Neue Satellitentechnik enthüllt unterschätzte Methanlecks auf globalen Müllhalden

Durch | August 6, 2025

Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben mit einer innovativen Satellitenmethode erstmals präzise Einblicke in die Methanemissionen von Mülldeponien weltweit gewonnen. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Climate Change erschienen ist, zeigt, dass offene Müllhalden deutlich mehr des potenten Treibhausgases freisetzen als bisher angenommen. Dies unterstreicht die Dringlichkeit verbesserter Abfallmanagementstrategien zur Bekämpfung des Klimawandels.

Methan gilt als eines der wirksamsten Treibhausgase, dessen Erwärmungseffekt in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Freisetzung bis zu 84-mal stärker ist als der von Kohlendioxid. Über einen längeren Zeitraum von hundert Jahren entspricht eine Tonne Methan etwa der Wirkung von 28 Tonnen CO2. Rund 18 Prozent der menschengemachten Methanemissionen stammen aus Mülldeponien, was sie zu einem zentralen Ziel für Klimaschutzmaßnahmen macht. Bisherige Überwachungsmethoden, die auf Bodenmessungen und Modellen basieren, stoßen jedoch an Grenzen: Sie decken nur begrenzte Gebiete ab, sind ungenau und teuer in der Durchführung.

Das Team um den leitenden Wissenschaftler vom Aerospace Information Research Institute in Peking hat nun eine hochauflösende Fernerkundungstechnik entwickelt, die Satellitendaten mit einer Auflösung von 30 Metern räumlich und 10 Nanometern spektral nutzt. Ergänzt durch spezielle Filteralgorithmen und eine optimierte Methode zur Massenbilanzierung, ermöglicht dies die genaue Erfassung von Methanfahnen – das sind federförmige Ausbreitungsstrukturen des Gases. In der Analyse wurden 367 solcher Fahnen auf 102 Deponien in verschiedenen Ländern identifiziert und quantifiziert, was eine globale Übersicht über Emissionsraten liefert, die mit traditionellen Ansätzen nicht erreichbar wäre.

Zur Überprüfung der Ergebnisse verglichen die Forscher ihre Satellitendaten mit unabhängigen Luftmessungen, die zuvor durch Bodenbeobachtungen bestätigt worden waren. Die hohe Übereinstimmung unterstreicht die Zuverlässigkeit der neuen Technik, die eine breitere Abdeckung und höhere Präzision bietet. Besonders auffällig: Offene Deponien ohne Abdichtungssysteme emittieren im Durchschnitt 4,8-mal mehr Methan als kontrollierte, künstlich angelegte Anlagen. Diese Differenzierung verbindet erstmals weltweit Abfallbewirtschaftungspraktiken direkt mit Emissionswerten.

Ein weiterer Befund der Studie betrifft etablierte Datenbanken: Die von der Europäischen Union betriebene Emissionsdatenbank für globale Atmosphärenforschung (EDGAR) unterschätzt die Ausstöße von besonders belastenden offenen Deponien um durchschnittlich das Fünffache. Solche Diskrepanzen könnten bestehende Inventare verzerren und die Planung von Klimaschutzmaßnahmen behindern. Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, diese Ungenauigkeiten zu korrigieren und fundiertere Politikentscheidungen zu ermöglichen.

Die Forscher plädieren für verstärkte internationale Bemühungen, um die Infrastruktur von Mülldeponien zu modernisieren und das Abfallmanagement zu optimieren. Zudem fordern sie die Schaffung einer globalen Plattform für den Austausch von Satellitendaten. Dies würde vor allem Ländern mit begrenzten Ressourcen den Zugang zu entscheidenden Informationen erleichtern und die weltweite Reduzierung von Treibhausgasen unterstützen.

Die Studie, die am 28. Juli veröffentlicht wurde, basiert auf Daten des Aerospace Information Research Institutes und wurde von der American Association for the Advancement of Science über ihren Dienst EurekAlert! verbreitet. Sie unterstreicht den wachsenden Beitrag der Raumfahrttechnologie zur Umweltüberwachung und könnte zukünftige Strategien gegen den Klimawandel maßgeblich beeinflussen.

DOI
10.1038/s41558-025-02391

Symbolbild Credits Kate RodriguezUnsplash
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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