
Die unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid (CO2) – bekannt als Carbon Capture and Storage (CCS) – wird in Deutschland als zentrale Technologie für die Klimaneutralität bis 2045 positioniert. Nach der Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) im November 2025 ist die kommerzielle Speicherung nun erlaubt, vor allem in der Nordsee. Projekte wie CO2LLECT in Rüdersdorf oder das geplante Pipeline-Netz zielen auf 30–60 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ab. Doch hinter dem Versprechen der Dekarbonisierung lauern erhebliche Risiken, insbesondere bei Unfällen. Basierend auf Analysen des Umweltbundesamts (UBA), des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) und internationaler Studien (z. B. IPCC, IEA) beleuchtet dieser Artikel kritisch die potenziell tödlichen Gefahren – von Erstickung bis zu Multiorganversagen – und vergleicht sie mit der Situation in Afrika. Während Deutschland strenge Regulierungen plant, fehlt es in vielen afrikanischen Ländern an Infrastruktur und Überwachung, was Unfälle exponentiell verschärfen könnte.

1. Die Mechanismen tödlicher Risiken bei CCS-Unfällen in Deutschland
CCS umfasst Abscheidung, Transport (meist per Pipeline) und Speicherung in geologischen Formationen. Unfälle können in jeder Phase eintreten, wobei der Transport und die Speicherung die höchsten tödlichen Potenziale bergen. CO2 ist farb- und geruchlos, schwerer als Luft und löst sich in Feuchtigkeit zu Kohlensäure – eine Kombination, die bei Freisetzungen zu raschem Erstickungstod führt. Bereits 8 % CO2-Gehalt in der Luft verursacht Bewusstlosigkeit und Tod innerhalb von Minuten; 4 % reichen für schwere Vergiftungen aus.
- Pipeline-Rupturen und Freisetzungen: Der Transport von verflüssigtem oder überkritischem CO2 (unter hohem Druck) birgt das Risiko von Rissen durch Korrosion, Erdbeben oder mechanische Schäden. In Deutschland sind 4.000 km Pipelines geplant, die durch bewohnte Gebiete wie das Ruhrgebiet führen. Ein Leck könnte Tausende Tonnen CO2 freisetzen, was zu lokalen „CO2-Wolken“ führt, die sich in Senken ansammeln und Menschen, Tiere und Fahrzeuge (durch Motoraussetzer) lahmlegen. Die UBA schätzt, dass ein Unfall mit 3 Tonnen CO2 bereits unkontrollierbar ist – bei Millionen Tonnen pro Jahr wären Evakuierungen unmöglich. Langfristig: Korrodierte Pipelines könnten Grundwasser versauern und chronische Vergiftungen auslösen.
- Speicher-Leckagen und Seismizität: In der Nordsee werden Aquifere oder alte Gasfelder genutzt, die durch Bohrlöcher geschwächt sind. Injektionsdruck kann Faulten aktivieren und induzierte Erdbeben auslösen, die Deckschichten durchbrechen. Das SRU warnt vor Leckageraten von 0,1–1 % über 100 Jahre, was zu schleichenden Freisetzungen führt. Tödlich: CO2-Austritt am Meeresboden versauert das Wasser (Kohlensäurebildung), was Korallen und Fischbestände tötet und Nahrungsketten kollabieren lässt – indirekt für Fischer und Küstenbewohner. An Land (z. B. in Niedersachsen) droht Kontamination von Trinkwasserreservoirs, mit Risiken für Millionen.
- Abscheidungs- und Verarbeitungsunfälle: In Anlagen wie Zementwerken entstehen bei der CO2-Verflüssigung toxische Chemikalien (z. B. Aminlösungen), die bei Lecks zu Verbrennungen oder Krebsrisiken führen. Der Flächenbedarf verdoppelt sich, erhöht Unfallwahrscheinlichkeiten durch Baustellen.
Kritisch: Die Haftung ist auf 30–40 Jahre begrenzt; danach trägt der Staat. Versicherungen meiden CCS-Risiken, und Kosten für Unfälle (Milliarden) landen bei Steuerzahlern. Studien prognostizieren bei globaler Skalierung Hunderte Todesfälle pro Jahr bis 2050 – in Deutschland könnten allein Nordsee-Projekte Dutzende fordern, wenn ein Leck auftritt.
2. Dokumentierte Unfälle und Evidenz aus Deutschland und weltweit
In Deutschland gibt es bisher keine kommerziellen CCS-Unfälle, da die Technologie bis 2025 nur pilotmäßig lief. Allerdings zeigen historische CO2-Vorfälle die Gefahren: Bei der Freisetzung von 3 Tonnen CO2 in einer deutschen Lagerstätte (nicht CCS-spezifisch) waren Rettungsmaßnahmen unzureichend, was bei Skalierung katastrophal wäre. Die Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager dokumentiert, dass selbst kleine Lecks (0,001 % Retention) über Jahrzehnte kumulieren und tödlich wirken.
Weltweit unterstreichen reale Vorfälle die Kritik:
- Satartia, Mississippi (USA, 2020): Ein Mudslide zerstörte eine CO2-Pipeline; 45 Menschen landeten im Krankenhaus, viele mit langfristigen Lungen- und Herzschäden durch Erstickung. 200 Evakuierungen, Fahrzeuge setzten aus – ein Szenario, das in der dicht besiedelten Norddeutschland Tausende betreffen könnte.
- Weitere globale Fälle: Von 1986–2021 gab es 113 CO2-Pipeline-Unfälle in den USA, mit Verletzungen und Umweltschäden, aber wenigen Todesfällen dank Regulierung. In Norwegen (Sleipner-Projekt seit 1996) gab es keine Fatalitäten, doch Lecks aus alten Bohrlöchern (Methan-Austritt) deuten auf CCS-Risiken hin. Eine IEA-Analyse warnt: Bei 44 aktiven Anlagen weltweit (Stand 2024) steigt die Unfallwahrscheinlichkeit mit Skalierung.
Kritisch: Die „sichere“ Retention (99,999 %) ist theoretisch; reale Daten fehlen für Jahrtausende-Speicherung. Der BUND kritisiert, dass CCS fossile Industrien verlängert, ohne Vermeidung zu fördern – ein „Greenwashing“ mit tödlichem Potenzial.
3. Vergleich mit Afrika: Höhere Vulnerabilität durch fehlende Infrastruktur
Afrika steht vor einer CCS-Expansion: Projekte wie in Südafrika (Athol-Aquifer) oder Nigeria (offshore-Speicher) zielen auf Industrieemissionen ab, unterstützt von EU- und US-Fördermitteln. Doch im Vergleich zu Deutschland – mit strenger EU-Regulierung (NZIA-Verordnung), Monitoring (Seismik, Sensoren) und Haftungsregeln – ist der Kontinent vulnerabler. Afrika hat nur 2 % der globalen CCS-Projekte (Stand 2025), aber steigende Investitionen (z. B. Northern Lights-Exporte nach Marokko).
- Risikofaktoren in Afrika: Weniger geologische Daten (z. B. in der Sahara oder Ostafrika) erhöhen Leckage-Risiken. Korruption und schwache Regulierung (z. B. in Nigeria) führen zu unzureichender Prüfung. Transport per Schiff (Exporte) birgt Kenternrisiken – ein Sinkfall könnte CO2 in Küstengebiete freisetzen, wo Dichtebevölkerung und Armut Evakuierungen erschweren. In Südafrika warnen Studien vor Seismizität in tektonisch aktiven Zonen, was Erdbeben mit CO2-Freisetzung verstärkt.
- Potenzielle Todesfälle: In Deutschland schätzt das UBA bei einem Unfall 10–100 Fatalitäten (durch schnelle Intervention). In Afrika könnten es Hunderte sein: In ländlichen Gebieten fehlen Warnsysteme, medizinische Versorgung und Katastrophenschutz. Ein Vergleich: Globale Prognosen (IEA) sehen in Entwicklungsländern 2–5-mal höhere Mortalitätsraten bei Industrieunfällen. Afrika-spezifisch: Keine dokumentierten CCS-Todesfälle, aber analoge Vorfälle (z. B. Gaslecks in Nigeria) töteten Dutzende. Klimawandel verstärkt Vulnerabilität – Dürren behindern Monitoring, Überschwemmungen Pipelines.
- Sozioökonomischer Kontrast: Deutschland priorisiert Offshore-Speicher (weniger Bevölkerungsrisiko), Afrika onshore (günstiger, aber riskanter). Investitionen fließen (z. B. 1 Mrd. USD in südafrikanische Projekte), doch ohne Transfer von deutscher Expertise droht „Risiko-Dumping“: Europa lagert CO2 aus, Afrika trägt die Unfalllast.
Kritisch: Der Nord-Süd-Unterschied unterstreicht Ungerechtigkeit – Deutschlands CCS profitiert von afrikanischen Ressourcen (z. B. Gasfelder), exportiert aber Risiken. Der SRU fordert globale Standards; ohne sie könnte Afrika zu einem „CO2-Mülleimer“ werden.
4. Regulatorische Lücken und Kritik
Das KSpG 2025 verbietet Speicher in Schutzgebieten und fordert Pufferzonen, doch Kritiker (Greenpeace, BUND) sehen Lücken: Keine unabhängige Langzeitüberwachung, begrenzte Haftung und fehlende Alternativen-Förderung. In Afrika fehlen gar nationale Gesetze (außer Südafrika). Globale Analysen (Global CCS Institute) betonen: Ohne Milliarden-Investitionen in Sicherheit steigen Unfallraten um 30–50 % in Entwicklungsländern.
5. Fazit: Ein risikoreiches Wagnis mit globalen Ungleichheiten
CCS in Deutschland birgt tödliche Unfallrisiken – Erstickung durch Freisetzungen, Versauerung und Seismizität könnten Dutzende bis Hunderte Leben fordern, wenn Projekte skalieren. Die Technologie ist kein „sicheres“ Allheilmittel, sondern ein teurer (50–100 €/Tonne) Kompromiss, der fossile Abhängigkeit verlängert. Im Vergleich zu Afrika, wo schwache Strukturen exponentielle Todesfälle ermöglichen, unterstreicht Deutschlands Ansatz Vorreiterpflicht: Exporte nur mit Technologietransfer. Stattdessen droht eine neue Kolonialität des Klimaschutzes. Besser: Priorisieren von Vermeidung (Erneuerbare, Effizienz) statt Speicherung. Ohne radikale Risikominderung ist CCS ein Spiel mit dem Feuer – und dem Leben.

