
Finnland dient als Vorbild für eine kostengünstige und nachhaltige Energiewende durch den flächendeckenden Einsatz von Smart Metern und dynamischen Stromtarifen. Während Deutschland erst seit Januar 2025 große Energieversorger zur Bereitstellung dynamischer Tarife verpflichtet, nutzt Finnland diese Technologien seit über einem Jahrzehnt erfolgreich. Mit einem Strommix, der zu 95 Prozent CO2-neutral ist, und stabilen Netzen zeigt das Land, wie intelligente Messsysteme und börsenpreisorientierte Tarife Verbrauchskosten senken und die Nutzung erneuerbarer Energien fördern.
Dynamische Stromtarife, bei denen sich die Preise stündlich an die Börse anpassen, ermöglichen es Verbrauchern, ihren Stromverbrauch in Zeiten hoher Verfügbarkeit – etwa bei starkem Wind oder Sonnenschein – zu verlagern. Dies führt nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von fossilen Energien. Voraussetzung sind Smart Meter, die den Verbrauch in Echtzeit erfassen. In Finnland sind 99 Prozent der Haushalte mit diesen intelligenten Zählern ausgestattet, während in Deutschland Ende 2024 nur zwei Prozent der Haushalte über solche Geräte verfügten. In Finnland bieten alle rund 50 Energieversorger börsenpreisgebundene Tarife an, obwohl dies erst ab 200.000 Kunden verpflichtend ist.
Die finnischen Verbraucher profitieren von deutlich niedrigeren Stromkosten: 2024 lag der Preis pro Kilowattstunde bei etwa 25 Cent, verglichen mit 40 Cent in Deutschland. Insbesondere seit der Energiekrise 2022 ist die Preissensitivität der Finnen gestiegen, und viele passen ihren Verbrauch an günstige Preiszeiten an. Dies stabilisiert das Stromnetz, da Nachfrage und Angebot besser aufeinander abgestimmt werden. Der Anteil erneuerbarer Energien lag 2024 bei 56 Prozent, und die CO2-neutralen Quellen, einschließlich Kernenergie, deckten 95 Prozent des Bedarfs.
Ein Schlüssel zum Erfolg ist Finnlands fortschrittliches Stromnetz, das auf Smart-Grid-Technologien setzt. Diese ermöglichen eine flexible Steuerung des Stromflusses in Echtzeit, minimieren Engpässe und erhöhen die Effizienz. Der nationale Netzbetreiber Fingrid betreibt das zentrale Datensystem Datahub, das Informationen von 3,8 Millionen Verbrauchspunkten bündelt. Rund 80 Stromversorger und Verteilnetzbetreiber nutzen diese Plattform, um Verbrauchsdaten, Verträge und Abrechnungen effizient auszutauschen, was den Service für Endkunden verbessert. Die finnische Energiebehörde Energiavirasto fördert den Ausbau intelligenter Netze durch strenge Berichtspflichten und die Bereitstellung offener Netzdaten, um Transparenz und Innovation zu stärken.

In Deutschland hingegen steht der Smart-Meter-Rollout noch am Anfang. Ab 2025 sind Haushalte mit einem Verbrauch über 6.000 kWh jährlich oder Betreiber von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen zum Einbau verpflichtet. Freiwillige Installationen sind möglich, jedoch gestiegen die Kosten: Die Preisobergrenze für Betriebskosten liegt bei 40 Euro jährlich für Haushalte mit 6.000 bis 10.000 kWh Verbrauch, und die einmaligen Installationskosten betragen bis zu 100 Euro. Laut einer forsa-Umfrage ist vielen Deutschen die Möglichkeit eines freiwilligen Einbaus unbekannt, obwohl die Mehrheit die Technologie grundsätzlich befürwortet, sofern die Kosten niedrig bleiben.
Finnlands Erfahrungen zeigen, dass dynamische Tarife und Smart Meter nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch Verbrauchern finanzielle Vorteile bieten. Die Anpassung des Verbrauchs an günstige Preiszeiten reduziert Emissionen und entlastet das Netz, während die hohe Verfügbarkeit erneuerbarer Energien die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen minimiert. Dieses Modell könnte für Deutschland ein Wegweiser sein, um die Energiewende kosteneffizient und nachhaltig zu gestalten.

