Steigende Temperaturen verstärken Superzellengewitter in Europa

Durch | August 28, 2025

Eine neue Studie der Universität Bern und der ETH Zürich warnt vor einer Zunahme von Superzellengewittern in Europa aufgrund steigender Temperaturen. Diese extremen Wetterereignisse, die durch rotierende Aufwinde, starke Winde, großen Hagel und heftige Regenfälle gekennzeichnet sind, verursachen erhebliche Sachschäden, landwirtschaftliche Verluste und Gefahren für die menschliche Sicherheit. Besonders der Alpenraum wird als „Gewitter-Hotspot“ identifiziert, mit einem Anstieg der Sturmaktivität um bis zu 50 % bei einem Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Werten.

Die Studie, veröffentlicht in Science Advances, basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen dem Geographischen Institut, dem Oeschger-Zentrum für Klimaforschung, dem Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern und dem Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich. Mithilfe eines neuartigen Klimamodells im Rahmen des scClim-Projekts wurde eine hochauflösende Simulation von Superzellengewittern mit einer Präzision von 2,2 Kilometern erstellt. Diese digitale Sturmkarte übertrifft bisherige Analysemöglichkeiten und ermöglicht eine detaillierte Darstellung einzelner Sturmzellen.

Ein Superzellengewitter über dem Lago Maggiore fotografiert von Locarno Monti

Credits
© MeteoSchweiz Luca Panziera

Realitätsnahe Simulationen zeigen regionale Unterschiede
Die Forscher führten eine elfjährige Simulation durch und verglichen sie mit realen Sturmdaten von 2016 bis 2021. „Unsere Simulation bildet die Realität weitgehend ab, erfasst aber etwas weniger Stürme, da sie nur Ereignisse über 2,2 Kilometer und einer Dauer von mehr als einer Stunde berücksichtigt“, erklärt Monika Feldmann vom Mobiliar Lab für Naturrisiken. Die Ergebnisse zeigen, dass der Alpenraum besonders betroffen ist: Auf der Alpennordseite treten pro Saison etwa 38 Superzellengewitter auf, im Süden 61. Bei einem Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius wird ein Anstieg um 52 % nördlich und 36 % südlich der Alpen prognostiziert. Insgesamt erwartet Europa einen Anstieg um 11 %, wobei Regionen wie die Iberische Halbinsel und Südwestfrankreich einen Rückgang verzeichnen könnten.

Wenige Stürme, große Auswirkungen
Trotz ihrer Seltenheit verursachen Superzellengewitter einen erheblichen Anteil an wetterbedingten Schäden. „Die Integration dieser Stürme in Risikobewertungen und Katastrophenstrategien ist entscheidend“, betont Feldmann. Die Zunahme stellt wachsende Herausforderungen für Infrastruktur, Landwirtschaft und die öffentliche Sicherheit dar. Die Studie verbessert die Genauigkeit von Vorhersagen und unterstreicht die Notwendigkeit, die Bedingungen für Superzellengewitter besser zu verstehen, um die Gesellschaft besser vorzubereiten.

Publikationsdetails:

  • Journal: Science Advances
  • DOI: 10.1126/sciadv.adx0513
  • Titel: European supercell thunderstorms – A prevalent current threat and an increasing future hazard
  • Veröffentlichungsdatum: 27. August 2025

Hinweis: Die Studie wurde teilweise von der Mobiliar Versicherung finanziert, die jedoch keinen Einfluss auf die Untersuchung hatte. Die Autoren erklären keine weiteren Interessenkonflikte.

Schlüsselwörter: Superzellengewitter, Klimawandel, Alpenraum, Universität Bern, Klimasimulation, Naturrisiken

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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