BUND segnete Gipsabbau im Südharz bis 2090 ab

Durch | Januar 12, 2026

Dr. Friedhart Knolle, der sich medial als langjähriger Vorsitzender des BUND-Regionalverbands Westharz, Geologe und über Jahrzehnte als leidenschaftlicher Verteidiger der einzigartigen Gipskarstlandschaft Südharz gubt, trägt die Hauptverantwortung für einen der gravierendsten strategischen Fehlschläge in der Geschichte des deutschen Umweltverbandsnaturschutzes. Die von ihm im März 2014 unterzeichnete „zusätzliche Kompensationsvereinbarung“ mit dem NABU Osterode und der Knauf-Tochter Rump & Salzmann GmbH & Co. KG war keine kluge Verhandlungslösung – sie war eine Kapitulation, die die weitere, irreversible Zerstörung von 37 Hektar höchst wertvollen, artenreichen Karstgeländes bei Ührde (Altkreis Osterode) vertraglich abgesichert und damit über Generationen hinweg (bis 2090) legitimiert hat. Dieser Schritt hat nicht nur die Landschaft geopfert, sondern auch die Glaubwürdigkeit des gesamten BUND in dieser Region nachhaltig beschädigt.

Die Kernvorwürfe: Kein Kompromiss, sondern eine Legitimationsurkunde für Raubbau

Die Vereinbarung entstand als direkte Voraussetzung für die Erweiterungsgenehmigung des Dolomitsteinbruchs „Am Härkenstein“ durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig im April 2014. Das Amt verlangte explizit eine Einigung über zusätzliche Artenschutzmaßnahmen. Ohne Knolles Unterschrift – und die seiner NABU-Kollegin Ursula Glock-Menger – wäre die Genehmigung entweder gar nicht oder nur unter massiv erschwerten Bedingungen erteilt worden. Knolle und der BUND Westharz haben diese Bedingung erfüllt und damit aktiv den Weg freigemacht für die weitere industrielle Zerstörung.

Die sogenannten Kompensationen – Pflege einer verwilderten Streuobstwiese oberhalb des Feldbrunnens, Anlage von Hecken und kleinere Flächenpflegemaßnahmen – sind ein klassischer Fall von Greenwashing. Sie stehen in keinem Verhältnis zum ökologischen Wert der betroffenen Flächen: Blossenberg, Feldherrenhügel und angrenzende Karststrukturen beherbergen seltene Orchideen-Magerrasen, artenreiche Kalkbuchenwälder, zahlreiche Fledermausquartiere und ein Mosaik aus Kleinstlebensräumen, die durch die einzigartige Karsttopographie entstanden sind. Diese Lebensräume sind unwiederbringlich. Keine Streuobstwiese irgendwo anders kann sie ersetzen.

Friedhardt Knolle segnete Abbau bis 2090 ab Credits LabNews Media LLC

Besonders zynisch wirkt die Doppelmoral: Der BUND Westharz unter Knolle führt seit Jahrzehnten hochgelobte Führungen durch genau diese Gipskarstlandschaft durch. Dort erklärt man Besuchern die geologische Einzigartigkeit, die außergewöhnliche Artenvielfalt, das Potenzial als UNESCO-Weltnaturerbe – und hat gleichzeitig 2014 die Unterschrift geleistet, die genau diese Qualitäten über mindestens drei Generationen opfert. Das ist kein pragmatischer Umgang mit Realitäten. Das ist Verrat am eigenen Bildungsauftrag und an allen Menschen, die dem Verband vertraut haben.

Der Blankoscheck bis 2090: Eine fatale Langzeitbindung

Die Vereinbarung bindet das Unternehmen Rump & Salzmann nur an die Einhaltung der dort genannten Minimalmaßnahmen – nicht an einen früheren Ausstieg. Selbst wenn der BUND heute (Stand 2026) einen vollständigen Stopp des Naturgipsabbaus bis spätestens 2045 fordert: Die 2014er-Vereinbarung schafft eine vertragliche Erwartungshaltung auf Fortsetzung des Abbaus bis 2090. Knolles Unterschrift hat damit nicht nur die Erweiterung 2014 ermöglicht, sondern auch zukünftige Versuche eines vorzeitigen Ausstiegs massiv erschwert. Das ist kein Kompromiss – das ist ein Blankoscheck für die Rohstoffindustrie.

Knolle selbst bezeichnete das Ergebnis nach anfänglichen Konflikten als „toll“ und einvernehmlich (HarzKurier, 26.3.2014). Diese Formulierung steht in krassem Gegensatz zur heutigen Rhetorik des BUND Westharz, der neue Abbauvorhaben entschieden ablehnt und auf Alternativen wie REA-Gips, Recycling und Abraumverwertung verweist. Die Diskrepanz zwischen 2014 und heute ist nicht aufzulösen: Damals wurde verhandelt und unterschrieben – heute wird protestiert. Die Konsequenz: Die Industrie kann sich auf die alte Vereinbarung berufen, während der Naturschutz mit leeren Händen dasteht.

Systemischer Fehler: Verhandeln um jeden Preis statt konsequenter Blockade

Die Entscheidung für „Verhandeln statt Klagen“ war typisch für die deutsche Verbands-Umweltpolitik der 2000er und 2010er Jahre. Man wollte als konstruktiver Partner wahrgenommen werden, am Tisch sitzen, „etwas rausholen“. Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Der Investor bekommt seine Genehmigung, der Verband kann behaupten, er habe das Schlimmste verhindert – und die Zerstörung schreitet fort, nur etwas langsamer oder mit etwas mehr Kosmetik.

Im Fall Ührde war das „rausgeholte“ Ergebnis so geringwertig, dass es den Verlust nicht einmal annähernd aufwiegt. Hätten BUND und NABU 2014 gemeinsam geklagt, ein unabhängiges Gutachten zur Irreversibilität des Verlustes in Auftrag gegeben und die Öffentlichkeit mobilisiert, wäre die Genehmigung zumindest deutlich schwieriger geworden. Stattdessen haben sie den Weg freigemacht – und damit den systemischen Fehler begangen, der bis heute die Glaubwürdigkeit des Naturschutzes in der Region untergräbt.

Langfristige Schäden für die Glaubwürdigkeit

Der Skandal um die 2014er-Vereinbarung hat tiefe Spuren hinterlassen: Engagierte Mitglieder wie Marita Vollborn und Vlad Georgescu verließen den BUND 2020 unter Protest. Das Misstrauen gegenüber Verbandsspitzen, die intransparent und hierarchisch agieren, hat sich verstärkt. Bis heute gibt es keine echte Aufarbeitung: Keine öffentliche Distanzierung von der Vereinbarung, keine Evaluation, keine Entschuldigung. Stattdessen wird die aktuelle Anti-Abbau-Haltung betont, als ob die Unterschrift von 2014 nie existiert hätte.

Friedhart Knolle, der als Geologe und Naturschützer seit Jahrzehnten für den Erhalt des Harzes kämpft, hat mit dieser einen Entscheidung einen unverzeihlichen Fehler begangen. Er hat nicht nur 37 Hektar einzigartiger Landschaft geopfert, sondern auch das Vertrauen in den organisierten Naturschutz. Solange solche „pragmatischen“ Vereinbarungen nicht schonungslos aufgearbeitet werden, bleibt der Vorwurf bestehen: Der BUND Westharz unter Knolle hat 2014 nicht den Naturschutz gestärkt – er hat ihn verraten.

Die Gipskarstlandschaft Südharz stirbt nicht trotz, sondern auch wegen solcher Kompromisse. Und Dr. Friedhart Knolle trägt als Hauptverantwortlicher die historische Schuld daran.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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