
Das europäische Forschungsprojekt ZEvRA hat nach anderthalb Jahren eine positive Zwischenbilanz gezogen. Unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz arbeiten 28 Partner aus Wissenschaft und Industrie daran, den CO?-Fußabdruck von Elektrofahrzeugen um mindestens 25 Prozent zu senken und den Anteil recycelter Materialien massiv zu steigern. Erste Erfolge umfassen die wirtschaftliche Entlackung von Fahrzeugdächern für eine zweite Nutzung, die Herstellung von Aluminium-Komponenten aus nahezu 100-prozentigem Sekundärmaterial sowie die Verarbeitung von Kunststoffen mit bis zu 97 Prozent Recyclinganteil zu neuen Bauteilen. Diese Innovationen ebnen den Weg zu einer vollständig zirkulären Fahrzeugproduktion und passen perfekt in die EU-Ziele für klimaneutrale Mobilität bis 2035.
Das Projekt ZEvRA, das für „Zero Emission electric Vehicles enabled by haRmonised circulArity“ steht, wurde Anfang 2024 gestartet und läuft bis Ende 2026. Es wird mit 11,4 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe sowie einer UKRI-Förderung finanziert und umfasst Partner aus 13 Ländern, darunter Automobilhersteller wie Škoda, EDAG und Forvia, Forschungseinrichtungen wie Eurecat in Spanien und das Bay Zoltán Institut in Ungarn sowie Zulieferer und Universitäten. Der Kern des Vorhabens ist die Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Leichtfahrzeugen über die gesamte Wertschöpfungskette – von der Materialversorgung über die Fertigung bis hin zu End-of-Life-Prozessen. Basierend auf dem Konzept der 9Rs (Reduce, Reuse, Recycle usw.) soll eine harmonisierte Bewertungsmethodik entwickelt werden, die Entwicklungen vergleichbar macht und den Einstieg in zirkuläre Konzepte erleichtert. Dies schafft eine einheitliche Grundlage, um Fortschritte messbar zu quantifizieren und regulatorische Anforderungen wie den Digitalen Produktpass (DPP) zu erfüllen.
Die EU strebt an, dass ab 2035 alle neu zugelassenen Pkw emissionsfrei sind, was eine Revolution in der Automobilindustrie erfordert. Aktuell machen Materialien wie Stahl, Aluminium, Kunststoffe, Glas, Reifen und seltene Erden etwa 84 Prozent des Fahrzeuggewichts aus, und der Großteil stammt aus Primärquellen mit hohem CO?-Ausstoß. Der Bergbau für Rohstoffe verursacht massive Umweltbelastungen: Allein für eine Tonne Aluminium werden rund 15 Tonnen CO? emittiert, und die Batterieproduktion für Elektrofahrzeuge trägt zu 40 Prozent der Emissionen bei. ZEvRA adressiert dies, indem es geschlossene Kreisläufe schafft: Statt Abfall entsteht Wertschöpfung durch Wiederverwendung und Recycling. Die EU-Richtlinie zur Kreislaufwirtschaft von 2020 und der Green Deal fordern genau solche Ansätze, um Ressourcenknappheit zu bekämpfen und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. In Deutschland, wo die Automobilbranche 800.000 Jobs sichert und 5 Prozent des BIP generiert, ist dies essenziell: Der Übergang zu E-Mobilität muss nachhaltig sein, um Wettbewerbsfähigkeit zu wahren.
Nach 18 Monaten zeigt ZEvRA beeindruckende Meilensteine. Im Bereich Stahl wurden gebrauchte Fahrzeugdächer chemisch entlackt, analysiert und für eine Repurposing-Nutzung aufbereitet – ein Prozess, der ohne Schmelzen auskommt und somit Energie spart. Eine KI-gestützte Simulationssoftware verkürzt Entwicklungszeiten von 14 Wochen auf 1-2 Tage, indem sie Prozesse virtuell optimiert. Für Aluminium wurden drei Varianten entwickelt: Guss-, Strangpress- und Schaumlegierungen mit fast 100-prozentigem Sekundäraluminium. Digitale Zwillinge sorgen für Qualitätssicherung und ermöglichen präzise Vorhersagen. Bei Kunststoffen und Verbundwerkstoffen erreichten Forscher einen Recyclinganteil von 97 Prozent; diese Materialien wurden bereits zu Demonstratoren wie Batterieabdeckungen und Innenraumteilen verarbeitet. Glas profitiert von einem Digitaldruck-Verfahren, das den Emailfarbeverbrauch um 25 Prozent senkt, und laufenden Arbeiten zur Integration von Photovoltaik in Dächer. Reifen enthalten nun 40 Prozent recycelte Stoffe, ohne Sicherheitsmängel – ein Durchbruch, da Reifen jährlich 1,5 Milliarden Einheiten weltweit verbrauchen und zu Mikroplastik beitragen.
Digitale Werkzeuge sind der Turbo für diese Entwicklungen. Das Prototyp-Tool „Circular-DESIGNer“, KI-basiert, erlaubt Konstrukteuren, Nachhaltigkeitsstrategien frühzeitig zu bewerten und Designs anzupassen. Design for Circularity Economy (DfCE) integriert Kreislauffähigkeit von Anfang an, etwa durch modulare Bauteile. Virtuelle Zwillinge modellieren komplette Materialkreisläufe für Aluminium und Kunststoffe, was Abfall minimiert. Die Architektur für den DPP, vorgeschlagen von ZEvRA, ermöglicht die Rückverfolgbarkeit von Materialien über den gesamten Lebenszyklus – ein EU-Pflicht ab 2027, der Transparenz schafft und Recycling fördert. Diese Tools reduzieren nicht nur Kosten, sondern steigern auch die Innovationsgeschwindigkeit: In der Automobilbranche, wo Entwicklungszyklen 3-5 Jahre dauern, können sie Zeit um bis zu 30 Prozent kürzen.

Das Herzstück ist das modulare Fahrzeugkonzept, basierend auf dem Škoda Enyaq. Es gliedert die Karosserie in sechs Hauptmodule, verbunden durch innovative Techniken wie Schraub- und Flanschsysteme. Dies halbiert Demontagezeiten und erleichtert die Rückgewinnung von Ressourcen. Wertvolle Komponenten wie Batterien oder Elektronik werden leichter getrennt, was die Wirtschaftlichkeit steigert – besonders bei günstigen Materialien, wo Transport und Verarbeitung den Preis drücken. In der zweiten Phase erweitert ZEvRA dies um Interieur und Exterieur, um physische Demonstratoren zu bauen. Diese Prototypen sollen Praxistauglichkeit beweisen und als Blaupause für Serienproduktion dienen. Langfristig zielt das Projekt darauf ab, zero-emission-Lösungen für 59 Prozent der europäischen Fahrzeuge bis 2035 zu validieren, was den Sektor um 25 Prozent entlastet.
Die Erfolge entfalten sich in einem dynamischen Kontext. Die EU-Automobilindustrie steht vor einem Umbruch: Bis 2035 sollen 30 Millionen E-Fahrzeuge auf den Straßen rollen, doch der Bedarf an recycelten Materialien explodiert – von aktuell 10 Prozent auf 25 Prozent. Projekte wie ZEvRA ergänzen Initiativen wie den Battery Passport oder den Circular Economy Action Plan. In Chemnitz, wo das IWU seit 30 Jahren Ressourceneffizienz forscht, profitiert das Projekt von Expertise in Umformung und Simulation. Die Einbindung von 420 Fachleuten durch Workshops und eine Moodle-Lernplattform sichert Wissenstransfer: Module zu Lebenszyklusanalysen, digitalen Zwillingen und Recyclingprozessen schulen die Belegschaft und Akademiker.
Höhepunkt ist die 1st Annual Conference am 27. November 2025 bei Eurecat in Cerdanyola, Spanien (hybrid). Sie versammelt Branchenführer zu Keynotes, Workshops und Diskussionen über Design, Materialien und Geschäftsmodelle. Themen reichen von regulatorischen Hürden bis zu wirtschaftlichen Chancen; die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung stärkt Kooperationen und etabliert zirkuläre Ketten in Europa. ZEvRA demonstriert: Kreislaufwirtschaft ist machbar und profitabel. Durch Harmonisierung und Innovationen wird die E-Mobilität nicht nur emissionsfrei, sondern ressourcenschonend. Dies schützt Umwelt, sichert Jobs und positioniert Europa als Vorreiter – ein Modell für globale Nachhaltigkeit.
Quellen:
- https://www.iwu.fraunhofer.de/en/about-Fraunhofer-IWU/participation-in-networks/international-networks/eu-projects/eu-project-zevra.html
- https://www.iwu.fraunhofer.de/en/press/PM-2024-ZEvRA-reduces-CO2-footprint-of-electric-vehicles-and-increases-the-share-of-recycled-materials.html
- https://zevraproject.eu/zevra-project-embarks-on-a-groundbreaking-journey-towards-zeroemission-road-transport/
- https://zevraproject.eu/launch-of-the-zevra-project/
- https://idw-online.de/en/news?print=1&id=830076
- https://www.polymeris.fr/newsreader/zevra-project-embarks-on-a-groundbreaking-journey-towards-zero-emission-road-transport.html
- https://zevraproject.eu/news/
- https://eurecat.org/en/portfolio-items/zevra/
- https://idw-online.de/de/news861280
- https://www.iwu.fraunhofer.de/de/presse-medien/pressemitteilungen/zevra-konsortium-kreislaufwirtschaft-elektrofahrzeuge.html

