Trumps Grönland-Ultimatum: Der transatlantische Bruch

Durch | Januar 17, 2026

Am Abend des 17. Januar 2026 veröffentlichte Donald Trump auf Truth Social eine Ankündigung, die in ihrer Klarheit und Brutalität kaum zu überbieten ist:

„Ab 1. Februar 10 %, ab 1. Juni 25 % Zölle auf ALLE Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Großbritannien – und zwar so lange, bis ein Deal über den vollständigen und totalen Kauf Grönlands steht. Die Länder, die Dänemark bei der Blockade unserer berechtigten Sicherheitsinteressen unterstützen, müssen jetzt den Preis zahlen.“

Damit hat der Präsident der Vereinigten Staaten erstmals seit Gründung der NATO offen und offiziell wirtschaftliche Massenbestrafung gegen eine Gruppe enger Verbündeter als Druckmittel eingesetzt, um die Abtretung souveränen Staatsgebiets eines anderen NATO-Mitglieds zu erzwingen.

Dieser 17. Januar 2026 wird sehr wahrscheinlich als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem das transatlantische Bündnis seinen moralischen und politischen Kern unwiderruflich verlor.

Trumps Grönland Ultimatum Der transatlantische Bruch Symbolbild Credits Unsplash

1. Die neue Qualität des Konflikts

Bisherige transatlantische Krisen – Suez 1956, deutsch-amerikanische Spannungen um die Ostpolitik, Irak 2003, NSA-Affäre, Trump-1.0-Burden-Sharing-Streit – waren immer Auseinandersetzungen über Interessen, Prioritäten, Stil oder Geld. Nie stand die Grundfrage auf dem Tisch, ob die territoriale Integrität eines Gründungsmitglieds der NATO käuflich ist und ob man dieses Ziel mit kollektiver wirtschaftlicher Bestrafung der Verteidiger dieser Integrität durchsetzen darf.

Genau diese Schwelle hat Trump heute überschritten.

Es geht nicht mehr um Prozentpunkte bei der Verteidigungsausgabe oder um die Höhe von Zöllen auf Stahl und Aluminium. Es geht um die nackte Botschaft:
Wenn die USA etwas wollen, das ein Verbündeter nicht freiwillig hergibt – auch wenn es dessen Kern-Souveränität betrifft –, dann ist jedes Mittel recht, einschließlich der gezielten wirtschaftlichen Strangulierung mehrerer NATO- und EU-Staaten gleichzeitig.

2. Warum die Zölle keine „normale Handelspolitik“ sind

Die übliche Verteidigungslinie aus Washington lautet: „Tarife sind ein legitimes außenpolitisches Instrument.“ Das stimmt – solange sie gegen strategische Gegner oder bei echten Handelsungleichgewichten eingesetzt werden.

Hier aber haben wir eine völlig andere Konstellation:

  • Die Zoll-Opfer sind ausschließlich die Länder, die sich am deutlichsten hinter Dänemark gestellt haben
  • Die Maßnahme ist zeitlich unbegrenzt an eine einzige politische Bedingung geknüpft („bis Grönland verkauft wird“)
  • Es gibt kein Handelsdefizit-Argument, keine nationale Sicherheitsklausel im klassischen Sinne, keine WTO-Rechtsgrundlage

Die Zölle sind in diesem Fall nichts anderes als ein kollektives Strafinstrument gegen die politische Haltung einer Gruppe von Staaten. Das ist neu – und es zerstört ein Tabu, das seit 1949 gegolten hat: Wirtschaftliche Waffen werden nicht gegen Bündnispartner eingesetzt, um sie zu grundlegenden Souveränitätsfragen zu zwingen.

3. Der Vertrauensbruch ist strukturell

Selbst wenn die Zölle in sechs oder zwölf Monaten wieder fallen: Die Erinnerung bleibt.
Jede europäische Regierung, jedes Verteidigungs- und jedes Außenministerium wird von heute an jede sicherheitspolitische Entscheidung unter der Frage treffen müssen:

„Was passiert, wenn Washington in drei Jahren etwas anderes von uns verlangt – und wir wieder Nein sagen?“

Die Antwort lautet jetzt: Dann riskieren wir massive, gezielte, langfristige wirtschaftliche Schäden für unser Land und unsere Unternehmen.

Dieses Wissen allein verändert bereits die gesamte strategische Psychologie Europas. Es macht die USA in den Augen der meisten europäischen Hauptstädte zu einem Partner, dessen Verhalten nicht mehr verlässlich innerhalb eines gemeinsamen Werte- und Normenrahmens bleibt. Das ist der Kern des Bruches.

4. Was kommt – realistische Szenarien

Kurzfristig (2026–2027)

  • Sofortige und koordinierte EU-Gegenzölle (klassischerweise wieder auf republikanisch sensible Produkte)
  • Einfrieren und wahrscheinlich endgültiges Scheitern der laufenden TTIP-ähnlichen Gesprächsfäden
  • Massive diplomatische und mediale Gegenoffensive in ganz Europa
  • Deutliche Verschlechterung des öffentlichen Meinungsbildes der USA (schon jetzt schlecht – das wird noch deutlich schlechter)

Mittelfristig (2027–2032)

  • Beschleunigter Aufbau echter europäischer strategischer Autonomie (nicht mehr nur Rhetorik)
  • Massive Diversifizierung bei kritischen Rohstoffen, Halbleitern, Cloud-Diensten und Rüstungstechnologie
  • Ausbau eigener militärischer Fähigkeiten, wahrscheinlich mit einem kleinen, aber echten EU-Hauptquartier
  • De-facto-Aufweichung der transatlantischen Geheimdienst- und Cyber-Kooperation

Langfristig (ab 2030)

  • Ein NATO-Bündnis, das formal besteht, aber faktisch zu einem lockeren Sicherheitskooperationsrahmen mutiert
  • Stärkere europäische Anlehnung an andere Pole (Indien, mittelfristig vielleicht auch selektiv China) bei Rohstoffen und Technologie
  • Eine Generation europäischer Politiker, die die USA nicht mehr als „natürlichen“ und schon gar nicht als „unverzichtbaren“ Partner betrachtet

5. Die Gewinner dieser Entwicklung

  • Russland bekommt ein abgelenktes, intern zerstrittenes NATO-Bündnis und damit mehr Handlungsspielraum in der Arktis und Osteuropa
  • China profitiert von jeder zusätzlichen europäischen Abhängigkeit von chinesischen seltenen Erden, Batterien und Infrastrukturangeboten in Grönland
  • Die grönländische Unabhängigkeitsbewegung erhält paradoxerweise Rückenwind: Je mehr die Insel zum geopolitischen Spielball wird, desto stärker wird der Wunsch nach vollständiger Loslösung von allen externen Mächten

Schluss

Der 17. Januar 2026 ist kein weiterer lauter Streitpunkt in einer langen Reihe transatlantischer Reibereien.
Es ist der Tag, an dem ein amerikanischer Präsident öffentlich und unwiderruflich erklärt hat:
Die Souveränität eines NATO-Verbündeten ist verhandelbar.
Und wer sich dagegen stellt, wird kollektiv bestraft.

Solange diese Ankündigung nicht umgehend und bedingungslos zurückgenommen wird, bleibt sie als politische Urkunde stehen – und verändert die strategische DNA des gesamten westlichen Systems.

Das transatlantische Bündnis wird wahrscheinlich weiter existieren.
Es wird aber nie wieder das sein, was es bis zum Abend des 17. Januar 2026 war.

Es war einmal ein Bündnis, das auf der selbstverständlichen Unantastbarkeit bestimmter Grundprinzipien ruhte.
Diese Selbstverständlichkeit existiert nicht mehr.

Das Eis der Arktis schmilzt schnell.
Das Eis, das die atlantische Partnerschaft zusammenhielt, ist heute Abend gesprungen.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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