Tibesti-Gebirge: Rätsel um Entstehung von Kraterseen gelöst

Durch | August 18, 2025
Credits: Stefan Kröpelin, Universität Köln

Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe unter Leitung von WissenschaftlerInnen der Freien Universität Berlin und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie hat herausgefunden, wie vor rund 9.500 Jahren tiefe Seen in den Kratern des Tibesti-Gebirges im heutigen Tschad entstanden und über 5.000 Jahre existierten. Die Studie liefert Einblicke in die paläohydrologischen Veränderungen während der Nordafrikanischen Feuchtphase und unterstreicht die Bedeutung hochauflösender Paläoklimasimulationen.

Credits: Stefan Kröpelin, Universität Köln
Credits Stefan Kröpelin Universität Köln 

Die Sahara, heute die größte Trockenwüste der Welt, war vor einigen tausend Jahren deutlich grüner, wie archäologische Funde, paläobotanische Überreste und Landschaftsformen von ehemaligen Seen und Flüssen zeigen. Bereits 1869 entdeckte der Forscher Gustav Nachtigal im Tibesti-Gebirge in 2500 Metern Höhe den Krater „Trou au Natron“, auch Doon Orei genannt. Später initiierte Stefan Kröpelin von der Universität zu Köln geologische Untersuchungen dieses Kraters sowie des Era Kohor Kraters im 3500 Meter hohen Emi Koussi. Unter schwierigen Bedingungen gewonnene Seesedimente wurden im Labor für Physische Geographie der Freien Universität Berlin sediment-geochemisch analysiert, um die Entstehung und Dynamik der längst verschwundenen Seen zu entschlüsseln.

Durch hochauflösende Paläoklimasimulationen mit einer Auflösung von etwa fünf Kilometern, durchgeführt am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, konnten die Forschenden die steile Orographie des Tibesti-Gebirges und die damaligen Niederschlagsmuster vor 7000 Jahren nachvollziehen. Ergänzend analysierten sie mithilfe von Fernerkundung und Geographischen Informationssystemen die Hydrographie der Krater und entwickelten ein numerisches Modell des Wasserhaushalts. Die Kombination aus Sedimentdaten, Wasserbilanzschätzungen und Simulationen zeigte, dass das Tibesti-Gebirge damals mindestens zehnmal mehr Niederschlag erhielt als die umliegenden Ebenen. Überraschend war, dass feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum durch nordöstliche Winde herangeführt wurden, nicht durch den westafrikanischen Monsun, wie bisher an Sacred. Durch orographische Hebung regneten diese Luftmassen aus und speisten die Kraterseen.

Die Studie verdeutlicht, wie wichtig hochauflösende Paläoklimasimulationen sind, um vergangene hydrologische Veränderungen in der Sahara und anderen Regionen zu verstehen, insbesondere in einem sich erwärmenden Klima.

Originalpublikation

Mid-Holocene extreme precipitation in the Tibesti, Central Sahara | Nature Communications

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