Skandal um Fällung hundertjähriger Bäume an Berliner Schule eskaliert

Durch | Dezember 9, 2025

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mobilisiert gegen die drohende Fällung von acht hundertjährigen Bäumen auf dem Schulhof der Heinz-Brandt-Schule in Berlin-Weißensee. Trotz einer kürzlich erteilten Genehmigung und über 20.000 gesammelten Unterschriften setzt die Organisation den Druck fort. Am 17. Dezember soll eine Delegation die Petition dem zuständigen Staatssekretär Dr. Torsten Kühne übergeben. Die Aktion unterstreicht den Konflikt zwischen dringendem Bedarf an Schulplätzen und dem Erhalt wertvollen Stadtgrüns.

Der Antrag auf Fällgenehmigung wurde am 20. Oktober 2025 beim Umwelt- und Naturschutzamt Berlin-Pankow gestellt. Die Bäume, darunter große Buchen, sollen einem modularen Ergänzungsbau (MEB) weichen, um den akuten Platzmangel an der beliebten Integrierten Sekundarschule zu beheben. Die Heinz-Brandt-Schule zählt zu den am stärksten nachgefragten Einrichtungen in Berlin, mit 315 Bewerbungen für nur 104 Plätze in diesem Jahr. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie plant den Bau in Abstimmung mit dem Bezirksamt Pankow, da alternative Standorte wie ein benachbartes Lidl-Grundstück baurechtlich und rechtlich problematisch seien.

Skandal um Fällung hundertjähriger Bäume an Berliner Schule eskaliert
Skandal um Fällung hundertjähriger Bäume an Berliner Schule eskaliert Symbolbild Credits Unsplash

Die Genehmigung für die Fällung liegt nun vor, was die Umweltschützer als Skandal bezeichnen. Die Bäume dienen als Hitzeschutz, Rückzugsort und Beitrag zum Mikroklima in der betonierten Umgebung von Weißensee. Der Schulhof, der bereits als zu klein empfunden wird, beherbergt einen preisgekrönten Schulgarten, der 2019 den Berliner Schulgartenwettbewerb gewann. Eltern und Schüler befürchten, dass die Fällung den ohnehin begrenzten Freiraum weiter einschränkt und die Lernbedingungen verschlechtert. An heißen Tagen finden dort Unterrichtsstunden statt, und die Bäume mildern den Klimawandel-Effekt in der Stadt.

Die DUH kritisiert die Berliner Politik scharf für jahrzehntelange Versäumnisse im Schulbau. Statt vorausschauender Planung werde nun mit dem Brechstang-Methode eine Übergangslösung durchgesetzt, die langfristig Kindern und Natur schade. Die Organisation verweist auf das kürzlich beschlossene Bäume-Plus-Gesetz, das bis 2040 eine Million gesunde Bäume in Berlin vorsieht. Die geplanten Fällungen widersprachen diesem Ziel diametral. In einem offenen Brief an Senats- und Bezirksverwaltung fordert die DUH den sofortigen Stopp der Maßnahme, die Prüfung alternativer Standorte und verbindliche Vorgaben für Mindestgrünanteile auf Schulgeländen.

Bereits im September 2025 warnte die DUH vor der drohenden Fällung während der Herbstferien. Eine Eil-Aktion startete, die Tausende Unterstützer mobilisierte. Schülervertretungen, Elternräte und politische Akteure wie Abgeordnete Julia Schneider von Bündnis 90/Die Grünen schlossen sich an. Die Kampagne betont, dass neue Schulplätze nicht gegen alten Baumbestand ausgespielt werden dürften. Bäume wirkten als natürliche Klimaanlage und trügen zum Wohlbefinden der Schüler bei. Die DUH droht mit rechtlichen Schritten, falls die Fällung voranschreitet.

Die Petition auf der DUH-Plattform https://mitmachen.duh.de/heinz-brandt-schule/ ruft zur Weiterverbreitung auf. Das Kampagnenteam appelliert an Netzwerke, um den öffentlichen Druck zu steigern. Die Bäume stehen noch, doch die Zeit drängt: Ohne weitere Mobilisierung könnte die Fällung unmittelbar nach der Schonzeit erfolgen. Experten sehen in dem Fall ein Paradebeispiel für den Konflikt zwischen städtischer Dichte und Grünerhaltung. Berliner Behörden betonen den akuten Schulplatzmangel im Bezirk Pankow, wo mehrere Erweiterungen notwendig sind.

Die Auseinandersetzung beleuchtet breitere Herausforderungen: Die Stadt ringt mit dem Ausgleich von Bildungsbedarf und Naturschutz. Während der Senat auf rasche Lösungen drängt, fordern Umweltschützer ganzheitliche Konzepte, die Grünflächen priorisieren. Die DUH, mit Sitz in Radolfzell, engagiert sich bundesweit für Umweltthemen und finanziert sich durch Spenden. Die aktuelle Kampagne unterstreicht ihre Rolle als Wächterin des Stadtgrüns.

Die Überreichung der Unterschriften am 17. Dezember könnte entscheidend sein. Sollte der Staatssekretär nicht reagieren, plant die DUH weitere Proteste. Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf Berlins Wachstumspolitik und mahnt zu nachhaltigeren Ansätzen im Umgang mit begrenzten Ressourcen.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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