamer zu verankern. Gleichzeitig wird untersucht, ob und wie Biosphärenreservate über ihre Grenzen hinaus als Motoren regionaler und überregionaler Transformation wirken können.

Eine Promotion zu Nachhaltigkeitsinnovationen in Biosphärenreservaten zeigt beispielhaft, wie der Transfer zwischen ländlichen und urbanen Räumen gelingen kann. Fallstudien aus der Schorfheide-Chorin (nahe Berlin) und Fontainebleau-Gâtinais (nahe Paris) verdeutlichen Potenziale in Wertschöpfungsketten, die Stadt und Land verbinden. Neben nachhaltigem Tourismus sieht Mann Chancen in der Landwirtschaft und der Vermarktung regionaler Produkte im Biosphärenumfeld.

Das Biosphere Reserves Institute (BRI) fungiert als Plattform und Anlaufstelle an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. Es bündelt Expertise in inter- und transdisziplinärer Forschung, Co-Design und Prozessbegleitung. Der UNESCO-Kategorie-2-Status als weltweit erstes Institut mit explizitem Fokus auf Biosphärenreservate hat die internationale Sichtbarkeit deutlich gesteigert: Anfragen aus Projektkonsortien, von Reservaten weltweit und für Publikationen nehmen zu. Gleichzeitig wächst der Bedarf, Aktivitäten strategisch zu priorisieren.

In der Lehre qualifiziert das BRI mit dem englischsprachigen Masterstudiengang „BIOM – Biosphere Reserve Management International“ künftige Fachkräfte. Der Studiengang vermittelt systemisches Denken, transdisziplinäre Methodenkompetenz und internationale Kontextsensibilität – Kompetenzen, die für die Gestaltung nachhaltiger Entwicklung in Biosphärenreservaten entscheidend sind.

Biosphärenreservate werden damit zunehmend als Untersuchungsräume der Zukunft wahrgenommen. Das BRI führt Forschung, Praxis und Ausbildung im UNESCO-Kontext zusammen und stärkt so die Rolle dieser Modellregionen für globale Nachhaltigkeitsziele.

Das vollständige Interview mit Prof. Dr. Carsten Mann ist auf der Homepage der HNEE verfügbar.

Prof. Carsten Mann. Credits: HNE Eberswalde/Ulrich Wessollek
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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