
Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) betrachtet Natur überwiegend als Ressource und Produktivitätsfaktor. Andere Wertvorstellungen – Natur als eigenständiger Lebensraum, kulturelles Erbe oder ethische Verpflichtung – spielen eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die in der Fachzeitschrift „People and Nature“ erschienen ist.
Die Forschenden untersuchten zentrale GAP-Dokumente der EU-Kommission sowie den deutschen GAP-Strategieplan. Dabei zeigte sich ein klares Bild: Auf EU-Ebene dominieren instrumentelle, ökonomische Argumente – Natur wird vor allem als Dienstleister für die Landwirtschaft gesehen. Relationale Werte wie Verantwortung gegenüber der Natur, Heimatverbundenheit oder intrinsische Bedeutung kommen kaum vor. In deutschen Dokumenten sind diese nicht-ökonomischen Perspektiven etwas stärker vertreten, bleiben aber ebenfalls minoritär.

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Diese Einseitigkeit hat Konsequenzen: Viele Landwirte sehen sich selbst als Hüter der Natur und empfinden die Politik als realitätsfern. Wenn die GAP nur mit Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit argumentiert, fehlt die Anerkennung für die vielfältigen Beziehungen, die Menschen zur Landschaft haben – und damit ein wichtiger Hebel für Akzeptanz und Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.
Die Studie plädiert für eine breitere Wertediskussion in der Agrarpolitik: Nur wenn auch Schutz-, Beziehungs- und Identitätswerte stärker berücksichtigt werden, kann die GAP langfristig erfolgreich und gerecht sein. Gerade auf nationaler und regionaler Ebene – wie in Deutschland – sehen die Autoren hier Gestaltungsmöglichkeiten, um den Kurs zu korrigieren und eine Agrarpolitik zu schaffen, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich trägt.
Froese, I. & Loft, L. (2025). Unravelling nature’s values in EU agricultural policy: A critical discourse analysis. People and Nature. https://doi.org/10.1002/pan3.70186
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