An Stelle von Gesang: Wasseramseln kommunizieren mit Blinzeln

Durch | August 18, 2025
Credits: Kevin Duclos

In den lauten Umgebungen schnell fließender Bäche setzen Wasseramseln nicht auf lauteren Gesang, sondern auf visuelle Signale, indem sie häufiger mit ihren weißen Augenlidern blinzeln. Eine Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz und der Lancaster University zeigt, wie diese Vögel ihre Kommunikation flexibel an Lärm und die Anwesenheit von Artgenossen anpassen, und liefert eines der klarsten Beispiele für den Wechsel zwischen akustischen und visuellen Signalen bei einem Wildtier.

Credits: Kevin Duclos
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In den Hochlandgebieten, wo Wasseramseln an klaren Gewässern leben, ist ihr hoher, metallischer Gesang ein typisches Zeichen des Frühlings. Doch der Flusslärm, besonders nach starken Regenfällen, erschwert die akustische Kommunikation. Statt den Lärm zu übertönen, blinzeln die Vögel mit ihren weißen Augenlidern, die sich deutlich von ihrem dunkelbraunen Gefieder abheben, um Partner anzulocken oder Rivalen auf sich aufmerksam zu machen.

Forschende untersuchten Wasseramseln im britischen Yorkshire Dales National Park über mehr als 300 Stunden, wobei die meisten Vögel mit farbigen Ringen markiert waren. Durch Verhaltensbeobachtungen, Audioaufnahmen und statistische Analysen stellten sie fest, dass die Vögel bei erhöhtem Flusslärm und in Anwesenheit anderer Wasseramseln seltener laut singen, dafür aber häufiger blinzeln. Sind sie allein, singen sie lauter, um den Lärm zu überdecken. Dieses soziale Verhalten zeigt eine klare Abstimmung zwischen akustischen und visuellen Signalen. Die Fähigkeit, zwischen Sinnen zu wechseln, ist in der Natur selten und macht Wasseramseln zu einem idealen Studienobjekt, da sie ganzjährig in lauten Umgebungen leben und ihre auffälligen Augenlider als visuelles Signal nutzen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie Umweltbedingungen wie Flusslärm die Evolution von Kommunikationsstrategien beeinflussen. Die komplexe Anpassungsfähigkeit der Wasseramseln wirft neue Fragen auf, etwa wie Tiere die Balance zwischen komplexen Signalen und Eindeutigkeit finden oder ob multimodale Kommunikation in der Natur häufiger ist, als bisher angenommen.

Die Studie eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung tierischer Kommunikation und deren Anpassung an herausfordernde Umgebungen.

Originalpublikation

Stream noise induces song plasticity and a shift to visual signals in a riverine songbird
Léna de Framond, Stuart P. Sharp, Kevin Duclos, Thejasvi Beleyur, Henrik Brumm
Current Biology, online 15. August 2025

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