
Ein deutsch-schweizerisches Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Lena Neuenkamp von der Universität Bielefeld hat entdeckt, dass die räumliche Verteilung von Arten in Wiesen zuverlässig vorhersagt, wie sich die Biodiversität über die Zeit verändert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in „Nature Ecology & Evolution“, basieren auf elf Jahren Daten aus 150 Grünlandflächen der DFG-Biodiversitäts-Exploratorien und könnten ein Frühwarnsystem für den Artenrückgang schaffen.

Intensivere Nutzung – häufigeres Mähen, stärkere Düngung oder Beweidung – führt zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Dies betrifft sowohl die lokale Artenzahl (?-Diversität) als auch die Unterschiede zwischen Standorten (?-Diversität). Entscheidend: Räumliche Muster heute spiegeln zeitliche Veränderungen wider. Wo heute große Unterschiede zwischen Wiesen bestehen, verläuft der Artenverlust langsamer; wo die Vielfalt räumlich bereits homogen ist, schreitet der Rückgang schneller voran.
Die Studie zeigt, dass räumliche Daten als „Abkürzung“ dienen können, wenn langfristige Beobachtungen fehlen. Sie ermöglichen es, gefährdete Flächen früh zu erkennen und gezielter zu schützen. Allerdings wirken Nutzungsänderungen oft verzögert – manche Arten reagieren erst Jahre später. Deshalb bleiben langfristige Monitoringprogramme unverzichtbar.
Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen ein wirksames Werkzeug für den Naturschutz: Mit räumlichen Analysen lassen sich Kipppunkte in Ökosystemen früher identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten – bevor der stille Verlust bunter Wiesen unumkehrbar wird. Das Monitoring in den Biodiversitäts-Exploratorien ist für weitere sechs Jahre gesichert, nun in Kooperation der Universitäten Bielefeld, Münster und Bern.
Quelle:
Nature Ecology & Evolution. DOI: https://doi.org/10.1038/s41559-025-02896-0. Veröffentlicht am 25.11.2025

