Reallabor Geothermie Rheinland: Ein Meilenstein für nachhaltige Wärmeversorgung im Rheinischen Revier

Durch | Juni 13, 2025
Geologische Modelle ermöglichen das Potential im Rheinischen Revier abzuschätzen. | Quelle: Florian Wellmann | Copyright: F. Wellmann / Fraunhofer IEG

Aachen/Weisweiler, 13. Juni 2025 – Im Rheinischen Revier wird ein zukunftsweisendes Projekt für die Energiewende gestartet: Das neue Reallabor der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) eröffnet Perspektiven für eine zuverlässige, nachhaltige und zukunftsfeste Wärmeversorgung. Das »Reallabor Geothermie Rheinland« markiert einen wichtigen Schritt im Strukturwandel von der Kohleförderung hin zu einem innovativen Wärmebergbau, der neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze schafft. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Kohleausstiegs von Bund und Land Nordrhein-Westfalen mit insgesamt rund 52 Millionen Euro. Der Bewilligungsbescheid wurde von einem Vertreter des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen überreicht.

Geologische Modelle ermöglichen das Potential im Rheinischen Revier abzuschätzen. | Quelle: Florian Wellmann | Copyright: F. Wellmann / Fraunhofer IEG
Geologische Modelle ermöglichen das Potential im Rheinischen Revier abzuschätzen | Quelle Florian Wellmann | Copyright F Wellmann Fraunhofer IEG

Geothermie als Baustein der Energiewende

Das Reallabor soll Kommunen und Unternehmen den Zugang zu geothermischer Expertise ermöglichen und die Tiefengeothermie als nachhaltige Wärmequelle in Nordrhein-Westfalen etablieren. Tiefengeothermie nutzt heißes Wasser aus mehreren Kilometern Tiefe, um Fernwärme, Prozesswärme oder Strom zu erzeugen. Diese klimafreundliche Energiequelle eignet sich für zahlreiche Anwendungen, etwa für kommunale Wärmenetze, Gewächshäuser oder energieintensive Industrien wie die Chemie-, Zucker-, Holz-, Papier-, Metall-, Zement- und Bauindustrie.

Die Vorteile der Geothermie sind vielfältig: Sie ist ganzjährig verfügbar, wetterunabhängig, krisensicher, importunabhängig und nahezu unerschöpflich. Zudem benötigt sie weniger Fläche als andere erneuerbare Energien. In Städten wie München und Paris trägt Geothermie bereits zur kommunalen Wärmeversorgung bei, in den Niederlanden und Belgien versorgt sie Gewächshäuser und Fernwärmesysteme. Diese Potenziale sollen nun auch im Rheinischen Revier erschlossen werden, um eine kostengünstige, regionale Wärmeversorgung zu ermöglichen und Wirtschaftswachstum sowie Arbeitsplätze zu fördern.

Einzigartige Forschungsinfrastruktur

Das Reallabor schafft eine europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur. In den nächsten vier Jahren wird der Untergrund zwischen Aachen, Düren, Jülich und Stolberg großflächig geophysikalisch untersucht. Mit seismischen Messungen, ähnlich einem Echolot oder Ultraschall, wird der tiefe Untergrund mehrere Kilometer tief analysiert. Zwei Tiefbohrungen sollen warmwasserführende Gesteinsschichten erschließen und Daten zu Gesteinsarten, Porosität, Wasserdurchlässigkeit und natürlichen Wasservorkommen liefern.

Parallel entsteht in Weisweiler ein Technikum als Forschungszentrum für Georessourcen und Dekarbonisierung. Dieses dient als Innovationszentrum, in dem geophysikalische Daten ausgewertet und neue Technologien entwickelt werden. Ein geophysikalisches Observatorium in Weisweiler beobachtet bereits die natürliche Seismizität des Untergrunds. Das Technikum wird zudem eine Plattform für marktgerechte Geotechnologien bieten, etwa für Anlagen zur geothermalen Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung, die Nutzung des Untergrunds als Energiespeicher oder CO?-arme Betriebsstrategien.

Schlüsselprojekt für den NRW-Masterplan Geothermie

Das Reallabor ist ein zentraler Bestandteil des Masterplans Geothermie des Landes Nordrhein-Westfalen, der darauf abzielt, einen erheblichen Teil des Wärmebedarfs langfristig durch Erdwärme zu decken. Die seismischen Messungen und Tiefbohrungen liefern Grundlagendaten für Wärmeversorger, Projektentwickler und Kommunen. Die Erkenntnisse werden in Leitfäden, Workshops und Weiterbildungsangeboten weitergegeben, um geothermische Projekte zu erleichtern. Bei positiven Erkundungsergebnissen könnten die Region in wenigen Jahren von einer kostengünstigen, regionalen Wärmequelle profitieren.

Strukturwandel und Innovation

Das Projekt unterstützt den Strukturwandel im Rheinischen Revier, insbesondere angesichts der geplanten Abschaltung des Kohlekraftwerks Weisweiler im Jahr 2028. Es zeigt, wie Klimaschutz, wirtschaftliche Innovation und regionale Stärke Hand in Hand gehen können. Die Forschung spielt eine zentrale Rolle, um erneuerbare Energien effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. Das Reallabor wird Impulse für die energieintensive Industrie, Energieversorger und Kommunen setzen.

Die Region hat eine lange Tradition in der Nutzung natürlicher Energierohstoffe – von Thermalwässern in römischer Zeit bis zum Braunkohletagebau. Tiefengeothermie könnte das nächste Kapitel sein. Die Fraunhofer IEG arbeitet mit Partnern wie RWE Power, den Aachener Stadtwerken STAWAG, der RWTH Aachen und der Ruhr-Universität Bochum zusammen. Das Reallabor steht weiteren Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen offen und wird langfristig auch der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften dienen.

Finanzierung und Ausblick

Das Reallabor wird durch drei Förderbausteine finanziert: Das STARK-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie stellt rund 8,15 Millionen Euro bereit, ergänzt durch 0,815 Millionen Euro vom Land NRW. Für geophysikalische Messungen, Tiefbohrungen und Infrastruktur kommen 36,54 Millionen Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen (Bund: 29,6 Millionen Euro, Land: 6,94 Millionen Euro). Der Aufbau des Technikums in Weisweiler wird mit 6,5 Millionen Euro von der Fraunhofer-Gesellschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Land NRW gefördert. Insgesamt stehen dem Projekt 52 Millionen Euro für vier Jahre zur Verfügung.

Mit dem »Reallabor Geothermie Rheinland« legt die Fraunhofer IEG den Grundstein für eine nachhaltige Energiezukunft im Rheinischen Revier. Es ist ein Projekt, das Klimaschutz, wirtschaftliche Innovation und soziale Verantwortung vereint und das Potenzial hat, ein Vorbild für andere Regionen in Europa zu werden.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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