
Das Umweltprojekt SeeElefant der gemeinnützigen Organisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) hat einen bedeutenden Fortschritt erzielt. Der Klimaspezialist South Pole bestätigt in einem Letter of Intent vom 12. November 2025, dass der SeeElefant jährlich bis zu 32.000 CO2-Zertifikate im freiwilligen Kohlenstoffmarkt generieren kann. Bei einer Verarbeitungskapazität von 60.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr seien mindestens 90 Prozent zertifizierungsfähig, so South Pole. Dieser Meilenstein stärkt die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts und erhöht seine Attraktivität für Investoren.

Hintergrund: Plastikmüll als globale Herausforderung
Die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll ist eine der drängendsten Umweltkrisen. Jährlich gelangen Millionen Tonnen Kunststoff in die Ozeane, bedrohen marine Ökosysteme, fischen sich in Nahrungsketten ein und zersetzen sich zu Mikroplastik. Besonders in Regionen mit unzureichender Abfallinfrastruktur, sogenannten Plastikmüll-Hotspots, häuft sich das Problem. Laut Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) könnten bis 2040 ohne Gegenmaßnahmen bis zu 29 Millionen Tonnen Plastik jährlich in die Meere gelangen. Recyclingkapazitäten sind global begrenzt, und nur etwa 9 Prozent des weltweit produzierten Plastiks werden recycelt. Vor diesem Hintergrund setzt OEOO mit dem SeeElefanten auf innovative Lösungen, um Müll zu sammeln, zu sortieren und zu verwerten.
Das SeeElefant-Konzept
Der SeeElefant ist ein umgebauter Massengutfrachter mit integrierten Anlagen zur Verarbeitung, Sortierung und zum Recycling von Plastikmüll. Das Schiff ist mobil und skalierbar, sodass es gezielt an Hotspots ohne ausreichende Abfallinfrastruktur eingesetzt werden kann. Es sammelt sowohl land- als auch meerbasierten Müll und führt diesen dem Wertstoffkreislauf zu. Langfristig soll der SeeElefant mit Anlagen ausgestattet werden, die Plastik an Bord in schwefelfreies Öl umwandeln, sobald diese Technologien industrietauglich sind. Das Konzept ist Teil des umfassenden Ansatzes der „Maritimen Müllentsorgung“ von OEOO, das neben dem SeeElefanten kleinere Müllsammelschiffe wie SeeHamster und SeeKuh einsetzt. Diese operieren bereits in Ländern wie Kambodscha, Indonesien und Ägypten.
Demonstration im Mittelmeer
Ab 2027 soll der erste SeeElefant seine Leistungsfähigkeit auf einer dreijährigen Mittelmeer-Tour unter Beweis stellen. Geplant ist, in großen Hafenstädten bis zu zwei Monate zu ankern, um Plastikmüll zu verarbeiten. Parallel werden Bildungsprogramme zu Themen wie Kreislaufwirtschaft, Kunststoffvermeidung und KI-gestützter Müllsortierung angeboten. Verhandlungen mit Hafenstädten laufen, um Logistik und Zusammenarbeit zu sichern. Die Tour soll nicht nur die technische Machbarkeit demonstrieren, sondern auch öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem der Meeresverschmutzung schaffen.
Bedeutung der CO2-Zertifikate
Die Bestätigung von South Pole markiert einen Wendepunkt. Die möglichen 32.000 CO2-Zertifikate pro Jahr entsprechen einer signifikanten Reduktion von Treibhausgasemissionen, da die Verarbeitung von Plastikmüll fossile Rohstoffe einspart und Deponierung oder Verbrennung verhindert. Die Monetarisierung dieser Zertifikate bietet eine verlässliche Einnahmequelle, die Betriebs- und Wartungskosten decken kann. Günther Bonin, OEOO-Gründer, betont: „Die Einschätzung von South Pole ist ein Quantensprung. Sie bestätigt die wirtschaftliche Tragfähigkeit und stärkt unseren Weg zum Systemanbieter im maritimen Recycling.“ Projektleiter Dr. Harald Frank fügt hinzu, dass die Zertifikatserlöse die Planungssicherheit erhöhen und ein stabiles Fundament schaffen.
Über One Earth – One Ocean e.V.
OEOO, 2011 in München gegründet, verfolgt das Ziel, Gewässer weltweit von Plastikmüll zu befreien. Mit Büros in Kiel, Kambodscha und den Philippinen koordiniert der Verein Projekte in mehreren Ländern. Neben dem SeeElefanten betreibt OEOO Müllsammelboote und engagiert sich in der Mikroplastikforschung sowie in Bildungsarbeit. Für ihr Konzept der Maritimen Müllabfuhr erhielt OEOO 2013 den GreenTec Award und 2019 den Bundespreis ecodesign für den SeeElefanten. Weitere Informationen sind unter www.oeoo.world verfügbar.
Ausblick
Die Zertifizierungsperspektive stärkt die Finanzierungsperspektiven des Projekts und könnte weitere Investoren anziehen. Der SeeElefant hat das Potenzial, ein Vorbild für globale Recyclinglösungen zu werden, insbesondere in Regionen mit schwacher Abfallinfrastruktur. Mit der geplanten Mittelmeer-Tour 2027 setzt OEOO ein Zeichen für nachhaltige Innovation und internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Plastikverschmutzung.

