Staudämme verändern sogar die kleinsten Organismen im Nil

Durch | November 24, 2025

Winzige Zooplankton-Organismen reagieren extrem sensibel auf den Bau von Wasserkraftwerken – selbst die unsichtbaren Bewohner des Nils bleiben davon nicht verschont. Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigt am Beispiel des Blauen und Weißen Nils in Sudan, wie stark Staudämme die Artenvielfalt und Zusammensetzung dieser mikroskopischen Gemeinschaften beeinflussen.

Der Nil bei Mogran (Khartum)
Quelle: Samah Makawi
Copyright: Samah Makawi
Der Nil bei Mogran Khartum
Quelle Samah Makawi
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Die Untersuchungen fanden zwischen 2017 und 2020 statt – genau während der Bauzeit des Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD), des größten Wasserkraftwerks Afrikas, das im September 2025 eingeweiht wurde. Ergebnis: Der Blaue Nil wies vor dem Abschluss des Damms eine deutlich höhere Zooplankton-Diversität und stärkere jahreszeitliche Schwankungen auf als der Weiße Nil, der bereits seit Jahrzehnten durch mehrere Staudämme reguliert wird. Im Weißen Nil leben nur etwa halb so viele Arten wie im Blauen Nil.

Zooplankton gilt als wichtiger Bioindikator für die Gesundheit eines Flusssystems: Je vielfältiger die Gemeinschaft, desto widerstandsfähiger ist der Fluss gegenüber Störungen. Die natürlichen Schwankungen von Wasserstand, Nährstoffen und Sedimentfracht im Blauen Nil förderten diese Vielfalt – Schwankungen, die durch den GERD nun weitgehend gedämpft werden. Die Forscher erwarten daher ähnliche Verluste an Artenvielfalt wie bereits im Weißen Nil beobachtet.

Besonders wertvoll erwies sich die Kombination aus klassischer Morphologie und moderner eDNA-Analyse (Umwelt-DNA): Durch den Nachweis winziger Erbgutspuren im Wasser konnten selbst seltene und schwer bestimmbare Arten erfasst werden – ein schneller, kostengünstiger Weg, um künftige Veränderungen im Nil frühzeitig zu erkennen.

Die Studie unterstreicht: Wasserkraftwerke beeinträchtigen nicht nur Wanderfische oder große Säugetiere, sondern greifen bis in die unterste Ebene des Nahrungsnetzes ein. Ein systematisches Monitoring mit eDNA-Methoden wird daher dringend empfohlen, um die ökologischen Folgen des GERD und anderer Staudämme im Nilbecken besser zu verstehen und zu bewältigen.

Originalpublikation:

Makawi, S. E. M., and M. T. Monaghan. 2025. “ Zooplankton Community Composition in the White and Blue Niles Near Khartoum: Combining Molecular and Morphological Approaches.” Environmental DNA 7, no. 6: e70218. https://doi.org/10.1002/edn3.70218

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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